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Infoabend der WEVG: Betroffene fordern Offenheit



Salzgitter

Infoabend der WEVG: Betroffene fordern Offenheit

von Antonia Henker


Vertreter von WEVG, Gesundheitsamt und ein Wasserexperte stellen sich Fragen von Betroffenen des Trinkwasser-Störfalls. Foto: Antonia Henker
Vertreter von WEVG, Gesundheitsamt und ein Wasserexperte stellen sich Fragen von Betroffenen des Trinkwasser-Störfalls. Foto: Antonia Henker Foto: Antonia Henker

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Salzgitter. Bei der heutigen Infoveranstaltung der WEVG zum Trinkwasser-Störfall in der Aula des Gymnasiums Salzgitter-Bad blieben die Ränge überraschend leer. Dennoch wurden einige Fragen an Vertreter der WEVG und Wasserexperten gestellt und viel Unmut geäußert.



Zunächst stellte der Geschäftsführer der WEVG, Torsten Zink, die Ereignisse vor, die Anfang Dezember 2016 mit der Feststellung coliformer Keime im Trinkwasser in fünf Stadtteilen Salzgitters (Beinum, Flachstöckheim, Ohlendorf, Groß Mahner und Lobmachtersen) begannen. Nachdem die Betroffenen informiert worden seien, wurden weiter Proben ausgeführt, die schließlich dazu führten, dass eine Abkochempfehlung für das Trinkwasser ausgesprochen wurde. Nachdem diese dann am 17. Januar aufgehoben worden war, wurden noch Schutzchlorungen des Wassers vorgenommen, die bis Ende März beendet sein sollen. Diese Woche Dienstag wurde die Menge des Chlors bereits halbiert. Es habe insgesamt 29 Lagestabssitzungen gegeben, alle hätten unter Hochdruck gearbeitet, um die Qualität des Trinkwassers schnell wiederherzustellen. In der vergangenen Woche wurden schließlich die Entschädigungen an die Kunden der WEVG angewiesen. Trotzdem der Vorfall also so gut wie geklärt scheint, mussten sich die Vertreter von WEVG und Gesundheitsamt vielen verärgerten Nachfragen stellen.

Kommunikation


Ein wiederkehrender Punkt war die Kritik an der Kommunikation: Wieso gab es die Warnung im Dezember nicht auf Englisch? Wieso wurden nicht noch mehr Kanäle bedient, um die Menschen schnell zu erreichen? Der ebenfalls anwesende Redaktionsleiter der Salzgitter Zeitung, Jürgen Stricker, bestätigte einen etwas zähen Informationsfluss seitens der WEVG. Torsten Zink betonte die schnell ausgesprochene Warnung über Medien und Handzettel und die nachfolgenden verschiedenen Interviews und Telefonate mit vielen Medienvertretern. Einzig an der Kommunikation in Fremdsprachen müsse gearbeitet werden.

Herkunft und Gefahr der Keime


Noch mehr Fragen und Spekulationen drehten sich um die Keime im Trinkwasser: Wo kamen sie her? War die Konzentration gefährlich? Als mögliche Ursachen wurden der Bau einer neuen Trinkwasserleitung Ende November, bei deren Anschluss wahrscheinlich Keime ins Wasser gelangten, und zwei defekte Lüfter genannt. Wasserexperte Stock informierte die Anwesenden, dass die Keime sich nicht vermehrt hätten und es sich nicht um Krankheitserreger gehandelt habe. Ein gesunder Mensch hätte beim Trinken des nicht abgekochten Wassers wahrscheinlich nicht einmal Folgen gemerkt. Auf die Frage, wie hoch die Konzentration gewesen sei, erklärte der Vertreter des Gesundheitsamts, Dr. Stefan Müller-Dechent, alles über Null sei bedenklich, weshalb sofort eine Abkochempfehlung ausgesprochen worden sei. Die anwesenden Betroffenen zeigten sich nicht zufrieden mit der Antwort und wollten konkrete Zahlen hören. Zink nannte schließlich 201, nachdem eine der Betroffenen meinte, es ginge nicht um die Zahl, sondern um Offenheit den Menschen gegenüber, die sich allein gelassen fühlten.

Andauernde Schutzchlorung


Die noch andauernde Chlorung des Wassers führt weiterhin zu Unzufriedenheit, da das Wasser danach rieche und schmecke und deswegen auch beim Duschen in den Augen brenne und man Wasser zum Kaffeekochen weiterhin kaufen müsse. Stock verwies auf die bereits erfolgte Reduzierung der Chlormenge, die sich bald bemerkbar machen sollte.

Entschädigungszahlung



Einige Betroffene zeigten sich zwar zufrieden mit der Höhe der Entschädigung, monierten aber den Zeitpunkt ("Zu früh, man hätte abwarten müssen bis alles vorbei ist, eventuell wären die Zahlungen höher ausgefallen") oder die Handhabe, die Kunden des WEVG zu entschädigen, sodass Vermieter das Geld entsprechend weiterleiten müssten. Hierzu meinten die WEVG-Vertreter Zink und Krause, kaufmännischer Geschäftsführer, dass es bei einem weiter bestehenden Problem mit dem Trinkwasser eine neue Bewertung der Situation geben würde. Bei kniffligen Einzelfällen zwischen Vermietern und Mietern oder einem Mehraufwand des Vermieters solle man sich an die WEVG wenden. Eine Erhöhung der Wasserkosten werde es außerdem nicht geben, hieß es auf die besorgte Nachfrage, wie die Entschädigungszahlungen denn refinanziert werden sollten.

Dauer des Störfalls


Schließlich wurden noch die Dauer des Störfalls und der Zeitraum von Probeentnahme bis zur Entdeckung des Keims beanstandet. Zink und Stock wiesen daraufhin, dass derartige Störfälle auch ein halbes Jahr oder länger dauern könnten und es hier sogar schnell gegangen sei. Auch wäre die Probe im Dezember den üblichen Weg gegangen und die Betroffenen seien umgehend informiert worden.

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