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Impftermin-Katastrophe: Rücktrittsforderungen gegen Ministerin wären "nachvollziehbar"



Impftermin-Katastrophe: Rücktrittsforderungen gegen Ministerin wären "nachvollziehbar"

Viele Senioren wollten am Morgen einen Impftermin und wandten sich ans Rathaus in Wolfenbüttel. Dort werden jedoch keine Termine vergeben, der Bürgermeister bittet um Geduld und ist sauer auf das Sozialministerium. Rücktrittsforderungen gegenüber Gesundheitsministerin Carola Reimann könne Pink "absolut nachvollziehen".

von Anke Donner


Symbolbild.
Symbolbild. Foto: Rudolf Karliczek

Region. Am heutigen Donnerstag startete um 8 Uhr die Möglichkeit für die über 80-jährigen Bürger sich über das Land Niedersachsen einen Impftermin zu reservieren. Leider verlief der Start alles andere als optimal, wie es unter anderem aus dem Wolfenbütteler Rathaus heißt. Dort liefen die Telefone heiß, weil bei der Hotline des Landes kein Durchkommen möglich war und die Online-Vergabe alles andere als seniorenfreundlich sei.



Die Konsequenz: Viele verärgerte Bürger rufen seitdem im Wolfenbütteler Rathaus an, um sich zu beschweren oder über die Stadt einen Termin zu bekommen. Letzteres ist jedoch nicht möglich, heißt es aus der Stadtverwaltung. Der Bürgermeister sagt aber auch ganz deutlich, dass es hier, wie bereits in der Vergangenheit auch schon, beim Land und im Sozialministerium "wieder einmal" zu einem totalen Durcheinander gekommen ist.

Gemeint ist der eher holprige Start der Impftermin-Vergabe über das Land Niedersachsen. Der komplette Informationsfluss und die Handhabung bezüglich der Terminvergabe sei eine Katastrophe. Senioren sei es laut Stadtsprecher Thorsten Raedlein nicht möglich gewesen, bei der Hotline durchzukommen. Und wenn, dann seien die Anrufer erst einmal darüber aufgeklärt worden, was der Anruf kostet, gibt Raedlein die Aussagen der Bürger wieder. Zudem seien die Leitungen total überlastet. Bei der Online-Termin-Vergabe sei es ebenfalls zu Schwierigkeiten gekommen. Das Prozedere sei für Senioren über 80 eher schwierig und überfordere diese schnell. Man könne nicht voraussetzen, dass die ältere Bevölkerung das könne und auch nicht, dass jeder ein Mobiltelefon habe. Dies, so berichtet Raedlein, sei nämlich Voraussetzung für die Terminvergabe online. Auch hier hätte das Sozialministerium vorab besser informieren müssen. Hinzu komme, dass das Wolfenbütteler Impfzentrum für die Terminauswahl gar nicht gelistet sei. Vermutlich aus dem Grund, dass dort ohnehin kein Impfstoff zur Verfügung stehe, mutmaßt Raedlein. In Anbetracht dessen, dass es ja bereits beim Verschicken der Infobriefe Probleme gab, sei das heute ein "weiteres Ding".


Rücktrittsforderungen wären nachvollziehbar


"Das ist eine ganz schwache Nummer. Normalerweise müsste man da mal über einen Rücktritt im Sozialministerium nachdenken. Herr Pink ist stinksauer", so Raedlein und kündigt an, dass der Bürgermeister sich selbst noch an das Ministerium wenden wolle. Gegenüber den Bürgern, die in Wolfenbüttel nun versucht haben, über die Kommune einen Termin zu bekommen oder sich hier beschwerten, hat der Bürgermeister Verständnis. „Ich kann den Ärger sehr gut nachvollziehen und bin selbst stinksauer, wie hier mit unseren Seniorinnen und Senioren umgegangen wird“, erklärt Bürgermeister Thomas Pink. Er bittet aber auch darum, von Anrufen im Rathaus abzusehen. „Die Stadt ist schlichtweg der falsche Ansprechpartner. Wir können weder Abhilfe in Sachen Erreichbarkeit oder Verfügbarkeit von Impfstoffen schaffen, noch können wir Impftermine veranlassen.“ Dies sei lediglich über die im Schreiben des Landes, welches in einer zweiten Welle auch nochmals durch die Kommunen verschickt wurde (da das Land nicht auf die Meldedaten der Kommunen zugreifen durfte und nicht vollständige Adressdaten eines Dienstleisters genutzt hatte) angegebene Telefonnummer oder Internetadresse möglich, teilte die Stadt noch einmal mit.

Pink verspricht Gespräch mit Land



Mit den vielen Anrufen im Rathaus sorgen die älteren Mitbürger nun leider dafür, dass auch hier die Telefone heiß laufen und mehr und mehr Anrufer lange in der Warteschleife warten müssen oder gar nicht durchkommen – was abermals für Frust sorgt. „Ich bitte die Betroffenen daher um Geduld. Ich werde dieses Schlamassel aber auf jeden Fall an geeigneter Stelle ansprechen und hoffe, dass das Land aus diesen Erfahrungen auch etwas lernt“, so der Bürgermeister. Rücktrittsforderungen gegenüber der Niedersächsischen Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, Dr. Carola Reimann, könne er absolut nachvollziehen.

Keine Termine mehr buchbar


Das Land Niedersachsen berichtet auf ihrer Internetseite, dass aufgrund der großen Nachfrage nach Impfterminen und der äußerst geringen verfügbaren Impfstoff-Menge über das Impfportal derzeit keine Termine mehr buchbar sind. Im Laufe des Tages sollen jedoch noch weitere Terminoptionen eingestellt werden.


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