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Jede dritte Säugetierart vom Aussterben bedroht - Wolf jedoch auf dem Vormarsch

Laut der neuen "Roten Liste" ist der Luchs hingegen wieder vom Aussterben bedroht. Auch die Populationszahlen beim Feldhasen, der Feldhamster und verschiedenen Fledermausarten sind rückläufig.

von Marvin König


Der Luchs gilt wieder als vom Aussterben bedroht. (Symbolbild)
Der Luchs gilt wieder als vom Aussterben bedroht. (Symbolbild) Foto: Pixabay

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09.10.2020

Region. Knapp ein Drittel der Säugetiere in Deutschland ist in seinem Bestand gefährdet. Das sind Ergebnisse der aktuellen Roten Liste der Säugetiere, die das Bundesamt für Naturschutz (BfN) am gestrigen Donnerstag gemeinsam mit dem Rote-Liste-Zentrum (RLZ) vorgestellt hat. Die Liste umfasst rund 97 in Deutschland lebende Säugetiere. Der Luchs galt lange als nahezu ausgerottet, konnte aber erfolgreich wieder angesiedelt werden - jetzt gilt er laut einer Pressemitteilung des BfN jedoch wieder als bedroht. Nicht mehr vom Aussterben bedroht ist hingegen der Wolf.



"Die aktuelle Rote Liste belegt, dass insgesamt 30 Arten und Unterarten und damit 31 Prozent der bewerteten Säugetiere Deutschlands bestandsgefährdet sind, sie also in eine der vier Kategorien - Vom Aussterben bedroht, Stark gefährdet, Gefährdet oder Gefährdung unbekannten Ausmaßes - eingestuft sind", sagt BfN-Präsidentin Prof. Dr. Beate Jessel. "Zu den bestandsgefährdeten Arten zählen Arten des Offenlandes wie der Feldhase, der Meere wie der Schweinswal oder der Wälder wie die Bechsteinfledermaus. Ihre Vorkommen gehen zurück, weil die menschliche Nutzung ihrer Lebensräume weiter zunimmt", so die BfN-Präsidentin. "Die Auswirkungen unserer Nutzungen sind es auch, die dazu geführt haben, dass das Graue Langohr als Fledermaus, der Luchs und der Zwergwal jetzt als vom Aussterben bedroht eingestuft sind."

Natur- und Umweltschutz mit positiver Wirkung


Positiv entwickelt haben sich in den vergangenen zehn bis 15 Jahren hingegen die Bestände von 17 Säugetieren und damit rund 18 Prozent der bewerteten Arten und Unterarten. Ausschlaggebend dafür waren vor allem Maßnahmen im Bereich des Natur- und Umweltschutzes. Bei weiteren 39 Arten wurde zumindest eine stabile Entwicklung festgestellt, was oft gezielten Artenhilfsmaßnahmen zu verdanken ist: Von Maßnahmen im Quartierschutz oder der Einrichtung von Trittstein- oder Vernetzungsbiotopen profitierten zum Beispiel die bedrohten Bestände der Wildkatze oder des Großen Mausohrs, einer Fledermausart.

Eingeschätzt wurde auch die Verantwortlichkeit Deutschlands für die weltweite Erhaltung von Arten: Die Zahl der Arten und Unterarten, für die Deutschland eine besondere Verantwortlichkeit hat, weil sich hierzulande ein bedeutender Anteil an der Weltpopulation findet oder die Arten weltweit gefährdet sind, ist im Vergleich zu den vergangenen Publikationen nahezu unverändert geblieben. Unter den 16 Arten und Unterarten finden sich unter anderem die Alpenspitzmaus, der Feldhamster und einige Fledermausarten.

Zehn Säugetierarten ausgestorben oder verschollen


Die Gesamtbilanz für die in der Roten Liste bewerteten 97 Säugetiere zeigt unter anderem für mehr als die Hälfte der Arten und Unterarten einen negativen Bestandstrend in den vergangenen 150 Jahren. Zugleich wurden 41 Prozent der Säugetiere aufgrund ihrer aktuellen Häufigkeit und räumlich begrenzten Vorkommen als selten bis extrem selten eingestuft. Dazu zählen Arten, die von Natur aus selten sind wie der Steinbock, aber auch Arten mit aktuell abnehmenden Beständen wie der Iltis. Darüber hinaus finden sich in der Roten Liste derzeit insgesamt zehn Säugetierarten, die in Deutschland ausgestorben oder verschollen sind. Dazu gehören etwa der Große Tümmler oder das Europäische Ziesel.

Wölfe überall in Deutschland


Als nicht mehr vom Aussterben bedroht gilt hingegen der Wolf. Das Bundesamt für Naturschutz stellte bereits im Mai fest: "In vielen Gebieten Deutschlands besteht die Möglichkeit, dass im Zuge der Ausbreitung weitere Wolfsterritorien gegründet werden. Mit durchziehenden Wölfen muss in ganz Deutschland gerechnet werden." Das Ergebnis einer Studie des BfN dürfte viele Weidetierhalter erschüttern. Fast überall in Deutschland hat der Wolf enormes Verbreitungspotenzial, das weit über die Grenzen der Luchsterritorien hinausgeht, die im Gegensatz zum Wolf mit gut koordinierten Programmen wieder angesiedelt wurden. Das BfN empfiehlt daher die frühzeitige Umsetzung effektiver Herdenschutzmaßnahmen durch Weidetierhaltende, auch für solche Gebiete, in denen sich bislang noch keine Wölfe in Territorien etabliert haben. Dieser Empfehlung kamen die zuständigen Stellen bislang nicht nach. Die Subventionen für Herdenschutzmaßnahmen sind nicht nur umstritten, sondern auch an große Hürden gebunden.


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"Um den Artenrückgang ernsthaft aufzuhalten, müssen wir an einer Reihe von Stellschrauben drehen", sagt BfN-Präsidentin Prof. Dr. Beate Jessel. "Einzelne Artenhilfsmaßnahmen reichen nicht aus. Wir brauchen auf breiter Fläche eine naturverträglichere Land- und Forstwirtschaft. Im Verkehrs- und Siedlungsbereich müssen wir die anhaltende Flächeninanspruchnahme reduzieren. Darüber hinaus brauchen wir eine bessere Durchlässigkeit unserer Landschaft für mobile Arten, sowohl zu Lande als auch zu Wasser. Die Rote Liste zeigt uns ganz deutlich, dass wir unsere Wirtschaftsweisen im Offenland, in den Wäldern und Gewässern verändern müssen, um unsere Artenvielfalt in Deutschland erhalten zu können."


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