Sie sind hier: Region >

Hitzewelle: Mehr Notfall-Patienten erwartet



Goslar

Hitzewelle: Mehr Notfall-Patienten erwartet


Im Notfall sollte man immer 112 anrufen. Foto: Alexander Panknin
Im Notfall sollte man immer 112 anrufen. Foto: Alexander Panknin Foto: Alexander Panknin

Artikel teilen per:

Goslar. Die Rettungsstelle der Asklepios Harzkliniken rechnet in den kommenden Tagen damit, dass deutlich mehr Patienten als üblich wegen hitzebedingter Beschwerden behandelt werden. Wetterexperten erwarten in vielen Regionen Deutschlands, auch im Harz, diese Woche weiterhin hochsommerliche Temperaturen von bis zu 28 Grad, „gefühlt“ teilweise noch höher.



Kopfschmerzen, Schwindel, Kreislaufprobleme sowie allgemeines Unwohlsein sind dann die typischen Symptome der Patienten, die sich in einer Notaufnahme vorstellen oder dorthin gebracht werden, berichtet Klinik-Pressesprecher Ralf Nehmzow.

„Besonders der Mangel an Flüssigkeit und die unmittelbare Hitzeeinwirkung sind gefährlich, vor allem ältere Menschen und Kinder reagieren dabei empfindlicher und sollten vorsichtig sein“, erklärt Dr. Ulrike Cretan, Chefärztin der Rettungsstelle und interdisziplinären Intensivstation. Jährlich mehr als 25.000 Notfallpatienten werden in der Rettungsstelle behandelt. „An heißen Tagen erhöht sich der Flüssigkeitsbedarf mitunter erheblich. Das körpereigene Kühlungssystem stößt dann schnell an seine Grenzen und es kann zu einer Dehydrierung kommen. Der Mangel an Flüssigkeit im Körper ist dabei Folge von zu geringer Flüssigkeitsaufnahme und einem großem Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen“, erläutert die Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie, Rettungsmedizin, Notfallmedizin und Intensivmedizin.

Zehn „goldene“ Ratschläge der Experten der Asklepios Harzkliniken:





    1. Tragen Sie luftige Kleidung und eine helle Kopfbedeckung, wenn Sie in der Sonne unterwegs sind.


    2. Halten Sie sich möglichst in kühlen Räumen auf.

    3. Vermeiden Sie ungewohnte körperliche Anstrengung.

    4. Setzen Sie sich nicht der prallen Sonne aus (z.B. bei der Arbeit im Garten).

    5. Gönnen Sie sich eine Mittagspause, machen Sie „Siesta“.

    6. Bevorzugen Sie leichte Kost wie Gemüse, Fisch oder Obst.

    7. Trinken Sie mehr als sonst, „immer über den Durst“, aber keinen Alkohol und nicht zu kühle Getränke.

    8. Trinken Sie nicht zu viel auf einmal, denn pro Stunde können Sie nur 500 bis 800 Milliliter Flüssigkeit aufnehmen und sinnvoll verwerten. Am besten trinken Sie über den Tag verteilt jede Stunde ein Glas Wasser, auch wenn Sie noch keinen Durst haben.

    9. Bei Hitze verbraucht der Körper mehr Natrium, Magnesium und Calcium. Deshalb ist es ratsam, dementsprechend angereicherte Mineralwässer zu trinken. Herz- und nierenkranke Menschen sollten allerdings aufpassen und ihren Arzt befragen, welche Wassersorten und –mengen für sie geeignet sind.

    10. Lassen Sie niemals Kinder oder Haustiere in einem geparkten Auto zurück.




Flüssigkeitsverlust und Durst


Bei Senioren macht der Anteil von Flüssigkeit am Körpergewicht nur 60 Prozent aus. Bei großer Hitze gehen mit dem Körperwasser immer auch Natrium, Magnesium und Calcium mit verloren. Und zwar vor allem aus den Körperzellen einschließlich Nervengewebe. Diese trocknen dann regelrecht aus. Man wird dadurch müde und matt, die Reaktionsfähigkeit lässt nach, was unter anderem im Straßenverkehr riskant ist. Im Extremfall kann es zu regelrechten Verwirrtheitszuständen kommen. Aber auch das Herzkreislaufsystem ist gefährdet durch ein Versacken des Blutes mit Blutdruckabfall und durch Eindicken des Blutes mit Thrombose und Embolie. Ältere Autofahrer sollten ebenfalls ein Prinzip der Regelmäßigkeit pflegen, nämlich alle zwei Stunden eine Pause zum Abkühlen und Trinken einlegen. Dies ist umso wichtiger, da die fehlende Wärmeabgabe im überhitzten Autofatale Folgen für Reaktionsvermögen und Körperkreislauf hat.

Warme oder kalte Getränke


Kalte und eiskalte Getränke belasten den Körper deutlich mehr als wohltemperierte oder warme, denn er muss viel Energie aufbringen, um die Temperatur zu regulieren. Als Folge schwitzen wir noch mehr. Dadurch werden zusätzliche Kalorien verbrannt, mit dem Effekt, dass zusätzliche Körperwärme entsteht. Extrem kalte Getränke können außerdem zu Magenproblemen und Unwohlsein führen. Deshalb der Hinweis: Auch warmer Pfefferminztee kann erfrischen und die Blutgefäße in Magen und Darm erweitern, sodass der Tee besser und schneller als kalte Getränke ins Blut gelangen kann.

Gefühlte Temperaturen


Die sogenannte gefühlte Temperatur weicht von der tatsächlich gemessenen Temperatur ab. Sie wird anhand von Luftfeuchte, Strahlung, Wind, tatsächlicher Temperatur sowie dem menschlichen Verhalten (Aktivität und Bekleidung) berechnet.

Im Notfall immer 112 anrufen!


Wenn es zu einem Hitzschlag oder Kollaps gekommen ist oder der Verdacht besteht, ist sofort der Rettungsdienst unter der Telefonnummer 112 zu verständigen. Bringen Sie den Betroffenen an einen kühlen Ort, lockern Sie seine Kleidung, kühlen Sie mit feuchten Tüchern ab und reichen Sie Getränke, nicht zu kühl und nicht zu viel auf einmal.


zur Startseite