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Historisch niedrige Fallzahlen: Kriminalität in Braunschweig erreicht Tiefstand



Braunschweig

Historisch niedrige Fallzahlen: Kriminalität in Braunschweig erreicht Tiefstand

Mit der Anzahl von 18.952 Straftaten (Vorjahreswert: 19.663 Straftaten) sei die Gesamtzahl pro Jahr weiter gesunken.

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Symbolbild Foto: Alexander Panknin

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Braunschweig. Am gestrigen Freitag hat die Polizeiinspektion Braunschweig die Kriminalstatistik für das Jahr 2020 bekannt gegeben. Darin wurde deutlich, dass die Zahl der Wohnungseinbrüche einen Tiefstand erreicht habe. Die Aufklärungsquote liege mit einer Höhe von 65,66 Prozent über dem Vorjahreswert, wie die Polizei in einer Pressemitteilung berichtet. Im 20-Jahresvergleich befindet sich die Kriminalität in Braunschweig auf einem historischen Tiefstand.



Mit der Anzahl von 18.952 Straftaten (Vorjahreswert: 19.663 Straftaten) sei die Gesamtzahl pro Jahr weiter gesunken. Dies beinhalte einen Rückgang gegenüber 2019 um 711 Taten, was einem Minus von 3,62 Prozent entspreche. Von diesen Taten hätten 65,66 Prozent (65,08 Prozent) aufgeklärt werden können, das entspreche 12.444 Fällen und einer Steigerung von 0,58 Prozent zum Vorjahr. Die Aufklärungsquote der Polizei Braunschweig liege über der des Landes Niedersachsen.

Bürger können sich sicher in Braunschweig fühlen



Anhand der Häufigkeitszahl lasse sich die Kriminalitätsbelastung eines Gebietes darstellen. Sie lasse sich errechnen, wenn man die Anzahl der Straftaten pro 100.00 Einwohner zähle. Diese Zahl sei im Stadtgebiet Braunschweig auf 7.598 (7.919) gesunken und folge dem deutlichen Abwärtstrend der vergangenen fünf Jahre. Im Jahr 2015 lag die Häufigkeitszahl noch bei 10.260. Leiter der Polizeiinspektion und des Zentralen Kriminaldienstes, Uwe Lietzau: „Der historische Tiefstand der bekanntgewordenen Straftaten ist ein Indiz dafür, dass sich die Braunschweigerinnen und Braunschweiger in unserer Stadt sicher fühlen können.“

Bedingt durch den Rückgang der Straftaten sei auch die Anzahl der ermittelten Tatverdächtigen auf 8.583 (8.880) zurück. Davon hätten 5.883 Personen die deutsche Staatsangehörigkeit.

Veränderungen in den Deliktsbereichen



Die besonderen Umstände, die die Maßnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie im Jahr 2020 mit sich brachten, hätten auch Veränderungen in den einzelnen Deliktsbereichen bedingt. Insgesamt lasse sich in fast allen Bereichen ein Rückgang von Straftaten feststellen.
Besonders erfreulich seien die sinkenden Zahlen der Rohheitsdelikte sowie in der Eigentumskriminalität.

Unter den Straftaten gegen das Leben sei es unter anderem zu drei versuchten Tötungsdelikten gekommen, die die Aufmerksamkeit der Bevölkerung und der örtlichen Presse erlangten. Als im April 2020 ein unerlaubter Handel mit Betäubungsmitteln eskalierte, sei ein 20-
jähriger Mann auf einem Parkplatz in Lamme durch einen von insgesamt vier Tätern lebensbedrohlich verletzt worden. Das Opfer habe den Angriff aufgrund einer Notoperation überlebt und die Täter hätten zeitnah ermittelt werden können.

Im Juni 2020 sei es in der Weststadt zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Bekannten gekommen. Der 30-jährige Täter habe sein Opfer in dessen Wohnung aufgesucht und solle auf den 25-Jährigen geschossen haben, wobei jedoch keine Verletzungen verursacht wurden.

Am Braunschweiger Hauptbahnhof sei Anfang September 2020 ein psychisch kranker, 30-jähriger Mann auf sein zufälliges Opfer getroffen. Unvermittelt habe er den 62-Jährigen angegriffen und ihm lebensgefährliche Verletzungen zugeführt, die er jedoch überlebt habe. Auch dieser Täter habe umgehend festgenommen werden können.

Weniger Diebstähle


Bei den Diebstahlsdelikten im Allgemeinen sei erneut ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. So wären im Jahr 2020 nur 5.720 (6.275) Delikte erfasst worden, das seien 8,84 Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig sei die Aufklärungsquote um 0,9 Prozent auf 37,97 Prozent gestiegen. Der Rückgang der Fallzahlen im Diebstahlsbereich zeige sich auch bei der Entwicklung des Einbruchdiebstahls in/aus Wohnungen. Die Gesamtzahl der angezeigten Taten sei auf 185 (233) zurückgegangen und habe damit einen neuen Tiefststand erreicht, der nur noch etwa die Hälfte der Einbruchsdiebstähle im Vergleich zum Jahr 2017 ausmache.

