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Lehrerverband kritisiert: Selbsttests an Schulen führen zu erheblichen Belastungen



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Lehrerverband kritisiert: Selbsttests an Schulen führen zu erheblichen Belastungen

Angekündigte Selbsttests würden den Schulen laut Lehrerverband viele Probleme bereiten und zu erheblichen Belastungen führen.

von Julia Fricke


Symbolbild
Symbolbild Foto: Rudolf Karliczek

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Region. Ab dem vergangenen Montag sollen Schüler und Schulbeschäftigte in Niedersachsen die Möglichkeit haben sich selbst auf das Coronavirus zu testen. Zum Start der "Testwoche" vor den Osterferien wurden rund 400.000 Testkits an Schulen gesendet. Dabei sollen die Schüler die Tests selbstständig und unter pädagogischer Anleitung ihrer Lehrer vornehmen, wie aus einer Pressemitteilung des Kultusministeriums zu entnehmen war. Zudem sollten die Schulen eine Handreichung dafür erhalten. Dies wird jedoch vom Lehrerverband kritisiert. Dieser befürchte, dass das die Testdurchführung den Schulen viele Probleme bereiten und zu erheblichen Belastungen führen könnte.



"Das den Schulen zugesandt Konzept „Corona-Selbst- beziehungsweise Laientests für Personal sowie Schülerinnen und Schüler in Schulen“ ist zweifelsohne gut gemeint, aber es scheint stellenweise nicht von schulerfahrenen Praktikern entwickelt worden zu sein", erklärt Torsten Neumann, Vorsitzender des Verbands Niedersächsischer Lehrkräfte in einer Pressemitteilung.

Lehrer nicht medizinisch geschult



So müssten zur Durchführung der Tests Gegebenheiten geschaffen werden, die nicht in jeder Schule ohne weiteres umsetzbar seien, denn nicht jede Schule habe zum Beispiel entsprechend große belüftbare Räumlichkeiten und auch nicht jeder Klassenraum verfüge über ein Waschbecken. Genauso wenig stünde den Schulen Reinigungspersonal während der Unterrichtszeiten für eine ständige Reinigung zur Verfügung.

Eine weitere Kritik werde in der Durchführung selbst gesehen, denn viele Schüler, insbesondere die jüngeren, könnten den Selbsttest nicht ohne Anleitung durchführen. Angeleitet werden die Schüler dabei nur durch die Lehrkräfte, die jedoch selbst nicht medizinisch geschult seien. "Die Selbsttests bedürfen unbedingt einer genauen, gewissenhaften Durchführung, wenn sie eine einigermaßen verlässliche Aussagekraft haben sollen. Es wird dauern, bis die Schülerinnen und Schüler „Profis“ im Selbsttesten sind und die Ergebnisse sicher verwertbar sein werden", so Neumann weiter.

Der Kreiselternrat Goslar sehe ein weiteres Problem darin, dass die Testung an Schulen die derzeit ohnehin schon begrenzte Unterrichtszeit in Anspruch nimmt. Daher sollten die Selbsttests in der häuslichen Umgebung durchgeführt werden. Die benötigten Testkits müssten dabei jedoch weiterhin über die Schule zur Verfügung gestellt werden.

Bürokratieaufwand bei positiven Tests


Hinzu komme ein größerer Bürokratieaufwand, da die Gesamtzahl der ausgeteilten Tests an Beschäftigte und die davon zurückgemeldeten positiven Tests sowie die davon mit einem PCR-Test bestätigten Testergebnisse zu dokumentieren seien. Denn bei einem positiven Test habe die Schulleitung den Verdachtsfall beim Gesundheitsamt zu melden, damit ein PCR-Test erfolgen könne.

Der "finnische" Weg


"Grundsätzlich begrüßen wir regelmäßige Testungen an den Schulen, sehen aber in der jetzt geplanten Form doch noch viele Stolpersteine und Probleme. Wir fordern auch weiterhin ein Impfangebot für alle an Schulen Tätigen aller Schulformen, der Gesundheitsschutz muss weiterhin eine hohe Priorität haben", räumt Neumann ein. Eine Alternative sei es, mobile Testteams an die Schulen zu senden. Neben der Schulung von Mitarbeitern, die sich zur Zeit in Kurzarbeit befinden, könne auch die Unterstützung durch Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz in Erwägung gezogen werden können. "Für die Zukunft erscheint uns der finnische Weg sinnvoll, dort gibt es an allen Schulen „Schulkrankenschwestern“", so Neumann abschließend.


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