IG Metall und VW im Streit: Konzern kündigt Tarifverträge

Erste Auswirkungen wären ab Januar möglich. Eine heftige Auseinandersetzung zum Jahreswechsel bahne sich an.

Archivbild vom VW-Werk.
Archivbild vom VW-Werk. | Foto: Axel Otto

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Wolfsburg. Der VW-Vorstand hat am heutigen Mittwoch sein Vorhaben verkündet, eine ganze Palette an Verträgen aus dem VW-Haustarif zu kündigen. Das teilt die IG Metall in einer Pressemeldung mit.



Die Arbeitgeberseite hat am heutigen Mittwoch die Kündigungen übermittelt. Dort hatten sich die Tarifvertragspartner zum Überprüfungsgespräch zum Tarifkompromiss aus 2024 getroffen. IG Metall und Betriebsrat kündigen ihren Widerstand an. Eine heftige Auseinandersetzung zum Jahreswechsel bahne sich an. Auch der VW-Konzern selbst bestätigte in einer Pressemitteilung: "Aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen hat die Volkswagen AG zudem verschiedene Tarifverträge zum 31. Dezember 2026 fristgerecht gekündigt."

Keine Kündigungen bis 2031


IG Metall und Gesamtbetriebsrat informieren in der Pressemitteilung vorab über die wichtigsten Punkte aus dieser Entwicklung: Mögliche Kündigungen der Tarifverträge hätten keinerlei Auswirkungen auf die bis Ende 2030 unkündbare Beschäftigungssicherung – weder aktuell noch in nächster Zeit kann sich irgendetwas an der Unkündbarkeit ändern. In der Volkswagen AG sind also weiterhin betriebsbedingte Kündigungen bis 2031 unmöglich, versichert die Gewerkschaft.

Die nun durch den Vorstand anvisierten Kündigungen könnten frühestens ab Januar 2027 Auswirkungen haben. Beispielhaft zu erwähnen sei hier die sogenannte Tarifliche Zusatzvergütung T-ZUV, bei der es um wahlweise sechs zusätzliche freie Tage im Jahr oder um eine Zusatzzahlung über 27,5 Prozent eines Monatseinkommens geht. Auch die Themen tarifliche Zulage (früher LOV), Tarif-Plus, Manteltarifvertrag und Ausbildung könnten von den Kündigungen betroffen sein. Details habe die Arbeitgeberseite um Verhandlungsführer Arne Meiswinkel zunächst nicht nennen wollen.

Sachverhalte vermischt?


Die Tarifvertragsparteien hatten sich am Mittwoch zu einem sogenannten Überprüfungsgespräch getroffen, bei dem es um die Vertragstreue des Vorstands bezüglich der Einigung aus 2024 gehen sollte. Mit den Ansagen zur Kündigung der Tarifverträge vermische der Vorstand nun zwei verschiedene Sachverhalte: die Gespräche über die Vertragszusagen aus 2024 und Forderungen für eine jetzt erst beginnende Tarifrunde 2026/2027.

Thorsten Gröger, Verhandlungsführer der IG Metall: „Das ist ein übles Foul an der Belegschaft und erneut ein schamloser Versuch, in die Geldbeutel der Beschäftigten greifen zu wollen. Volkswagen versucht, die wirtschaftlichen Herausforderungen des Konzerns bei denen abzuladen, die das Unternehmen jeden Tag am Laufen halten. Während Gewinne privatisiert werden, sollen unternehmerische Kosten und Risiken nun auf die Belegschaft verlagert werden. Das werden wir nicht hinnehmen. Wer den Beschäftigten in die Tasche langen will, muss mit einer entsprechenden Auseinandersetzung rechnen.“

"Vorstand auf der falschen Spur"


Daniela Cavallo, Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Volkswagen AG, unterstreicht: „Der Vorstand glaubt offenbar, uns erpressen zu können: Einfach Werke mit dem Aus bedrohen und dann zusätzlich im nächsten Schritt die nächsten Tarifeinschnitte durchsetzen wollen. Aber diese Rechnung wird nicht aufgehen. Schon 2024 sind wir mit Verzicht über alle Beschäftigtengruppen an die Grenze des Vermittelbaren gegangen. Das wird sich nicht wiederholen. Dafür müssen aber wir alle in der Tarifrunde den Vorstand spüren lassen, dass er auf der falschen Spur unterwegs ist. Ich rechne mit einer heftigen Auseinandersetzung zum Jahreswechsel.“

Auf der anderen Seite erklärt Arne Meiswinkel, Personalvorstand der Marke Volkswagen und Mitglied der erweiterten Konzernleitung,laut der VW-Pressemitteilung: „Das wirtschaftliche Umfeld hat sich für die Automobilindustrie im Allgemeinen und damit auch für Volkswagen in den vergangenen 18 Monaten gravierend verschärft. Diese Marktveränderungen sind strukturell und tiefgreifend. Unter anderem drängen chinesische Hersteller mit günstigen Exporten nach Europa. Das erhöht den Preis- und Wettbewerbsdruck enorm. Die Maßnahmen aus dem Zukunftsplan (Group Target Picture 2030) müssen daher schnell und konsequent umgesetzt werden, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Ich denke, jeder spürt angesichts der Nachrichten aus der gesamten Automobilindustrie, dass wir jetzt handeln müssen.“

Aufgrund des sehr angespannten Marktumfelds passe laut VW auch die Forderung der IG Metall nach 5 Prozent mehr Geld im Rahmen der anstehenden Tarifrunde nicht zur aktuellen Lage des Unternehmens und der Industrie. Im Gegenteil: Es gelte sogar mehr als zuvor, dass Volkswagen seine Kosten senken und auf ein wettbewerbsfähiges Niveau bringen muss.