Wolfenbüttel

Klaus Bätcke hört als Vorsitzender des Lebenshilfe-Vereins auf


Klaus Bätcke war elf Jahre lang Vorsitzender des Wolfenbütteler Lebenshilfe-Vereins. Foto: Lebenshilfe
Klaus Bätcke war elf Jahre lang Vorsitzender des Wolfenbütteler Lebenshilfe-Vereins. Foto: Lebenshilfe

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09.11.2017

Wolfenbüttel. Beim Wolfenbütteler Lebenshilfe-Verein geht eine Ära zu Ende. Wie die Lebenshilfe in ihrer Presseerklärung mitteilt, wird sich Klaus Bätcke bei der bevorstehenden Jahresversammlung nicht zur Wahl stellen – der Vereinsvorsitzende wird seine Mitarbeit im Vorstand beenden.



„Ich habe den Eindruck, dass andere es jetzt besser machen und neue Ideen einbringen können“, sagt der 73-Jährige. Er werde der Sache treu bleiben, sich aber nicht mehr in die Vereinsarbeit „einmischen“, sagt Bätcke, der seit 1993 Mitglied des Vereins ist. Seit 2000 arbeitet er im Vorstand mit, seit 2006 als Vorsitzender. „Ich werde immer gerne an die Zeit hier zurückdenken, verbunden mit viel Dankbarkeit den Menschen mit Behinderungen und deren Eltern gegenüber“, sagt der Evessener, der zwischen 2008 und 2016 auch als Behindertenbeauftragter der Stadt Wolfenbüttel tätig war.

Sozialpraktikum in Neuerkeröder Anstalten


Sein Engagement für Menschen mit Behinderungen habe er früh entdeckt, berichtet Bätcke. Während seines Lehramtsstudiums absolvierte er ein Sozialpraktikum in einer Männerwohngruppe der Neuerkeröder Anstalten (heute Evangelische Stiftung Neuerkerode). „Vom ersten Tag an war ich allein verantwortlich für mehrere Jugendliche mit geistigen Behinderungen“, erzählt Bätcke.

Kurzerhand ging er mit der Truppe Fußball spielen. Die Verwaltung habe ihn daraufhin bremsen wollen. Ruhe und Ordnung gingen damals in der Einrichtung vor. Von Inklusion war noch längst keine Rede. Bätcke fühlte sich am nächsten Tag bestätigt. „Als ich am nächsten Tag auf das Haus zuging, standen bereits alle Jugendlichen auf dem Balkon und haben voller Vorfreude auf mich gewartet“, sagt Bätcke über diesen bewegenden Moment, der ihm Gewissheit für seine künftige Karriere gab.

Wunschberuf: Lehrer an Förderschule


Sein Entschluss stand fest: Er wollte Lehrer an einer Förderschule für Menschen mit geistigen Behinderungen werden. Seine Karriere begann an der Oswald-Berkahn-Schule in Braunschweig, wo Bätcke für eine Premiere sorgte. Seine Prüfung zum 2. Staatsexamen war die erste in Niedersachsen, die an einer „Schule für geistig Behinderte“ (damalige Bezeichnung) durchgeführt wurde (1972).

1974 wurde Bätcke bereits Konrektor der Heimsonderschule der Neuerkeröder Anstalten, deren Rektor er ab 1980 war. „Ich hatte damals den Ruf, dafür zu sorgen, dass auch die schwerstmehrfach behinderten Kinder in die Schule gingen“, erinnert sich Bätcke – zu der Zeit ein Novum.

Leiter der Förderschule Zeughausstraße


Sieben Jahre später übernahm Bätcke die Leitung der Förderschule Zeughausstraße in Wolfenbüttel. Der Evessener setzte sich für die Umbenennung in Peter-Räuber-Schule ein. „Peter Räuber war ein ehemaliger Schüler mit Down Syndrom. Mit seiner schillernden Persönlichkeit stand er für alle anderen Kinder, die dort beschult worden“, sagt Bätcke, der sich als Lehrer auf die Sprachförderung spezialisiert hatte.

Kontakt zur Lebenshilfe


Über seine Tätigkeit kam der Kontakt zur Wolfenbütteler Lebenshilfe zustande. „Viele meiner ehemaligen Schüler wohnten am Blauen Stein oder arbeiteten in der Werkstatt“, sagt Bätcke. Er habe auch stets zu den Eltern gute Kontakte gepflegt. Seit 2005 genießt Bätcke den Ruhestand. In seiner 36-jährigen Dienstzeit hatte er unter anderem den Arbeitskreis Schule für geistig Behinderte in Niedersachsen mit ins Leben gerufen. Auch bei der Lebenshilfe Wolfenbüttel setzte er sich für den Austausch mit anderen Einrichtungen ein. So hatte er etwa einen Arbeitskreis mit anderen Lebenshilfen der Umgebung initiiert. Auch als Hobby-Musiker hat sich Bätcke seit den 60er Jahren einen Namen gemacht – spielt noch heute Banjo und Gitarre in den Oldtime-Jazzbands Dixie Fire und Red Onion Jazz Company.

„Es ist noch ein langer Weg zu gehen"


„In den vergangenen zehn Jahren wurden Menschen mit Behinderungen in der Öffentlichkeit zunehmend angenommen“, lautet Bätckes Zwischen-Bilanz. Aber: „Es ist noch ein langer Weg zu gehen“, sagt der 73-Jährige. „Die Lebenshilfe hat auf dem Gebiet Pionier-Arbeit geleistet. Ihre Einrichtungen werden auch in Zukunft stets eine wichtige Rolle spielen.“ Beim Thema Inklusion habe die Gesellschaft als Ganzes noch einiges aufzuholen – insbesondere bei den Themen Wohnen und Arbeiten. „Mit der Geschäftsführung und der Verwaltung hatte ich immer eine hervorragende Verbindung. Die Zusammenarbeit war von gegenseitiger Offenheit und Ehrlichkeit geprägt“, sagt Bätcke über die Lebenshilfe Helmstedt-Wolfenbüttel gGmbH, von der der Wolfenbütteler zusammen mit dem Helmstedter Verein Träger ist.

Weiterhin als Sprachtherapeut tätig


Bätcke ging es immer um den Kontakt zu den Menschen mit Behinderungen. Das Soziale und Zwischenmenschliche habe ihn stets motiviert. „Der überwiegende Teil der Menschen mit Behinderungen geht absolut unvoreingenommen auf einen zu“, sagt Bätcke. Selbst angenommen zu werden und die anderen so anzunehmen, wie sie sind – das sei sein Motto. Bätcke wird künftig wohl seltener bei der Lebenshilfe zu sehen sein. Ganz ohne geht es aber vorerst auch nicht. „Ich bin noch regelmäßig als Sprachtherapeut in der Werkstatt tätig“, sagt der scheidende Vereins-Vorsitzende.

Am Mittwoch, 15. November, wird Klaus Bätcke um 19 Uhr ein letztes Mal eine Jahresversammlung des Wolfenbütteler Lebenshilfe-Vereins eröffnen. An dem Tag wird ein neuer Vorstand gewählt.


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