In 82 der 185 Fälle sei es beim Einbruchversuch geblieben. Insgesamt 72 (98) Fälle seien unter den Begriff des Tageswohnungseinbruchs gefallen, was den kontinuierlichen und spürbaren Abwärtstrend der letzten Jahre widerspiegele. Gleichzeitig habe sich die Aufklärungsquote fast verdoppelt und liege bei 28,65 Prozent (15,45 Prozent). Im Jahr 2016 habe die Aufklärungsqote noch bei 10,24 Prozent gelegen.

Diese Entwicklung lasse sich zum Einen durch einen Mangel an Tatgelegenheiten erklären, da das öffentliche Leben auf Grund der Corona-Pandemie stark zurückgefahren war. Die Gelegenheiten für Laden- oder Taschendiebstähle seien geringer geworden, die Menschen
würden vermehrt im Homeoffice arbeiten, sodass Einbrechern häufiger drohte entdeckt zu werden. Die hohe Zahl aufgeklärter Wohnungseinbrüche fuße im Wesentlichen auf der engagierten Arbeit der Kriminaltechnikerinnen und -techniker am Tatort und darüber
hinaus auf der Ermittlung einer überregional agierenden Tätergruppierung. Zum Anderen würden intensive polizeiliche Kontrollen und optimierte Sicherungstechnik in Gebäuden zur Reduzierung der vollendeten Einbruchsdiebstähle führen.

Anzahl der Körperverletzungen gesunken


Die Anzahl der Rohheitsdelikte sei im Jahr 2020 ebenfalls um 11,15 Prozent auf nun 2.709 (3.049) gesunken. Hierunter würden Körperverletzungen mit 1.944 (2.241) sowie gefährliche und schwere Körperverletzungen mit 489 (672) Fällen sowie Raubdelikte mit
107 (136) Fällen erfasst. Die Aufklärungsquote der Rohheitsdelikte liege auf einem gleichbleibenden hohen Niveau von 89,11 Prozent. Der Rückgang der Körperverletzungs- und Raubdelikte sei zu einem großen Teil auf die Schließung der Kneipen- und Diskothekenbetriebe während des Lockdowns zurückzuführen.

Im Fokus der Polizei Braunschweig stehe weiterhin die Entwicklung des Phänomenbereichs der häuslichen Gewalt. Trotz oder gerade wegen intensiver Präventions- und Informationsarbeit in Kooperation mit wertvollen Netzwerkpartnern sei Anzahl der Delikte etwa auf dem Vorjahresniveau von 811 (805) Straftaten geblieben, obgleich auch die Polizei Braunschweig von einem deutlich höheren Dunkelfeld ausgehe. Durch die kontinuierlich durchgeführte Zusammenarbeit mit der interdisziplinären Koordinierungsstelle Häusliche Gewalt steige die Anzeigebereitschaft Betroffener bei Körperverletzungsdelikten oder Straftaten gegen die persönliche Freiheit konsequent an.

Enkeltrick und "Falsche Polizeibeamte"


Die Zahl der Straftaten zum Nachteil älterer Menschen (SÄM) sei enorm angestiegen, dank erfolgreicher Präventionsarbeit hätten jedoch fast alle Delikte im Versuch geendet. Das Deliktsfeld von Straftaten zum Nachteil älterer Menschen erfähre in der Polizei Braunschweig besondere Aufmerksamkeit. Die Bearbeitung dieser Straftaten in einem eigenständigen Fachbereich habe sich seit dessen Einrichtung ebenso etabliert und bewährt wie die intensive vielfältige Präventionsarbeit, die insbesondere in Zeiten von sozialer und räumlicher Isolierung in Pandemiezeiten umso wichtiger geworden sei.

Insgesamt sei bei der Anzahl von Straftaten durch „Falsche Polizeibeamte“ und den „Enkeltrick“ eine Steigerung von rund 120 Prozent auf 696 (317) Straftaten gestiegen, die jedoch zu 98 Prozent (94,5 Prozent) im Versuchsstadium blieben. Dieser Anstieg sei unter anderem auch darauf zurückzuführen, dass mehr Fälle bekannt werden und in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft nunmehr auch Anbahnungsgespräche als Versuch erfasst werden. Die vollendeten Taten von „Falschen Polizeibeamten“ und dem „Enkeltrick“ seien 2020 von insgesamt 18 Taten im Vorjahr auf 8 Straftaten zurückgegangen, verursachten jedoch einen immensen Schaden von insgesamt rund 318.000 Euro. In vier Fällen von „Falschen Polizeibeamten“ sei im vergangenen Jahr allein in Braunschweig ein Schaden von 190.001 Euro bei den Seniorinnen und Senioren entstanden, durch vier weitere Strafaten durch den „Enkeltrick“ 128.501 Euro.

Gewalt gegen Polizeibeamte


Bei der Gewalt gegen Polizeibeamte sei im Jahr 2020 erneut ein leichter Anstieg von Straftaten auf 203 (196) Fälle zu verzeichnen gewesen. Die Anzahl der Opfer habe sich auf 440 (373) Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamten erhöht. Die teilweise vorherrschende Respektlosigkeit und Gewaltbereitschaft gegenüber den einschreitenden Kolleginnen und Kollegen sei besorgniserregend und in keinster Weise zu tolerieren. Uwe Lietzau resümiert: „Die Kriminalität in Braunschweig ist erneut deutlich zurückgegangen. Braunschweig bleibt auch Dank der engagierten Arbeit der Polizeibeamtinnen und -beamten eine sichere Stadt; die Bürgerinnen und Bürger können sich in Braunschweig sicher fühlen.“


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