Landtagsabgeordneter kritisiert Corona-Hilfen - Privatbrauerei am Abgrund

Der Grünen-Politiker und Sprecher für Wirtschaft und Verkehr, Detlev Schulz-Hendel, setzt sich für die Privatbrauerei Stebner ein.

von Axel Otto


Detlev Schulz-Hendel, Landtagsabgeordneter der Grünen, im Gespräch mit den Jungunternehmern Robin Hepner und Bastian Jonas.
Detlev Schulz-Hendel, Landtagsabgeordneter der Grünen, im Gespräch mit den Jungunternehmern Robin Hepner und Bastian Jonas. Foto: Axel Otto

Braunschweig. Am Mittwoch besuchte Detlev Schulz-Hendel, Landtagsabgeordneter und Sprecher für Wirtschaft und Verkehr der Grünen die beiden Jungunternehmer der Privatbauerei Stebner, um sich für das junge Unternehmen einzusetzen und sich die Probleme anzuhören.


Als Bastian Jonas und Robin Hepner am 21. Januar 2019 die Brauerei von Andreas Stebner übernahmen, konnten sie noch nicht ahnen was durch Corona auf sie zukam. Als die Pandemie im Jahr 2020 auf Europa zurollte, sind im März 2020 sämtliche Aufträge und Veranstaltungen mit einem Auftragsvolumen von 150.000 Euro, die fix gebucht waren, für die noch junge Privatbrauerei weggebrochen. Die beiden stellten ihre Produktion vom Fassbier auf Flaschenbiere um, damit sie den Einzelhandel bedienen können. Denn Veranstaltungen fanden jetzt nicht mehr statt, auf die sie sich spezialisiert hatten.

Versprochene Gehaltserhöhungen und eine Aufstockung der Arbeitsstunden für die zwei Mitarbeiter gab es jetzt nicht mehr, stattdessen war Kurzarbeit angesagt. Ende März kam dann die 9.000 Euro Soforthilfe, die sie gleich am Anfang der Pandemie beantragten. Zudem beanspruchten die beiden Start-ups einen Liquiditätskredit in Höhe von 40.000 Euro bei der N-Bank, weil man zu dem Zeitpunkt hoffte wieder auf dem Magnifest präsent sein zu können. Dieses Jahr sind sie allerdings aus dem Corona-Hilfsprogramm rausgefallen und legten zuletzt Hoffnung in den Härtefall-Fond des Bundes. Das Problem ist, um von den Coronahilfen aufgefangen zu werden, müssen Unternehmen pandemiebedingt weniger Umsatz einfahren als im Vergleichsjahr.

"Wir waren entsetzt"


"Da wir uns allerdings erst 2019 gegründet haben und in diesem Jahr statt Einnahmen vor allem erstmal Ausgaben hatten, haben wir momentan selbstverständlich höhere Einnahmen als im Vergleichsjahr. Da das allerdings keine großen Zahlen sind, mit welchen wir in der Lage wären, uns und unsere Mitarbeiter auf lange Sicht durchzubringen, waren wir entsetzt, als wir bei jedem Förderprogramm, bei dem wir uns um Hilfe bewarben, abgewiesen wurden", so Bastian Jonas. So fielen sie durch alle Hilfsmaßnahmen hindurch und hofften auf den Härtefall-Fonds, der zu einer Einzelfallentscheidung führen sollte, wenn Unternehmen durch alle bisherigen Programme durchfielen. "Leider wurden wir auch hier enttäuscht, da sich herausstellte, dass wir doch antragsberechtigt sind, allerdings nur für einen Monat in 2019, dies entspräche 590 Euro."

Die Flaschenabfüllung ist sehr zeitintensiv, da die Abfüllung und Etikettierung händisch geschieht. Man hatte sich auf Fassbier für Events spezialisiert.
Die Flaschenabfüllung ist sehr zeitintensiv, da die Abfüllung und Etikettierung händisch geschieht. Man hatte sich auf Fassbier für Events spezialisiert. Foto: Axeln Otto



Ein Mitglied des niedersächsischen Landtags setzt sich für die Privatbrauer ein


Mittlerweile haben sie einen Gründerkredit beantragt, bei dem es aber unsicher sei, dass er gewährt wird, da der Kredit nach den Umsätzen von vor der Krise berechnet wird. Nur die vollen Auftragsbücher reichen der Bank nicht. Als letzten Weg, nachdem die Beiden auch das Wirtschaftsministerium vergeblich um Hilfe gebeten hatten, wurde der Landtagsabgeordnete Detlev Schulz-Hendel, Sprecher für Wirtschaft und Verkehr der Grünen auf das Problem aufmerksam und besuchte das Unternehmerduo Jonas/Hepner in der Brauerei. "Mich wundert es nicht, dass Bernd Althusmann (Minister für Wirtschaft und Digitales im Niedesächsischen Landtag, CDU, Anm. d. Red) mir erzählt, dass der Härtefall-Fonds kaum in Anspruch genommen wird, wenn das Reglement so streng ausgelegt wird, man kann bei einer Summe von 590 Euro für Januar 2021 nicht von einer Wirtschaftshilfe reden", so Schulz-Hendel.

Schulz-Hendel im Gespräch mit regionalHeute.de bei der Brauerei Stebner in Braunschweig.
Schulz-Hendel im Gespräch mit regionalHeute.de bei der Brauerei Stebner in Braunschweig. Foto: Axel Otto


"Wir sind halt nicht die TUI"


Für Existenzgründer sind diese Hilfen nicht geschaffen, das stellt auch Schulz-Hendel fest. "Hingegen wird für Unternehmen wie die TUI eine riesige Summe an Soforthilfen zur Verfügung gestellt, die am langen Arm ihre Subunternehmer verhungern ließen, so der Politiker weiter." Er wolle seine guten Kontakte zu der N-Bank nutzen um sich für die kleine Brauerei einzusetzen. Außerdem möchte er das grundsätzliche Problem mit den Corona-Hilfen im Landtag thematisieren und Althusmann zur Rede stellen.


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