In Abwesenheit gekürt: Sie ist Vogel des Jahres

148.506 Menschen haben sich an der Abstimmung zum Vogel des Jahres beteiligt. Mit 45,1 Prozent der Stimmen gab es einen klaren Sieger.

Die Mehlschwalbe gilt als Vorbote der warmen Jahreszeit.
Die Mehlschwalbe gilt als Vorbote der warmen Jahreszeit. | Foto: Pixabay

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Region. Die Sommerbotin ist Vogel des Jahres 2027: Mit 67.050 Stimmen (45,1 Prozent) setzte sich die Mehlschwalbe (Delichon urbicum) durch. Das berichtet der NABU in einer Pressemitteilung.



Insgesamt beteiligten sich demnach 148.506 Menschen an der öffentlichen Wahl zum Vogel des Jahres von NABU und LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz). Für den Trauerschnäpper entschieden sich 33.181 Wähler (21,8 Prozent), der Kolkrabe kam auf 22.587 (15 Prozent), die Wasseramsel auf 16.074 (13.8 Prozent). Auf den letzten Platz landete der Kranich mit 9.614 Stimmen (4,3 Prozent).

Mehlschwalben sind gefährdet


Der neue Jahresvogel wurde in Abwesenheit gekürt – er überwintert derzeit Tausende Kilometer weit weg, in Afrika, südlich der Sahara. Erst Anfang April kommen die Mehlschwalben zurück zu uns, um zu brüten. Auch wenn nach dem bekannten Sprichwort eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, gelten sie als Vorboten der warmen Jahreszeit. „Leider ist der neue Jahresvogel gefährdet“, sagt NABU-Vogelschutzexperte Martin Rümmler. „Bis zu 770.000 Brutpaare gibt es noch in Deutschland. Der Bestand geht aber stetig zurück, vor allem durch illegale Zerstörung von Nestern und Vergrämungsmaßnahmen an Häusern. Moderne Architektur und die zunehmende Versiegelung machen es Schwalben oft unmöglich, ihre Nester zu bauen. Auch der Insektenschwund spielt eine Rolle, da Fluginsekten die Nahrung der Mehlschwalbe sind.“

Oft in großen Schwärmen anzutreffen


Die Vögel sind etwa 14 Zentimeter groß und haben einen kurzen, leicht gegabelten Schwanz. Oberseite und Flügel sind schwarz, wobei Kopf und Rücken metallisch blau glänzen. Unterseite und Bürzel leuchten weiß wie Mehl – daher stammt auch ihr Name. Mehlschwalben sind gesellig: Sie brüten in Kolonien und sind auch außerhalb der Brutzeit in großen Schwärmen anzutreffen. Sie bauen runde, nahezu geschlossene Lehmnester an Gebäuden unter Dach- oder Fassadenvorsprüngen und an Felswänden in Nischen. Ein solches Nest besteht aus bis zu 1.500 Lehmkügelchen, die die Schwalben in Pfützen sammeln. Insekten fangen sie im Flug oft in großer Höhe.

„Helfen kann man dem neuen Jahresvogel, indem man seine Nester am Haus duldet“, rät Rümmler. „Wer Mehlschwalben willkommen heißt, kann vom NABU die Plakette ,Schwalbenfreundliches Haus‘ erhalten.“ Lehmpfützen in Hof oder Garten bieten den Vögeln Baumaterial, ein insektenfreundlicher Garten lockt Nahrung für die Sommerboten an.

Die Mehlschwalbe folgt auf das Rebhuhn, das in diesem Jahr den Titel trägt. Der „Vogel des Jahres“ wurde in Deutschland erstmals im Jahr 1971 gekürt. Seit 2021 wird er durch eine öffentliche Wahl bestimmt.