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IM PORTRÄT: Ernst Gruber



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IM PORTRÄT: Ernst Gruber

Ernst Gruber, Vorstandssprecher der Volksbank eG Wolfenbüttel, ist eine echte Frohnatur und sprüht vor Optimismus, Tatendrang und Lebensfreude. Im Interview erzählt er, was er neben seinem Bank-Job so treibt und worauf es ihm im Leben ankommt.

von Anke Donner


Ernst Gruber
Ernst Gruber Foto: Anke Donner

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Wolfenbüttel. Seit 25 Jahren ist Ernst Gruber im Vorstand der Volksbank Wolfenbüttel und übt diesen Beruf mit viel Leidenschaft aus. Die Volksbank hat in dieser Zeit eine durchweg positive Entwicklung gehabt und weist zum Ende 2020 eine Bilanzsumme von mehr als 2,5 Milliarden Euro und einen betreuten Geschäftsvolumen von über 5 Milliarden Euro aus. Ein Erfolg, der von der gesamten Volksbankmannschaft erarbeitet wurde, betont Ernst Gruber. Doch wer glaubt, der 64-Jährige sei ein versnobter Banker mit Schlips und Kragen, der irrt. Ernst Gruber, der in einem kleinen Ort in Salzgitter lebt, tauscht in seiner Freizeit den Anzug gerne einmal gegen Arbeitsklamotten und Strohhut. Und statt mit Zahlen wird dann mit Kartoffeln jongliert.



Noch knapp ein Jahr, dann will sich Ernst Gruber in den Ruhestand verabschieden, sagt er, als er mich in seinem Büro empfängt. Das, wie ich zu meinem Erstaunen feststelle, nicht im Neubau der Bank liegt und auch nicht in der umgebauten Welger Villa. Ernst Gruber ist im "alten" Teil der Bank geblieben. "Hier bin ich nah bei den Menschen und kann auch mal mit den Kunden und den Kollegen ein Wort wechseln", sagt er. Überhaupt sei er ein Mensch, der Menschen um sich haben muss. Und dabei ist es ihm egal, welcher Gesellschaftsschicht sie angehören, oder welchen Beruf sie ausüben. "Der Mensch selbst ist wichtig, nicht das, was er macht oder ist. Sie und mich unterscheidet das Geschlecht, aber als Menschen sind wir beide absolut gleich viel wert. Das ist eine Grundmaxime von mir", sagt Ernst Gruber voller Überzeugung.

Zwischen Traktor und Tresor



Dass er heute in Schlips und Kragen ein Teil der Führungsspitze der Volksbank Wolfenbüttel ist, verdankt er dem Umstand, dass es in seiner Familie keinen landwirtschaftlichen Betrieb gab, den er hätte übernehmen können. "Mein Traum war es nämlich eigentlich, Landwirt zu werden", erzählt er lachend. Seinen Drang nach Natur und das Bedürfnis, etwas mit seinen Händen zu schaffen, kompensiert Ernst Gruber nun in seiner Freizeit. Vor einigen Jahren hat er sich einen alten Trecker angeschafft. Einen Lanz Bulldog, Jahrgang 1956 - wie er. Damit werden auch mal kleine Ausflüge durchs Dorf unternommen. "Ich habe in den vergangenen Jahren damit auch an den Umzügen im Ort teilgenommen", erzählt er begeistert.


