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Klostergut Wöltingerode: Ex-Geschäftsführer wegen 45-facher Untreue vor Gericht



Goslar

Klostergut Wöltingerode: Ex-Geschäftsführer wegen 45-facher Untreue vor Gericht

Rund 130.000 Euro soll der 49-Jährige veruntreut haben, der schon 2007 in die Schlagzeilen geriet, als er sich mit einem falschen Doktortitel zum Oberbürgermeister-Kandidaten aufstellen ließ. Nun steht der Hochstapler wieder vor Gericht.

von Anke Donner


Das Klostergut Wöltingerode.
Das Klostergut Wöltingerode.

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Wöltingerode. Nächste Woche Mittwoch beginnt vor dem Landgericht Braunschweig der Prozess gegen den ehemaligen Geschäftsführer des Klosterguts Wöltingerode. Dem 49-jährigen Beschuldigten wird laut Anklage gewerbsmäßige Untreue in 45 Fällen zur Last gelegt.



Bei dem Angeklagten handelt es sich um keinen Unbekannten. Kai Schürholt hatte in den vergangenen Jahren schon für mediales Aufsehen gesorgt. 2007 hatte er vorgeben, einen Doktortitel zu besitzen und sich damit als Kandidat zur Oberbürgermeisterwahl in Landau aufstellen lassen. Der falsche Doktortitel flog jedoch auf und Schürholt wurde wegen des Missbrauchs von Titeln, Berufsbezeichnungen und Abzeichen zu einer Geldstrafe verurteilt. Unter dem Vorwand, unter einem Gehirntumor zu leiden, hatte sich Schürholt zuvor aus der Öffentlichkeit und aus dem Wahlkampf zurückgezogen, nachdem seine Täuschung herauskam.

Nun muss sich der 49-Jährige erneut vor Gericht verantworten. Er soll seinen früheren Arbeitgeber, die Cellerar GmbH in Wöltingerode um rund 133.000 Euro betrogen haben. Die Vorwürfe der Anlage reichen bis in das Jahr 2013 zurück - gewerbsmäßige Untreue in 45 Fällen werden ihm zur Last gelegt.

Eine lange Liste an Vorwürfen


Nachdem der Angeklagte seit dem Jahr 2008 in verschiedenen Bereichen des Klosterguts Wöltingerode tätig gewesen sei, soll er dann im Oktober 2013 die Position des Geschäftsführers des Gastronomiebetriebes bei der Cellerar GmbH sowie die Leitung des Klosterhotels Wöltingerode übernommen haben. Hier solle er dann seine Stellung als Geschäftsführer beziehungsweise Leiter ausgenutzt haben, um sich an dem Vermögen der beiden Betriebe zu bereichern.

So soll er zwischen Dezember 2013 und Dezember 2016 die Buchhaltung angewiesen haben, an ihn unberechtigterweise siebenmal Tantiemen, beziehungsweise erfolgsabhängige Honorare in Höhe von rund 32.000 auszuzahlen. Ferner soll Schürholt 2016 ohne Rechtsgrundlage sein Grundgehalt erhöht haben, infolgedessen sei es zu unberechtigten Gehaltsauszahlungen in Höhe von etwa 47.000 Euro gekommen sei.

Außerdem soll er sich zwischen 2013 und 2016 die Erlöse aus dem Adventsmarkt Wöltingerode teilweise in seine eigene Tasche gesteckt und in einer Schwarzgeldkasse angelegt haben. Aus dieser Kasse soll er dann den Mitarbeitern des Klostergutes, unter Umgehung der Steuer- und Sozialversicherungspflichten, Gelder ausgezahlt haben.

Anschaffungen hat der Arbeitgeber bezahlt


Zudem habe er zwischen 2013 und 2016 Standmieten für die Zelte eines Vereins von rund 20.000 Euro vereinnahmt und für sich behalten. Weiterhin habe der Angeklagte die Einnahmen des Verkaufsstandes des Klostergutes Wöltingerode auf dem Goslarer und dem Hildesheimer Weihnachtsmarkt im Jahr 2016 in Höhe von etwa 10.000 Euro und 7.152,20 Euro nicht auf die Konten der Cellerar GmbH eingezahlt, sondern für eigene Zwecke behalten. Außerdem soll der Angeklagte seit 2014 auf Kosten der Cellerar GmbH private Anschaffungen für sich im Wert von über 8.000 Euro gemacht haben. Dazu habe er bei Bestellung der Waren die Rechnungen direkt an die Cellerar GmbH geschickt. Anschließend habe er die Rechnungen abgezeichnet und freigegeben.

Ferner habe der Angeklagte Renovierungskosten in Form von Materialkosten für seine Eigentumswohnung in Höhe von über 4.800 Euro zu Unrecht von der Cellerar GmbH erstatten lassen. Nach Gründung einer GmbH zum Betrieb einer Gastronomie „Hotel Garni Kirchner“ habe der Angeklagte Ausstattungsgegenstände und Lohnzahlungen dafür teilweise von der Cellerar GmbH bezahlen lassen. Zudem habe der Angeklagte die Anmietung einer Ferienwohnung auf Föhr nach Veranlassung falscher Angaben durch den Vermieter auf der Rechnung „Webseitengestaltung/Vermarktungskonzept“ über die Cellerar GmbH abgerechnet.


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