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Maskenpflicht: So benutzen Sie die Maske richtig!

Wie kann ich die Maske ohne Risiken auf- und absetzen? Wie oft muss ich sie reinigen? Und wieso würde das Tragen einer FFP-Schutzmaske die komplette Maskenpflicht sinnlos machen?

von Marvin König


So wird das Tragen einer Alltagsmaske zur sicheren Sache. Erklärt von Dr. Ulrich Sievers, Leitender Oberarzt und Leiter des Hygieneteams der Asklepios Harzkliniken. Dr. Sievers ist Facharzt für Krankenhaushygiene. Foto: Marvin König

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28.04.2020

Region. Seit dem 27. April gilt in Niedersachsen und fünf weiteren Bundesländern die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und beim Einkaufen. Doch im Alltag mit den Alltagsmasken stellt sich sehr schnell eine Frage: Wie benutze ich die Dinger eigentlich? Wie wasche ich sie, wie oft und wo kann ich sie verstauen, damit die zum Schutz der Umgebung bestimmten "Community-Masken" nicht selbst zum Problem werden?Auf die richtige Nutzung kommt es dabei an - Doch dafür muss man jetzt wissen, was zu tun ist. regionalHeute.de ist mit Dr. Ulrich Sievers, dem leitenden Oberarzt der Asklepios Harzkliniken in Goslar den wichtigsten Fragen nachgegangen.


Um sich selbst und andere vor einer Infektion mit dem COVID-19 Erreger zu schützen, sind uns Abstand halten und die richtige Händehygiene schon längst in Fleisch und Blut übergegangen. Lange waren die Weltgesundheitsorganisation WHO und das Robert-Koch-Institut skeptisch, was eine Alltagspflicht für sogenannte Communitymasken angeht. Jetzt ging alles ganz schnell - Aus einer "dringenden Empfehlung" der Bundesregierung wurde in nicht einmal zwei Wochen eine Verordnung, die ab dem heutigen Montag gilt.

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Was sagt die Verordnung?


Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung ist zum einen für alle Personen verpflichtend, die als Fahrgast ein Verkehrsmittel des Personenverkehrs und den dazu gehörenden Bahnhöfen, Bushaltestellen und Verkaufsstellen nutzen. Diese Verpflichtung gilt laut der Niedersächsischen Landesregierung also bei der Nutzung von Bussen, Bahnen und Zügen, aber auch in Taxen und für die Beförderung von Passagieren durch eingesetzte Kleinbusse. Das Frühstück im Zug muss also wegfallen - Hierauf weist die Landesregierung ganz explizit hin, ergänzt aber: "Der kurze Biss in die Stulle und der Schluck Kaffee sollte aber auch mit einem kurzen Wegschieben der Bedeckung möglich sein."

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Gleiches gelte auch für Besucherinnen und Besucher von Verkaufsstellen, also insbesondere im Einzelhandel, sei es im Supermarkt, im Baumarkt, einer Drogerie oder in einem Bekleidungsgeschäft. Auch der Besuch eines Wochenmarktes fällt unter die Maskenpflicht.

Ausgenommen sind Kinder bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr und Personen, denen das Atmen durch eine Mund-Nasen-Bedeckung aus gesundheitlichen Gründen nicht zumutbar ist. Diese sollten jedoch zum Nachweis ein ärztliches Attest mit sich führen.

Kommunen können die Regeln erweitern


Braunschweig hatte längst eine eigene Regelung verfasst, noch bevor das Land Niedersachsen nachzog. Deshalb gilt dort die Maskenpflicht auch schon seit vergangenem Samstag, in Wolfsburg sogar schon seit einer Woche. Dort drohen bereits ab dem heutigen Montag 50 Euro Strafe bei einem Verstoß. Viele Kommunen haben darüber hinaus angekündigt, dass in öffentlichen Gebäuden wie Ämtern, Stadt- und Kreisverwaltungen, Büchereien und ähnlichem ebenfalls Mundschutz getragen werden muss. Überwacht wird dies durch die Ordnungsbehörden. Jedoch gilt in allen Gebäuden das Hausrecht: Wer ohne Maske eines Ortes verwiesen wird (Auch wenn dieser in keiner Verordnung auftaucht), sollte der vom Eigentümer getroffenen Anordnung Folge leisten.