Ernst Gruber mit seinem Traktor auf einem Ausflug Foto: Privat


Außerdem hat er noch einen Hanomag und einen umgebauten Pferdeanhänger mit Sitzbänken. "Damit kann ich mit Freunden und der Familie durch die Gegend fahren", erzählt er und verfällt gleich in Begeisterung, wenn er auf die Aktionen zurückblickt, die er damit schon im Dorf angestoßen hat. Vor ein paar Jahren gab es eine von ihm initiierte Aktion auf einem Acker mit dem Namen "Pflügen wie vor 50 Jahren". Mit einem Freund hat er einen Pflug gekauft und draus ein kleines Fest gemacht. Den Pflug hat er damals gelenkt, verrät Gruber. "Das war ein toller Erfolg. Ich habe mir dann einen Strohhut aufgesetzt und bin in alten Sachen rumgelaufen. Ich habe für Essen und Getränke gesorgt und habe mich gefreut, wie ein kleiner Gott", lacht er und hat noch eine Geschichte auf Lager, die einen ganz anderen Ernst Gruber zeigt.

"Vor drei Jahren haben wir dann gesagt, wir müssen noch etwas anderes machen. Also habe ich mir ein Stück Acker gemietet und Kartoffeln angebaut. Ich habe mit Freuden 50 Kilo Saatkartoffeln angepflanzt und natürlich auch sauber gehalten und die Käfer abgesammelt." Am Ende gab es eine Kartoffelernte, bei der 500 Kilo Kartoffeln geerntet und in kleine Säcke verpackt wurden. Die wurden bei einem kleinen Fest gegen eine Spende dann abgegeben.




Ernst Gruber braucht diese körperliche Tätigkeit, die so ganz konträr zu seinem Beruf steht. "Das ist zum einen der Gegenpol zu meinem Job, weil es so gar nichts damit zu tun hat. Außerdem ist es eine Möglichkeit, mit meinen Freunden und Bekannten zusammenzukommen. Die ziehen dann alle mit, auch die Frauen.

Ernst Gruber ist ein totaler Naturliebhaber, liebt die Arbeit draußen und schafft gerne etwas mit seinen eigenen Händen. Dass er heute nicht auf einem Resthof lebt, auf dem er seiner landwirtschaftlichen Affinität nachgehen kann, konnte seine Frau damals gerade noch verhindern.

Mit Glück und Fleiß


"Ich habe in meinem Leben viel Glück gehabt. Glück im Sinne von, dass meine Eltern mir meine Bildung ermöglicht und mich gefördert haben. Und das zu nicht einfachen Zeiten - es waren die Nachkriegsjahre", sagt er. Glück habe er auch gehabt, als er in den Vorstand der Volksbank gekommen ist. Sicher habe das auch mit Fleiß, der eigenen Zielstrebigkeit und Persönlichkeit zu tun. "Aber es gehört eben auch das Quäntchen Glück dazu. Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und Förderer haben. Aber auch selber seinen Beitrag leisten", weiß Gruber, der aber auch eingesteht, dass er nicht immer der Fleißigste war.

Nach einer Ehrenrunde in der Schule und mehr Lernfrust als Lust, trat er schließlich seine Banklehre an. "Meine Eltern sind manchmal verzweifelt. Meinem Zwillingsbruder fiel es einfach so zu, er hat einfach eine andere Auffassungsgabe. Der musste nie lernen. Und ich musste lernen und wollte nicht. Das waren Jahre, da waren die Dinge anders gepolt - die Pubertätsphase eben. Aber ich habe den Absprung geschafft", erinnert er sich schmunzelnd.

Der Absprung, wie es Ernst Gruber nennt, hat ihn schlussendlich 1994 in den Vorstand der Volksbank Wolfenbüttel gebracht. Ein wichtiger Punkt in seinem beruflichen Werdegang, sagt er und macht ganz deutlich, dass das nicht seine alleinige Entscheidung war. Es war eine Entscheidung, die er gemeinsam mit seiner Frau getroffen hat. "Die Vorstandsbestellung war eine wichtige Entscheidung. Aber es war eine Entscheidung, die ich getroffen habe, nachdem ich mit meiner Frau gesprochen hatte", sagt er. So wie alle Entscheidungen gemeinsam getroffen worden sind. Schließlich brachte die Arbeit nicht nur Erfolg und gewisse finanzielle Sicherheit, sie bedeutete auch Entbehrungen.

