KolumneHeute: Der nichtrauchende Raucher

von Sina Rühland


| Foto: Anke Donner)

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Jeder, der mit dem Rauchen aufhört, kennt diese Situation: dieses unbändige Verlangen nach einer Zigarette – und zwar hier und sofort.

Welchen Stellenwert der Tabak eingenommen hat, bemerkt man erst, wenn man auf ihn verzichten muss. Man baut gewissermaßen eine Beziehung zu ihm auf. Entscheidet man sich dann in beidseitigem Einvernehmen für eine Trennung, folgt irgendwann die Phase des Hinterfragens. War die Trennung wirklich nötig? So geht es mir momentan. Anfänglich bin ich den Zigaretten aus dem Weg gegangen. Ich habe den letzten Tabak-Rest in die Tonne geschmissen, den Aschenbecher so lange eingeweicht bis er sich fast aufgelöst hat. Nachdem ich ein paar Mal nervös um meinen Mülleimer geschlichen bin, entschloss ich mich, die Tüte doch lieber nach unten zu bringen – nur zur Sicherheit.

Der Kummer, so dachte ich, würde schon morgens beim Frühstück anfangen. Kaffee ohne Zigarette, eine schiere Zumutung. Ich war also gezwungen diese symbiotische Verbindung zu unterbrechen und verzichtete erstmal auf den morgendlichen Pott Kaffee. Außerdem musste ich den Sitzplatz in der Küche wechseln. Denn auf diesem einen maroden Holzstuhl habe ich so oft am Fenster gesessen, die Beine auf das Brett gelegt, den Laptop auf dem Schoss, die qualmende Zigarette im Aschenbecher. Der Stuhl musste weg. Wenn auch so gut wie alle Raucher-Devotionalien aus meinem Haushalt verschwunden waren, hatte ich noch immer dieses Verlangen nach einer Zigarette. Jedes Mal, wenn sich meine Kollegen zu einer geselligen Raucherpause getroffen haben, kam ich mit. „Nur mal anpusten, bitte.“ Sobald ich im Stau stand, Stress bei der Arbeit hatte, ein feudales Mittagessen intus oder – ganz fatal – ein Bier trank, fehlte mir das Rauchen. Diese Augenblicke, in denen man die Augen schließt, tief einatmet und es einem völlig egal ist, dass man pures Gift inhaliert.

 Die Autorin: RegionalHeute.de-Redakteurin Sina Rühland.
Die Autorin: RegionalHeute.de-Redakteurin Sina Rühland. Foto:



Wenn ich ehrlich sein soll, habe ich diese Phase des Nichtrauchens vor einiger Zeit schon mal erreicht. Trotz der fünf Zigaretten am Tag behauptete ich weiterhin, nicht zu rauchen. Fünf Stück, das zählte doch nicht. Das nennt man leugnen. Dieses Mal sollte es anders werden. Ich bin bisher standhaft geblieben. Ich überstehe doch lieber diese verführerischen Momente in dem Wissen, dass die Augenblicke ohne Zigarette häufiger und besser sind. Sicherlich werde ich noch eine Weile schnuppernd neben meine Kollegen stehen und nach Tabakkrümeln in meiner Handtasche suchen. Aber ich bin jetzt ein nichtrauchender Raucher – und der raucht nun mal nicht.