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"Jam unter der Brücke": Ganz legal Graffiti sprayen

von Anke Donner


Foto: Anke Donner)

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16.08.2014


Braunschweig. Unter der Brücke  an der Münchenstraße ging es heutige Samstag munter, laut und bunt zu. Der gemeinnützige Verein "The Bridge e.V." betreibt seit  2012 Arbeit  mit Jugendlichen in Form von Workshops  unter der Brücke. Und auch heute gab es für die jungen Menschen allerhand zum Ausprobieren.



Seit Juni 2011 arbeiten Studierende der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften daran, im Rahmen ihres Projektstudiums, für Braunschweig ein pädagogisch betreutes Jugend-Kultur-Projekt einzurichten. Das Projekt nutzt die HipHop-Kultur insbesondere Graffiti als Medium, um gemeinwesenorientierte Jugendarbeit zu leisten. Die Studenten haben es sich zur Aufgabe gemacht, Sprühflächen zu legalisieren, um somit Jugendlichen ein attraktives Angebot zu bieten. Mit "Jam unter der Brücke" wird dieses Projekt gefeiert.



Und so wurde heute gemalt, getanzt, gerappt und gespielt. Große und kleine Besucher waren eingeladen, die vielen Angebote wie Street-Dance und Graffiti-Workshops auszuprobieren, oder einfach nur abzuhängen. Jeder, der  Interesse an freier Subkultur hatte, oder sich einfach nur darüber informieren wollte, schaute gerne vorbei und ließ sich von der chilligen Atmosphäre anstecken. 

Wie es zur Jam unter der Brücke gekommen ist, weiß Rainer Keunecke von der Pressestelle der Stadt Braunschweig. 



Vor dem Hintergrund der teils negativen Erfahrungen an der Markthalle, wo das Sprayen wie auf einigen kleineren Flächen an Jugendplätzen toleriert wird, aber zum Beispiel Sachbeschädigungen im Umfeld auftraten, wurde der Wunsch nach einer legalen und betreuten Wand erfreut aufgenommen. In Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Kinder, Jugend und Familie und dem Fachbereich Tiefbau und Verkehr der Stadt Braunschweig wurde ein Standort zur Durchführung des Projektes gesucht. Die Brückenunterführung Münchenstraße/Broitzemerstraße bot sich an. Im November 2011 trafen sich Vertreter der Polizei, der Stadtverwaltung sowie die Projektstudenten, um über eine Legalisierung der Sprühfläche zu beraten. Nach weiteren Treffen und einer Ortsbegehung wurde den Studenten das pädagogisch betreute Besprühen der beiden Brückeninnenseiten sowie der Stirnseiten unter Auflagen durch den Fachbereich Tiefbau und Verkehr zugesagt. Dieser Standort, der in unmittelbarer Nähe des künftigen Jugendplatzes liegt, ist schon jetzt als Treffpunkt für stadtteilorientierte Jugendarbeit bekannt.

Im August 2012 gründeten die Studenten aus rechtlichen und strukturellen Gründen den gemeinnützigen Verein The Bridge e.V. Seit Oktober 2012 betreibt The Bridge e.V. aktiv auf-suchende "Soziale Arbeit" mit Jugendlichen in Form von Workshops und der Betreuung der jugendlichen Sprühern unter der Brücke. Dabei spielt das Vermitteln von verantwortungsvollem Umgang mit Graffiti und rechtlichen Gegebenheiten und die Partizipation der Jugendlichen eine auschlaggebende Rolle. Die Jugendförderung der Stadt Braunschweig unterstützt die Arbeit des Vereins, der eine Bereicherung der Jugendkultur-Szene in Braunschweig darstellt. Auch das Projekt "Unser sauberes Braunschweig" befürwortet die Jugendarbeit, gerade weil sie mit Graffiti erfolgt. Mit der Betreuung durch The Bridge e. V. soll auch die Unter-scheidung zwischen legalen und illegalen Graffiti leichter in die Sprayer-Szene transportiert werde. Das Projekt "Unser sauberes Braunschweig" hat deshalb für die Freigabe der Brücke gesorgt und das Vorhaben von The Bridge e. V. umfänglich mit Sachleistungen unterstützt. Sprayern wird so ermöglicht, sich auf legalen Flächen darzustellen.

Ob eine Einrichtung wie The Bridge e. V. als "Ventil" funktioniert, ist nicht messbar. Derzeit wird das Ergebnis eher als neutral bewertet. Nach Einschätzung der Verwaltung hat die Zahl illegaler Graffiti aber jedenfalls nicht zugenommen.

Illegales Sprayen kommt der Stadt teuer zu stehen


Die städtischen Reinigungsleistungen bei illegalen Graffiti im öffentlichen Raum wie auch auf eigenen Gebäuden sind umfänglich: sie beliefen sich im Jahr 2013 auf das Streichen von über 2.800 Schaltkästen, über 3.750 weitere wurden gereinigt. Mehr als 600 gemauerte Schaltkästen, Brückenunterführungen, Bushaltestellen und Pumpwerke wurden gestrichen oder sandgestrahlt. Es wurden über 10.000 Plakate und Aufkleber entfernt. Die Kosten im Bereich des Projektes "Unser sauberes Braunschweig" belaufen sich auf etwa 80.000 Euro jährlich. Bei Privatgebäuden sind deren Eigentümer zuständig; hier hilft der Verein "Graffiti Ex".


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