Individuelles Lernen: Neues Konzept für den Sportunterricht

Zusammen mit anderen Hochschulen entwickelt die TU Braunschweig ein Konzept, mit dem individuelles Lernen im Sportunterricht unterstützt wird.

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Symbolfoto. | Foto: Pixabay

Braunschweig. Wie kann individuelles Lernen in einem Sportunterricht aussehen, der die Vielfalt der Schüler berücksichtigt und allen eine gleichberechtigte Teilhabe ermöglicht? Dieser Frage gehen Sport- und Erziehungswissenschaftler der Technischen Universität Braunschweig, der Universität zu Köln und der Deutschen Sporthochschule Köln gemeinsam nach und arbeiten dabei eng mit Lehrkräften zusammen. An mehreren Schulen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen entwickeln und testen sie ein Konzept, das die Lernentwicklung der Schüler unterstützt, wie die TU Braunschweig in einer Pressemitteilung berichtet.



Schulsport ist mehr als nur Bewegung und Spiel. Im Sportunterricht erwerben Kinder und Jugendliche auch motorische, soziale und emotionale Fertigkeiten sowie fachliche Kenntnisse, um in dieser Welt handeln zu können. „Sportunterricht wird oft mit Leisten, Messen und Vergleichen verbunden, dabei sollte auch die ästhetische, reflexive und psychosoziale Bildung im Fokus stehen. Lernende sollen verstehen und hinterfragen, wie sie lernen, um selbst Ideen zu entwickeln, wie sie ihre Ziele erreichen und dabei unterstützt werden können“, sagt Professorin Esther Serwe-Pandrick von der TU Braunschweig.

Die Schüler bringen dabei ganz vielfältige Voraussetzungen, Erfahrungen und Interessen mit. Sportlehrkräfte sollen dieser Vielfalt gerecht werden und alle Schüler individuell fördern, ohne dabei jemanden bloßzustellen oder zu beschämen. „Während des Unterrichts müssen Lehrkräfte somit unterschiedliche Ereignisse fortlaufend beobachten und deuten. Dabei gibt es in der Regel mehrere geeignete Handlungsoptionen, was in Workshops gemeinsam reflektiert werden soll“, hebt Professorin Sabine Reuker von der Deutschen Sporthochschule Köln hervor.

Lernprozesse begleiten


Das sogenannte „Formative Assessment“ könne helfen, die Lernprozesse aller Schüler zu begleiten. Dazu gehöre, dass Lehrkräfte und Schüler gemeinsam Ziele und Erfolgskriterien klären, dass Lehrkräfte die Lernprozesse beobachten und regelmäßig eine Rückmeldung dazu geben. Wichtige Fragen dabei seien: Wo steht jeder Lernende im Prozess? Welcher nächste Schritt führt zum Ziel? Was wird benötigt, um diesen Schritt zu schaffen? Ziel sei es, Schüler dabei zu unterstützen, ihre eigenen Fortschritte zu erkennen und die nächsten Entwicklungsschritte zu planen.

Im Rahmen des Forschungsprojekts wollen die Wissenschaftler gemeinsam mit den teilnehmenden Lehrkräften das formative Assessment mit der Idee des reflexiven Lernens verbinden. Das heißt: Lehrkräfte unterstützen Schüler darin, selbst das Geschehen und Lernen im Schulsport gezielt zu beobachten, zu dokumentieren und zu besprechen. Wenn Schüler selbst zu forschenden Lernenden werden, stellen sie sich zum Beispiel Fragen wie: Wie habe ich meine Bewegung ausgeführt? Was ist ein faires Spiel? Wie können alle teilhaben? Das helfe den Schülern, ihr eigenes Denken, Fühlen und Handeln klarer zu erkennen und bewusster zu verändern.

Kooperation mit Schulen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen


Zu diesem Zweck arbeiten die Wissenschaftler sehr eng mit Fachlehrkräften und Schulen zusammen. Dabei werde sowohl die Umsetzbarkeit als auch die Wirksamkeit des Konzepts untersucht. „Wir werden im Rahmen des Projektes nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse sammeln, sondern auch innovative Ideen für die Praxis entwickeln, deren Umsetzbarkeit durch den Erprobungsprozess sichergestellt ist“, erklärt Professorin Julia Gerick, ebenfalls von der TU Braunschweig. Konkret sollen sowohl Beobachtungs- und Reflexionsinstrumente als auch ein Leitfaden für den Einsatz im Unterricht sowie ein Fortbildungskonzept entstehen. Diese Instrumente und Konzepte sollen Lehrkräften, Lehrkräfteausbildern und Lehrkräftefortbildern in ganz Deutschland für die praktische Anwendung zur Verfügung gestellt werden.

Hintergrund


Das auf dreieinhalb Jahre angelegte Forschungsprojekt „Reflexive Lernprozessbegleitung im Fach Sport: Entwicklung und Evaluation reflexiver Lehr-Lern-Methoden für einen lernwirksamen und diversitätssensiblen Sportunterricht“ wird vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) mit rund 1,5 Millionen Euro gefördert (Förderlinie „Umgang mit Vielfalt“ im Rahmenprogramm empirische Bildungsforschung). Beteiligt sind die TU Braunschweig, die Universität zu Köln und die Deutsche Sporthochschule Köln.