Die Maske richtig auf- und absetzen


"Bei einer sogenannten Community-Maske steht der Schutz des Gegenübers und nicht der Eigenschutz im Vordergrund. Deshalb ist es unerheblich, wie ich mit der Maske umgehe, da in der Maske nur meine eigenen Keime vorhanden sein können. Deshalb kann man die Maske auch selber anfassen." Nach wie vor gilt natürlich die Maßgabe des Robert-Koch-Instituts, sich außerhalb der häuslichen Umgebung nicht ins Gesicht zu fassen. Beim Auf- und Absetzen sollte die Maske am besten an den Gummizügen über das Ohr gestreift werden. Dabei sollte man darauf achten, dass die Innenseite nicht mit ungewaschenen Händen berührt wird.

Die Maske muss über Mund, Nase und Wangen platziert sein und sollte auch an den Rändern möglichst eng anliegen, um das Eindringen von Luft an den Seiten zu minimieren. Das gilt auch für die Nasenregion - idealerweise verfügt die Maske über einen Nasenbügel, mit beiden Händen sollte die Maske in der Region noch einmal vorsichtig angedrückt werden. So wird auch ein Beschlagen der Brille minimiert. Generell sollte erst die Maske, dann die Brille aufgesetzt werden.

Die Maske sollte zwischendurch nicht unterm Kinn oder auf der Stirn "geparkt" werden, zum Beispiel um schnell einen Schluck zu trinken. Hier besteht ein erhöhtes Risiko einer Schmierinfektion. Nach dem Absetzen, zum Beispiel beim Verlassen einer Bahn oder eines Ladens, kann die Maske einfach in die Tasche. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) empfiehlt zusätzlich die Aufbewahrung in einem luftdichten Beutel, jedoch nur kurzfristig, um Schimmelbildung zu vermeiden. Zu Hause sollte man die Maske zum Trocknen aufhängen. So wird vermieden, dass die Atemfeuchte länger als nötig im Stoff verbleibt und so ein gutes Klima für Bakterienvermehrung bietet.

"Was ich auch häufig draußen sehe sind Personen, die auf dem Fahrrad fahren oder spazieren gehen und dabei eine Maske tragen. Das ist nicht notwendig, wenn man kein Gegenüber hat, läuft man keine Gefahr und muss keine Maske aufsetzten. Maske immer nur im direkten Gegenüber."

- Dr. Ulrich Sievers, Facharzt für Krankenhaushygiene



Wie lange kann ich die Maske gefahrlos tragen?


Wie lange eine regelmäßig gereinigte Maske getragen werden kann, lässt sich nach Ansicht von Dr. Sievers nicht pauschalisieren: "Menschen die Atemwegserkrankungen oder Herzerkrankungen haben, und eh schon unter Atemnot leiden, die können eine Maske natürlich nicht so lange tragen wie jemand, der komplett Herzkreislaufgesund ist." Demnach ist beim Tragen einer Stoffmaske vor allem auf das eigene Wohlbefinden zu achten. "In jedem Fall sollte man die Maske absetzen, wenn man unter der Maske ein Atemnotproblem oder eine Beklemmung bekommt, und man das Gefühl hat, man bekommt nicht mehr richtig Luft. Dann sollte man den Raum - wo man jetzt zwingend eine tragen muss - erstmal verlassen oder Abstand halten und die Maske absetzen", rät der leitende Chefarzt.

Wie reinige ich meine Maske?


"Die Maske sollte mindestens einmal täglich gereinigt werden. Entweder trocken aufbereitet oder in der Waschmaschine", raten Dr. Sievers und das BfArM. Hierfür kommen verschiedene Methoden in Betracht: "Bei 60 bis 70 Grad werden alle Coronaviren abgetötet. Jedoch nicht alle anderen Keime und Viren, die Maske ist also im Nachhinein nicht steril. Wobei das kein Problem ist, weil die Keime, die dann noch in der Maske verbleiben, sowieso meine eigenen Keime sind." Wie die 60 bis 70 Grad (Oder darüber) erreicht werden, ist völlig unerheblich. So kommt auch das Bügeleisen (Mit Dampf) als schnelle Reinigungsmethode für zwischendurch infrage.



OP-Mundschutz gegen Alltagsmaske - Was schützt besser?


