Hier können Camper an besonderen und geweihten Orten übernachten

Zwei Kirchen im Elm machen es möglich. Die Idee ist inzwischen zu einem bundesweiten Netzwerk angewachsen.

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Mit dem Wohnmobil direkt im Schatten der Kirche übernachten: Das ist hier in evessen möglich.
Mit dem Wohnmobil direkt im Schatten der Kirche übernachten: Das ist hier in evessen möglich. | Foto: church4night

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Schöppenstedt/Evessen. Mit dem Wohnmobil, dem Wohnwagen oder einem Zelt für eine Nacht auf geweihtem Boden campen, noch dazu ganz naturnah im Elm – das geht im Landkreis Wolfenbüttel. Gleich zwei Kirchen bieten Stellplätze für Reisende auf ihren Grundstücken an. Aus dieser besonderen Idee ist bereits ein bundesweites Netzwerk entstanden.



"Ich bin mit meiner Familie während der Coronazeit selbst zum Camper geworden", erzählt Martin Cachej im Gespräch mit regionalHeute.de zum Ursprung dieser Idee. Der Propst ist für die Markus-Gemeinde am Elm in Evessen und für die Kirchengemeinde Dreieinigkeit in Schöppenstedt zuständig. Genau dort können Camper inzwischen seit drei Jahren an einem besonderen Ort übernachten: Auf den Grundstücken der Kirche St. Johannes Baptista (Evessen) und der Kirche in Schöppenstedt.

Campen auf Kirchengrundstück in Schöppenstedt und Evessen

"Wir selbst hatten mal eine Nacht auf einem Campingplatz verbracht, den wir nicht besonders schön fanden. Dann kamen wir auf die Idee: Warum nutzen wir nicht unsere schönen Grundstücke an den Kirchen", erinnert sich Cachej. Seit 2023 gibt es jetzt das Angebot in Schöppenstedt und Evessen. In Evessen besteht sogar die Möglichkeit, in der Kirche zu schlafen. Dort stehen zwei Betten zur Verfügung – Dusche und Kühlschrank sind auch vorhanden. "Ganz rudimentär", wie Cahcej betont.

So schläft es sich in der Kirche in Evessen: Vom Bett aus blicken Übernachtungsgäste direkt auf den Altar.
So schläft es sich in der Kirche in Evessen: Vom Bett aus blicken Übernachtungsgäste direkt auf den Altar. Foto: church4night



Draußen auf dem Kirchengrundstück wäre theoretisch Platz für drei Fahrzeuge. "Wir versuchen es aber möglichst auf eins zu begrenzen", erklärt der Propst. Die meisten Camper würden genau diese Ruhe und Einsamkeit suchen.


"Das Angebot wird sehr gut angenommen. Es gibt Zeiten, da haben wir ein bis zwei Übernachtungen pro Woche", berichtet Cachej. Er empfiehlt Reisenden, die eine Übernachtung an oder in der Kirche planen, vorher anzurufen. Eine feste Gebühr nimmt die Kirche nicht von den Campern, als Gegenleistung ist eine Spende vorgesehen. Einen Stellplatz auf dem Kirchengrundstück oder ein Bett in Evessen buchen – das geht nur für eine Nacht.

Ziel sei es, Reisenden eine Bleibe eben für eine Nacht zu geben. Das hat auch theologische Gründe. "Es ist die christliche Gastfreundschaft. Es geht darum, Menschen auf der Durchreise die Möglichkeit zu geben, sich auszuruhen“, erklärt Cachej, der betont, niemanden nach seiner Kirchenzugehörigkeit zu fragen. "Aber viele haben eine Beziehung zur Kirche oder zu diesem besonderen Ort", erklärt er. Auch seien sich viele der Camper bewusst, dass der Ort eine besondere Würde habe. Dies sei auch der Anlass für Kritik an dem Angebot, lässt Cachej durchblicken. "Es sind aber nur wenige, die das nicht gut finden."

church4night wächst immer weiter


Aus der Idee aus dem Elm ist inzwischen ein bundesweites Netzwerk geworden – und sogar darüber hinaus. "Es gibt 14 Stellplätze in Deutschland, einen in Österreich und zwei in Rumänien. Es ist schön, dass andere da mitmachen", sagt Cachej über dieses Netzwerk, das den Namen church4night trägt. "Mein Ziel ist es, dass man irgendwann vom Nordkap bis nach Brindisi reisen kann und überall solche Orte zur Verfügung hat", erklärt Cachej, der selbst gerne Skandinavien und Italien bereist. "Irgendwann möchte ich auch alle unsere Stellplätze mal bereisen. Das habe ich bisher noch nicht geschafft."

Mit dem Camper unterwegs zu sein – es ist eine beliebte Urlaubsform, die in den vergangenen Jahren noch mal einen deutlichen Schub bekommen hat. "Ich denke, die Menschen stellen fest, dass es auch in Deutschland viele schöne Ecken gibt, die man mit dem Wohnmobil gut erreichen kann", meint Cachej. Und das ist eben auch in Schöppenstedt und Evessen der Fall – in einer Region, die auf der Homepage von chruch4night auch als "Toskana des Nordens" angepriesen wird.

Einmal im Jahr lädt Cachej gleich viele Reisende zur Camper-Night in den Garten vom Pfarrhaus in Schöppenstedt ein. Ein Wochenende lang geht es quasi nur darum, dass Menschen dort zusammenkommen. "Letztes Jahr waren 80 Leute mit 20 Fahrzeugen da", berichtet Cachej. Dieses Jahr steigt die Camper-Night bereits zum fünften Mal – und zwar vom 28. bis zum 30. August. Zum Abschluss hält Cachej einen Gottesdienst mit dem Schwerpunktthema Reisen.

Schon am 14. Juni ist Cachej derweil im Rundfunk zu hören. Der Evesser hält ab 10 Uhr einen Gottesdienst, den der NDR live aus der Kirche St. Johannes Baptista zu Evessen als Teil seiner Reihe "Radiogottesdienste" überträgt. Auch da soll es, wie könnte es anders sein, um das Thema Campen gehen. "Campen ist ein sehr biblisches Thema", betont Cachej. Die Bibel stecke eben bereits voller Geschichten von Reisenden.

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