Doch bereut hat Ernst Gruber seinen Weg nie. Heute kann er sagen, dass er sowohl privat, als auch beruflich zufrieden zurückblicken kann. Hadern mit falschen oder richtigen Entscheidungen tut er nicht.

Ein Optimist, durch und durch


Der Spruch "Wenn dir das Leben eine Zitrone gibt, mach Limonade draus", passt auf Ernst Gruber, wie die Faust aufs Auge. Sein Optimismus scheint unverwüstlich und aus jedem Rückschlag macht er wieder zwei Schritte nach vorn, scheint daran neu zu wachsen - wie Phoenix aus der Asche. "Jede Zeit, hat seine Zeit. Und es sind richtige und wichtige Jahre gewesen, weil man sich mit seiner Entwicklung und mit dem älter werden immer auf diese neue Epoche einstellen konnte. Ich habe nie gesagt, ach, wäre ich doch 20 Jahre jünger. Weil ich in diesen Jahren viele schöne Dinge erlebt habe. Es ist wichtig, zurückzublicken und zu wissen, wo man herkommt. Man darf aber den Blick nicht nur zurückwenden und jammern, sondern muss sich auch mit der Gegenwart und der Zukunft auseinandersetzen", sagt Ernst Gruber, der selbst auf ein bewegtes Leben mit Höhen und Tiefen zurückblickt.

Vor gut drei Jahren wurde er nach schwerer Krankheit seiner Frau zum Witwer. Ein schwerer Schicksalsschlag - sicher. Für den Familienmenschen Ernst Gruber war es eine Zeit voller Trauer, Abschied und Verlust. Aber auch diese Zeit hat den Optimisten Ernst Gruber nicht in die Knie gezwungen. Auch aus diesem Tiefschlag hat er am Ende etwas Gutes gewinnen können. Noch in Abstimmung seiner Frau gründete er die Stiftung "Hände reichen". Die Stiftung, so erklärt es Ernst Gruber, hat nur einen einzigen Zweck: dort zu helfen, wo Hilfe benötigt wird. Weil er weiß, wie es ist, wenn man Hilfe braucht und wie wohl sie tut, wenn man sie erhält. Egal, auf welche Art und Weise.


Ernst Gruber leitet seit über 25 Jahren als Vorstand die Volksbank Wolfenbüttel. Foto: Anke Donner


Die To-do-Liste ist noch lang


Nun blickt Ernst Gruber auf seinen nahenden Ruhestand. Langweilig wird es ihm scheinbar nicht, seine To-do-Liste für den Ruhestand ist lang. "Es sind in den vergangenen Jahren viele Dinge zu kurz gekommen. Das muss man ganz klar sagen. Und so möchte ich dann schon gerne mehr unternehmen. In der Region, aber auch gerne reisen - wenn wir wieder reisen können. Ich möchte mich wieder stärker um meine Familie und Freunde kümmern. Ich finde, Freundschaften und soziale Kontakte sind ein wichtiges Elixier, aus dem ich Kraft schöpfen kann. Außerdem habe ich ein Haus und einen Garten. Auch da gibt es immer etwas zu tun", so Ernst Gruber.

Und vielleicht wird er ja später noch in anderen Funktionen - sofern man ihn lässt - noch tätig sein. Darüber muss aber abschließend noch gesprochen werden", so Gruber, der seinem Ruhestand wirklich gelassen entgegensieht. "Wenn nicht, habe ich auch noch jede Menge andere Dinge, die ich machen kann. Ich werde jedenfalls nicht in ein Loch fallen. Ich möchte zum Beispiel noch einige Sprachen wieder auffrischen. Englisch und Französisch wären toll", verrät er. Und noch etwas verrät er: Es kann gut sein, dass er mal von der Bildfläche verschwindet. Nicht für immer - aber für ein Weilchen. Was genau er vorhat, bleibt sein Geheimnis.


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