Kirchenbeichte: Sexuelle Gewalt und weniger Gottesdienste


Auch in unserer Region gab es Fälle von sexualisierter Gewalt. Symbolfoto: pixabay
Auch in unserer Region gab es Fälle von sexualisierter Gewalt. Symbolfoto: pixabay

Region/Goslar. Vor der Landessynode in Goslar verdeutlichte Landebischof Dr. Christoph Meyns am heutigen Donnerstag, dass es für die Kirche Zeit zum Umdenken sei. Neben der aktuellen Aufbereitung von Fällen sexualisierter Gewalt innerhalb der Kirche, stehe man vor weiteren Problemen. Die Personalsituation würde es erforderlich machen die Gottesdienste zu reduzieren.


Dies geht aus einer Pressemitteilung der Landeskirche hervor. Nach Auskunft von Landesbischof Dr. Christoph Meyns verzeichnet auch die Landeskirche Braunschweig Fälle sexualisierter Gewalt. Aus den Jahren 1950 bis 1970 seien fünf Fälle bekannt geworden, sagte er am Donnerstag, 22. November, vor der Landessynode in Goslar. „Davon betreffen drei Fälle zwei Pfarrer im Kontext der verfassten Kirche, zwei Fälle diakonische Einrichtungen“, so der Landesbischof.

Eine Unabhängige Kommission habe den Betroffenen Anerkennungsleistungen und die Erstattung von Therapiekosten zugesprochen. Insgesamt, sagte Meyns, seien aus den Landeskirchen in Braunschweig, Hannovers und der Kirche in Oldenburg 107 Fälle bekannt, zwölf aus dem Bereich der verfassten Kirche und 95 aus dem Bereich der Diakonie.

Vor diesem Hintergrund halte er es für richtig, wenn sich die evangelischen Kirchen in Niedersachsen an einer Studie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zur sexualisierten Gewalt beteiligen und diese gegebenenfalls durch eigene Untersuchungen ergänzen. Darüber hinaus sollte die Landeskirche die gegenwärtige Diskussion zum Anlass nehmen, die seit 2010 geltenden Präventionsmaßnahmen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu überprüfen.

Regionale Gottesdienste mit Fahrdienst


 Dr. Christoph Meyns ist Landesbischoff.
Dr. Christoph Meyns ist Landesbischoff. Foto: Evang. Landeskirche Braunschweig.



In seinem Bericht zur Lage zeigte sich der Landesbischof außerdem überzeugt, dass angesichts von Personalkürzungen und strukturellen Veränderungen die kirchliche Arbeit „im bisherigen Umfang und in der gewachsenen Form“ nicht mehr aufrecht zu erhalten sei. „Es steht eine inhaltliche Neuausrichtung an.“ Die Kirche müsse sich mit zwei „simplen Fragen“ auseinandersetzen: „Was machen wir anders? Was machen wir nicht mehr?“


Nötig sei vor allem eine verstärkte Kooperation, um die Arbeit effizienter zu organisieren. Es werde manchmal nicht mehr anders möglich sein, als Gottesdienste öfter regional zu feiern und dafür einen Fahrdienst zu organisieren. Manche Kirche und manches Gemeindehaus werde man außerdem mittelfristig aufgeben müssen.

Gleichzeitig rief Landesbischof Meyns alle Kirchenvorstände auf, sich mit dem Thema Gemeinwesenorientierung auseinanderzusetzen und den Bezug ihrer Arbeit zum Sozialraum zu stärken. Er erwarte, dass die Kirchenvorstände die Menschen in ihrer Umgebung in den Blick nehmen und sich an der Lösung sozialer Probleme beteiligen. Sonst stehe die Kirche in der Gefahr, dass Wort und Tat auseinanderfallen und die Verkündigung des Evangeliums an Glaubwürdigkeit einbüße.


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