Initiative Stadttiere: Hilfe für „Opfer menschlichen Versagens“

12. Februar 2018 von
Mit dem Engagement für eine Kastrationsverordnung fing 2012 alles an. Beate Gries und die Initiative Stadttiere kann einige Erfolge verbuchen. Fotos und Podcast: Alexander Dontscheff
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Braunschweig. Stadttauben mit kaputten Füßen, illegaler Welpenhandel oder eingepferchte Wildtiere im Zirkus - die Initiative Stadttiere Braunschweig kümmert sich seit 2012 um die "Opfer menschlichen Versagens". regionalHeute.de sprach mit Beate Gries, der treibenden Kraft hinter den Aktivitäten.

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Es fing mit dem Kampf um eine Kastrationsverordnung für Katzen für die Stadt Braunschweig an. „Ich war zuvor 20 Jahre lang im Katzenschutz tätig. Wir haben die Tiere von der Straße geholt, doch es kamen immer neue nach“, berichtet Beate Gries. Es reifte die Idee, dass man das Problem politisch angehen müsse. Gries, die damals im Stadtbezirksrat Lehndorf-Watenbüttel saß, gründete mit der mittlerweile aus familiären Gründen ausgeschiedenen Annette Rosteck die Initiative. Ihnen gelang es dann – auch durch ein konstruktives Gespräch mit dem Oberbürgermeister – dass es seit April 2014 eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Katzen in Braunschweig gibt.

Stadttauben – Schwerpunktthema 2018

Doch schon bei der Gründung hatte man auch weitere Problemfelder im Blick. Zum einen die Stadttauben, die seit Jahren durch Vergrämungsmaßnahmen und ein Fütterungsverbot aus der Stadt vertrieben werden sollen. Dass das gar nicht funktionieren kann und wie die Tiere darunter leiden, verrät uns Beate Gries im zweiten Teil des Interviews, der in Kürze folgt. Denn der Taubenschutz ist das Schwerpunktthema der Initiative Stadttiere in diesem Jahr.

Die Initiative arbeitet mit ehrenamtlichen Helfern und einem gut verknüpften Netzwerk. So konnte Mitarbeiterin Renata Wyganowska durch ihre Kontakte zur Polizei dafür sorgen, dass ein mit juristischer Unterstützung verfasster Leitfaden für den Einsatz in Sachen Hund an alle Polizeistationen der Polizeidirektion verteilt werden konnte. Dieser Leitfaden mit den Themen „Hund im Auto“, „Betteln mit Tieren“ und „Illegaler Welpenhandel“ wird laut Gries auch rege genutzt. „Die Beamten haben so Rechtssicherheit und wissen, ich darf etwa die Scheibe eines Autos einschlagen, um einen darin sitzenden Hund vor Hitze zu befreien“, so Gries. Viele würden unterschätzen, dass schon bei 20 Grad Außentemeperatur das Auto zum Backofen werden kann. In der Broschüre findet sich auch eine Tabelle, in der die Beamten sehen, welche Temperaturen sich im Auto bei welcher Zeit und Außentemperatur entwickeln können.

Leitfaden half, illegale Welpenhändler auffliegen zu lassen

Der Leitfaden hat auch schon über die Grenzen der Polizeidirektion Erfolge gehabt. So konnte die Polizei in Stade mit dessen Hilfe einen Ring illegaler Welpenhändler auffliegen lassen. „Darauf bin ich besonders stolz“, so Gries. Im Leitfaden gibt es auch eine Anleitung wie man gefälschte Heimtierausweise erkennt.

Ein weiteres Anliegen der Initiative ist die Schaffung eines Hundefreilaufplatzes, der ganzjährig – also auch in der Brut- und Setzzeit geöffnet ist. „In der Region gibt es diese nur im Hundewald Harz und im Hundeverein Sickte. So etwas hätte ich aber auch gerne in Braunschweig!“, so Beate Gries, die auch für die Grünen im Rat der Stadt Braunschweig sitzt.

Zirkusse mit Wildtieren „vergrämen“

Dort kämpft sie auch seit einiger Zeit für ein Wildtierverbot in Zirkussen. Das sei allerdings schwierig, da der Bundestag eine entsprechende Gesetzesinitiative des Bundesrates blockiere. Vor Ort könne man nur versuchen, die infrage kommenden Plätze umzuwidmen oder so viele Sonderauflagen zu schaffen, dass es den Zirkusbetreibern leid wird und sie einen Bogen um Braunschweig machen und sie quasi so „vergrämen“. Doch für beides müsse in Rat und Verwaltung noch Überzeugungsarbeit geleistet werden.

Beate Gries zu den Anfängen der Initiative:

Das aktuelle Schwerpunktthema der Initiative sind die Stadttauben.

So arbeitet die Initiative Stadttiere:

Auch „Wildtiere im Zirkus“ ist ein Dauerbrenner.

Das sind die Themen der Initiative:

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