Der entscheidende Faktor, der den Schutz einer Alltagsmaske für das Gegenüber bestimmt ist die Durchlässigkeit des Materials. "Bei einer gelieferten Maske (OP-Mundschutz) unterliegt die Fläche einer DIN-Norm. Die Durchlässigkeit ist immer sicher gegeben. Bei so einer selbst hergestellte Maske wissen wir nicht, wie stark durchlässig die ist. Das hängt immer davon ab wie die hergestellt ist", erklärt Sievers und schlussfolgert: "Ist sie dreilagig, kann es sogar sein, dass die Wirkung besser ist als bei einem OP-Mundschutz. Wenn nur eine Lage da ist, ist es eben entsprechend weniger, sodass mehr Tröpfchen durchkommen. Der Sinn dieser Maske ist ja, das möglichst viele feine Tröpfchen aufgehalten und meinem Gegenüber nicht direkt ins Gesicht geschleudert werden."

Auf den Stoff kommt es an


Dabei kommt es laut einer Studie des Max-Planck-Institutes auch auf den verwendeten Stoff an: Am besten konnten kleine Tröpfchen in der Studie von einer Kombination aus Baumwoll- und Biberstoff aufgehalten werden. "Noch kleinere Partikel werden durch viele Materialien wieder besser abgefangen. Das SARS-CoV-2 Virus ist etwa 100 Nanometer groß. Laut Studien wird es beim Niesen, Husten oder Sprechen aber in wesentlich größeren Tröpfchen transportiert", so das Institut in seiner Veröffentlichung.

Untersucht wurde für die Filterwirkung auch der Stoff aus Staubsaugerbeuteln, der laut den Wissenschaftlern gute Ergebnisse lieferte. Die Drogeriekette DM warnte in Österreich jedoch vor den Masken aus Staubsaugerbeuteln: "Denn viele Staubsaugerbeutel beinhalten aus Hygienegründen ein feines antibakteriell wirkendes Pulver aus Polymer, das durch das Aufschneiden der Beutel freigesetzt werden kann. Wird dieses dann auch noch direkt an die Atemwege gebracht und eingeatmet, ist dies sowohl für Lunge als auch Verdauungsorgane gesundheitsschädigend."

"FFP-Masken konterkarieren den Sinn der Maskenpflicht"


Bei allen zu berücksichtigen Eventualitäten ist man schnell dazu geneigt, doch lieber ein paar Euro mehr auszugeben und auf die OP-Masken oder gar einen FFP-2 Mundschutz zu setzen. Hiervon rät Hygienefacharzt Sievers ganz klar ab: "Diese Schutzmasken werden nur benötigt, im direkten Kontakt zu COVID-19-positiven Menschen. Die wären nur interessant, wenn ich einen Mitbewohner oder Angehörige zu Hause habe die COVID-19 positiv sind, dann sollten sich die pflegenden Angehörigen eine FFP-2 Maske besorgen und nachfragen, wo sie die bekommen können."

Hinzu kommt, dass die Situation bei der Versorgung der Krankenhäuser, Arztpraxen und Pflegeheime mit Schutzausrüstung zwar inzwischen etwas besser ist als zu Beginn der Krise - jedoch ist sie nach wie vor angespannt. Auch Landessozialministerin Carola Reimann warnt: "Die Situation in unserem Gesundheitssystem treibt mich ganz besonders um, da gibt es nach wie vor einen großen Mangel. Wir haben die Situation zwar mittlerweile so im Griff, dass die Amtshilfeersuche zumindest teilweise gedeckt werden können, aber nach wie vor Fehlen hunderttausende FFP-2 und FFP-3 Masken für unsere Krankenhäuser, für unsere Pflegeheime und die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte"



Tatsächlich, so Sievers, können Personen, die FFP-Masken in der Öffentlichkeit tragen unter Umständen sogar ihre Mitmenschen gefährden: "FFP-Masken sind fast immer mit Ausatem-Ventilen ausgestattet, die dazu führen, dass das was ich ausatme - nämlich die Viren - beim Gegenüber landen. Es konterkariert also vollständig den Sinn der Maskenpflicht." Den besten Schutz, so Sievers abschließend, biete immer noch die Kombination aus Abstand und (Community)-Maske.


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