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Im Harz sind die Wildkatzen los - Nicht alle Jungtiere brauchen Hilfe



Im Harz sind die Wildkatzen los - Nicht alle Jungtiere brauchen Hilfe

Wildkatzen sind nicht immer einfach von Hauskatzen zu unterscheiden. Vermeintlich hilflose Jungtiere sollten nicht einfach eingesammelt werden.

von Julia Fricke


Symbolbild
Symbolbild Foto: pixabay

Harz. Erst in der letzten Woche wurde eine Wildkatze das Opfer eines Verkehrsunfalles an der B82 bei Langelsheim (regionalHeute.de berichtete). Mittels Gentest sollte genau untersucht werden, ob es sich bei dem Tier tatsächlich um eine Wildkatze handelte. Denn Wild- und Hauskatzen würden sich nicht immer so einfach auseinanderhalten lassen, wie Ole Anders, Beauftragten des Nationalparks Harz im Gespräch mit regionalHeute.de schildert. So dauert es nicht mehr lange, bis die ersten Jungtiere dieses Jahres im Wald unterwegs sind. Nicht selten kommt es dann vor, dass vermeintlich hilflose Kätzchen von Tierfreunden mit nach Hause genommen werden. Doch nicht immer ist es eine gute Idee die Tiere einfach aus der Natur zu nehmen.



Hauskatze oder Wildkatze? Tierfreunde möchten gerne helfen. Doch die Situation sollte im Vorfeld gut beobachtet werden, weiß Ole Anders, denn bei Wildkatzen kümmert sich ausschließlich das Muttertier um die Aufzucht der Jungen. "Einen Kater, der sich mit um die Kleinen kümmert, gibt es nicht. Wenn die Mutter auf Nahrungssuche ist, müssen die Jungtiere mal alleine klarkommen. Werden die dann von jemandem mitgenommen, kommt die Mutter kurze Zeit später wieder zurück und alle Babys sind weg."

Know-How in der Aufzucht notwendig


Die Entwicklung der Tiere in menschlicher Obhut ist von vielen Faktoren abhängig. Ziel sei in solchen Fällen zunächst die Wiederauswilderung. Doch der Aufwand dahin zu kommen sei hoch. Daher müssten die Kätzchen in gute Hände abgegeben werden, die sich mit der Aufzucht von Wildkatzen auskennen. Denn gewöhne sich das Tier zu sehr an den Menschen oder werde falsch ernährt sei es schnell für das Freiland verloren. "Das wäre sehr bitter. Deswegen ist unsere Empfehlung erstmal: Beobachten. Vor allem, wenn die Tiere nicht so aussehen, als wenn sie gleich tot umfallen", so Anders weiter. Gleich zugegriffen sollte aber auch nach einem Tag Warten nicht sofort. Zunächst sollten Personen informiert werden, die sich intensiv mit den Wildtieren auskennen. Dies können zum Beispiel Förster sein.


Zwischen Hilfeleistung und Wilderei


Grundsätzlich dürfen Wildtiere nicht einfach aus der Natur entnommen werden. Eine Ausnahme würden jedoch tatsächlich hilflose Tiere bilden. Diese dürften entnommen und gesundgepflegt werden. Nach der Genesung sei es jedoch zwingend erforderlich sie wieder freizusetzen. "Wir erleben das immer wieder, dass Leute sagen sie haben eine Wildkatze eingefangen und wollen dann Informationen haben. Und dann sind sie aber nicht mehr bereit das Tier wieder herzugeben. Das ist dann ein illegaler Tatbestand. Ein Wildtier muss wieder in die Natur entlassen werden", schildert Anders.


Aber auch positive Beispiele kann Anders nennen. So sei ein kaum bewegungsfähiges, wenige Wochen altes Luchs-Jungtier gefunden worden. In diesem Fall hätten die Finder alles richtig gemacht. "Die haben einen Tag abgewartet und haben dann, als das Tier da immer noch war, Hilfe geholt."

Derzeit werde von einer geschätzten Zahl von 600 Wildkatzen im Harz ausgegangen. Eine gesicherte Gesamtzahl gebe es jedoch nicht.


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