Jüngere und Ältere sind die Verlierer auf dem Wohnungsmarkt

Wohnungsmangel trifft Azubis und künftige Rentner besonders hart: Die IG BAU warnt vor geplatzten Ausbildungen und wachsender Wohnarmut – und fordert mehr bezahlbaren Wohnraum.

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Symbolfoto. | Foto: Pixabay

Region. Jüngere und ältere Menschen gehören zu den Verlierern, wenn es ums Wohnen geht. Etliche der rund 17.140 Azubis in der Region wohnen laut der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) noch bei ihren Eltern.



Und das nicht immer ganz freiwillig. Denn eine eigene Wohnung können sie sich oft nicht leisten. Das Wohnen werde gerade auch für Azubis mehr und mehr zum Problem. Das zeige, so die IG BAU, der aktuelle „Soziale Wohn-Monitor“ vom Pestel-Institut, den die Gewerkschaft mit in Auftrag gegeben hat.

Wohnen wird zum Ausbildungshemmnis


„Tragisch ist es, wenn ein Ausbildungsvertrag nicht zustande kommt, weil das Wohnen zu teuer ist. Etwa dann, wenn Jugendliche weder eine Wohnung noch ein WG-Zimmer in der Nähe des Ausbildungsbetriebs bezahlen können“, so Ulrich Boes. Der stellvertretende Bezirksvorsitzende der IG BAU Nord-Ost-Niedersachsen warnt: „Wenn Ausbildungsverträge am Wohnungsmangel und an zu hohen Mieten scheitern, dann ist das Maß voll. Das kann sich die heimische Wirtschaft nicht erlauben“, sagt Ulrich Boes von der IG BAU Bezirksverband Nord-Ost-Niedersachsen.

Deshalb sollten der Bund und das Land Niedersachsen den Neubau von Azubi-Wohnungen unterstützen – vor allem im Umfeld von Ausbildungszentren. Ulrich Boes spricht sich dabei auch für Steueranreize aus, wenn ein Betrieb dafür sorgt, dass seine Auszubildenden ein Dach über dem Kopf bekommen. Probleme auf dem Wohnungsmarkt hätten auch Studierende. „Deshalb muss es auch in Universitätsstädten eine gezielte Förderung für den Neubau von Studi-Wohnungen geben“, so Boes.

Wohnarmut im Alter droht


Darüber hinaus warnt die IG BAU Nord-Ost-Niedersachsen vor „Wohnarmut im Alter“. Sie hat dabei die geburtenstarken Jahrgänge im Blick: rund 141.900 Baby-Boomer in der Region, die nach Berechnungen des Pestel-Instituts bis 2035 komplett in Rente sein werden. „Viele der Baby-Boomer in Wolfsburg bekommen nur eine niedrige Rente. Denn sie haben oft Phasen von Arbeitslosigkeit hinter sich. Außerdem haben sie ganz häufig auch für niedrige Löhne gearbeitet. Wenn die Baby-Boomer in den nächsten Jahren in Rente gehen, werden etliche sich ihre bisherige Wohnung kaum oder gar nicht mehr leisten können: Sie wohnen sich regelrecht arm“, ergänzt Holger Henze, Bezirksvorsitzender der IG BAU Braunschweig-Goslar.

Die IG BAU warnt vor einer weiteren Verschärfung auf dem Wohnungsmarkt. „Mieten kennen seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Das muss sich ändern. Wir brauchen wieder sinkende und damit bezahlbare Mieten“, fordert IG BAU-Vize-Bezirkschef Boes. Ein wichtiger Schritt, um dahin zu kommen, seien mehr Sozialwohnungen. „Nur mehr günstiger Wohnraum sorgt für Druck auf die Mieten am Markt. Der Neubau von Sozialwohnungen muss zur politischen Herzenssache und zur Sache der politischen Vernunft werden“, erklärt Ulrich Boes weiter.

Mehr bezahlbarer Wohnraum


Der „Soziale Wohn-Monitor“ vom Pestel-Institut nenne dabei eine erste Zielmarke: die Verdopplung von derzeit 1 auf 2 Millionen Sozialwohnungen bundesweit bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts. Für Niedersachsen bedeute das konkret: „Bis 2035 muss es in ganz Niedersachsen 168.500 Sozialwohnungen geben“, so Ulrich Boes. Der „Soziale Wohn-Monitor“ lege damit eine deutliche Messlatte: 14.900 zusätzliche Sozialwohnungen für Niedersachsen pro Jahr.

Forderungen an Bund und Land


Um diese Zielmarke bei den Sozialwohnungen zu erreichen, sei eine intensive Förderung durch den Bund und das Land Niedersachsen notwendig. „Die Fördergelder des Bundes müssen dabei schon gleich zum Baubeginn bereitstehen. Sie dürfen nicht erst über Jahre verteilt ausgeschüttet werden“, fordern Boes und Henze.

Ein wichtiger Punkt seien auch die Baukosten: Um günstiger bauen zu können, biete der Regelstandard „Erleichtertes Bauen“ eine ideale Lösung. Es gehe darum, einfacher zu bauen – und damit fürs gleiche Geld mehr Sozialwohnungen bauen zu können. Und das trotzdem in guter Qualität, mit niedrigen Instandhaltungskosten.

Außerdem müsse das Land eine öffentliche Statistik führen: „Es ist wichtig, zu wissen, wo in Niedersachsen wie viele Sozialwohnungen pro Monat neu gebaut worden sind“, erläutern Boes und Henze abschließend.

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