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Korruption im Tierheim? Betreiber weisen Vorwürfe scharf zurück



Helmstedt

Korruption im Tierheim? Betreiber weisen Vorwürfe scharf zurück

Um das Tierheim Schöningen ist in mehreren regionalen Facebookgruppen eine Kontroverse entbrannt. Dabei erhebt eine ehemalige Helferin schwere Vorwürfe gegen das Tierheim. Dessen Trägerverein weist die scharf zurück. Es handele sich um einen Rachefeldzug.

von Niklas Eppert


Eine ehemalige Helferin erhebt schwere Vorwürfe gegen das Tierheim Schöningen. Ist ihr Post teil eines Rachefeldzuges? Symbolbild.
Eine ehemalige Helferin erhebt schwere Vorwürfe gegen das Tierheim Schöningen. Ist ihr Post teil eines Rachefeldzuges? Symbolbild. Foto: pixabay

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Schöningen. In einem Facebookpost erhebt eine ehemalige Helferin des Tierheims Schöningen Vorwürfe gegen Mitarbeiter und Betreiber der Einrichtung. Angeblich würden Mittel des Heims zweckentfremdet, sogar von Urlaubsreisen mit den Heimfahrzeugen ist die Rede. Der Verein weist die Vorwürfe scharf zurück - und spricht von einem Rachefeldzug.



In einem in mehreren Facebookgruppen geteilten Post wirft Chantal G. dem Schöninger Tierheim Korruption vor. Demnach würden Mitarbeiter nicht nur Futterspenden entwenden, sondern auch Spielzeug und sogar Möbel für die lieben Vierbeiner. Zweieinhalb Jahre habe G. das Treiben beobachtet, nun habe sie genug. Das Tierheim weist die Vorwürfe derweil zurück: Man kenne Chantal G., habe ihr erst im Sommer zwei Pflegehunde wieder abnehmen müssen. Auch die private Verwendung von Futter kann Thomas Brandt vom Tier- und Naturschutz Schöningen e.V. erklären. Für ihn ist G.'s Post Teil eines Rachefeldzugs.

Zweieinhalb Jahre habe sie im Tierheim geholfen, habe mit den Tieren gespielt und die Hunde ausgeführt, schreibt Chantal G. auf Facebook. Auch außerhalb der Öffnungszeiten sei sie in der Einrichtung gewesen, sie wisse also wie es läuft, wenn nur die Mitarbeiter vor Ort sind. Sie hätten Futter aus den Schränken genommen und sogar Kratzbäume für die eigenen Tiere eingepackt. Auch dann, wenn sie gerade keine Pflegetiere hätten. Doch hier enden die Vorwürfe nicht.


Im Gespräch mit regionalHeute.de geht Chantal G. noch weiter: Das eigens für Einkaufs- und Tierarztfahrten gespendete Fahrzeug würde für private Fahrten genutzt, selbst für Urlaubsfahrten würde das Auto genutzt. Spender würden also getäuscht, es würde weiter um Futterspenden gebeten, selbst wenn die "Schränke schon überfüllt" sind. Wer spenden wolle, der würde also ausgenutzt. Die Tierheimleitung wisse von all dem, schreite jedoch nicht ein. Überhaupt habe sie das Gefühl, dass die vereinsgetragende Einrichtung "nur Geld verdienen" wolle. Chantal G. ist nach eigenen Angaben seit einem halben Jahr nicht mehr für das Tierheim aktiv, Gründe dafür nennt sie allerdings nicht.

"Es ist ein Rachefeldzug!"


Thomas Brandt aus dem Vorstand des Tier- und Naturschutz Schönigen e.V. weist die Vorwürfe scharf zurück. Chantal G. sei den Betreibern bekannt, tatsächlich habe sie sich im Tierheim engagiert. Vor einem halben Jahr jedoch, zu der Zeit, in der G. angab das Tierheim verlassen zu haben, hätte die junge Frau zwei Chihuahuas in Pflege gehabt, die das Tierheim nach wenigen Wochen wieder zurück habe holen müssen. Eins der Tiere sei unterernährt gewesen, hätte von einem Tierarzt behandelt werden müssen, um wieder auf die Beine zu kommen. Für Brandt ist der Post, der in regionalen Facebookgruppen große Resonanz erfuhr, Teil eines Rachefeldzugs.


Ein Foto von der Übergabe des Autos, das dem Tierheim Schöningen vom Tierschutzbund gespendet wurde. Dutzende baugleiche Pkw wurden an Tierheime im ganzen Land gespendet. Foto: Thomas Brandt



Tatsächlich steht G. in Verbindung mit einem ehemaligen Helfer des Tierheims, der vor einigen Jahren den Verein im Streit verließ. Der wiederum habe sich in der Öffentlichkeit gern als führendes Mitglied des Vereins, sogar als Chef des Tierheims geriert. All das sei er jedoch nie gewesen. Mit ihm und seinem Umfeld habe das Tierheim schon öfter Probleme, wie Brandt berichtet.

Tierheim weist Vorwürfe scharf zurück


Die Vorwürfe selbst weist Brandt im Namen des Vorstands scharf zurück. Das Tierfutter mit nachhause genommen werde, sei nicht ungewöhnlich. Immerhin hätten die Mitarbeiter oft Pflegetiere zu Hause, in anderen Fällen würde überflüssiges Futter an andere Tierheime oder Tierschutzorganisationen weitergegeben, ehe es verfalle. Spielzeuge oder Kratzbäume dagegen könnten oft gar nicht benutzt werden. Gerade alte Kratzbäume seien oftmals nicht mehr zu gebrauchen, die Gefahr von Pilzbefall oder anderen Infektionsgefahren sei hoch. Da Kratzbäume nur schwer zu desinfizieren seien, würden die oftmals entsorgt.

Beim Vorwurf, dass Autos missbraucht würden, geht Brandt dagegen von einem Missverständnis aus. Der Tierschutzbund habe vor einigen Jahren Autos an Tierheime gespendet, die für Tierarzt- und Versorgungsfahrten gedacht seien, das sei richtig, aber eben nicht nur in Schöningen. Das mache der Verband regelmäßig, wodurch dutzende baugleiche Autos in ganz Deutschland unterwegs seien. "Da ist alles gleich, außer das Kennzeichen. Ich kann mir schon vorstellen, dass sie so ein Auto gesehen hat", so Brandt gegenüber regionalHeute.de "aber eben nicht von uns." In den Urlaub fahre mit dem Wagen sicher niemand.

Kürzere Fahrten würden allerdings schon mit dem Auto betrieben. Brandt, selbst KfZ-Meister, meint, dass zu viel Stillstand dem Motor schaden könne. Daher würden auch Fahrten mit dem Auto erledigt, die über Einkäufe und Tierarztbesuche hinausgingen. Zu privaten Zwecken seien die allerdings nicht.

Aktualisierung: In einer früheren Version des Artikels heißt es, dass Mitarbeiter des Tierheims gespendetes Tierfutter privat verwendeten, ehe es abläuft. Das war nicht korrekt. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.


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