Love-Scamming: Das perfide Spiel mit der Liebe

Die Betrüger erschleichen sich erst das Vertrauen ihres Opfers und dann ihr Geld.

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Symbolfoto Foto: Anke Donner

Region. Ganz aktuell berichtet die Polizei von einem Scamming-Fall in Helmstedt. Scamming, zu Deutsch Betrügen, steht für die Art von Kriminalität, die ihre Opfer im Internet findet. Und das auf ganz perfide Art und Weise. regionalHeute.de hat mit der Polizei Braunschweig über den fiesen Betrug im Internet gesprochen.


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"Scamming" ist der Oberbegriff für Betrugsformen, bei der Liebe, viel Geld oder auch der Traumjob in Aussicht gestellt werden. Der Weg zum angeblichen Glück führt jedoch immer über eine Geldzahlung an die Betrüger, die hinter dem Versprechen stecken. Dabei sind die Gründe für die Forderungen so individuell wie die Betrugsmaschen und Kontaktaufnahmen selbst. Die Betrüger treiben ihr perfides Spiel oft über Monate, manche sogar Jahre, hinweg. Dabei treiben sie ihre Opfer nicht nur in den finanziellen Ruin, sondern auch in eine emotionale Abhängigkeit. Die Hintermänner sitzen zumeist im Ausland. Das und der Umstand, dass die Betrugsmaschen immer vielfältiger, skrupelloser und schnelllebiger werden, sorgt dafür, dass den Drahtziehern nur schwer beizukommen ist, weiß Thorsten Ehlers, Sprecher der Polizeidirektion Braunschweig.

"Popstar" ergaunert 21.000 Euro


Erst am Mittwoch hatte die Polizei Helmstedt von solch einem Fall berichtet. Ein Unbekannter hatte zwischen dem 4. und 27. September mit verschiedenen erfundenen Geschichten 21.000 Euro von einer Helmstedterin ergaunert. Dabei hatte er sich als bekannter Popstar ausgegeben. Zunächst sollte die Frau nur ein Paket des vermeintlichen Popstars entgegennehmen. Dann für den Empfang des Paketes mit 650 Euro in Vorkasse gehen. Danach bezahlte sie 2.000 Euro, nachdem sie von einer angeblichen Flugbehörde dazu aufgefordert wurde. Etwa eine Woche später rief ein vermeintlicher Mitarbeiter eines Paketdienstes an und erklärte ihr, dass es ein Problem mit dem Zoll gebe und sie nun 20.000 Euro bezahlen müsse. Auch dieser Aufforderung kam die Frau nach, überwies jedoch nicht den vollen Betrag. Die letzte Zahlungsaufforderung kam Anfang vergangener Woche, wonach die Helmstedterin Lagerungsgebühren übernehmen sollte. Plötzlich wurde der Frau bewusst, dass sie Betrügern aufgesessen war und verständigte am Dienstag die Polizei.

Hohe Dunkelziffer


Scamming und andere Online-Betrugsformen sind immer weiter auf dem Vormarsch, das zeigt auch die polizeiliche Kriminalstatistik. Im Bereich der Polizeidirektion Braunschweig gab es im vergangenen Jahr ganze 4.860 Straftaten, die über das Internet verübt wurden. Darin eingeschlossen sind auch Scamming-Fälle. Zwar werden diese bei der Polizeidirektion nicht gesondert geführt, doch sei es bekannt, dass es immer wieder zu derartigen Betrugsmaschen komme, so Thorsten Ehlers im Gespräch mit regionalHeute.de. Oft werde ein Betrug auch nicht zur Anzeige gebracht, weil sich die Menschen schämen, dass sie Opfer eines Betrugs geworden sind. Besonders bei dem sogenannten Love- oder Romance-Scamming sei die Scham bei den Betroffenen hoch und es sei daher davon auszugehen, dass es eine hohe Dunkelziffer gibt. Umso wichtiger sei es, dass Betrugsfälle, welcher Art auch immer, zur Anzeige gebracht und Beweise gesichert werden. "Machen sie geleistete Zahlungen, wenn noch möglich, umgehend rückgängig. Speichern sie alle Mails und Chats als Beweismittel auf einem Speichermedium. Brechen sie jeden Kontakt ab und erstatten sie Anzeige bei der Polizei", rät Ehlers.

Das rät die Polizei


Damit man gar nicht erst zum Betrugsopfer wird, rät die Polizei immer zu besonderer Achtsamkeit. "Gesundes Misstrauen ist in allen Bereichen des Internets angebracht. Zudem gilt: Gehen sie nie auf Forderungen eines Scammers ein, überweisen sie auf gar keinen Fall Geld. Lösen sie keine Schecks ein oder leiten Briefe und Päckchen weiter", so Ehlers. Eine weitere Möglichkeit, sich vor Internetbetrügern zu schützen, ist die Eingabe des Namens der Internetbekanntschaft in einer Suchmaschine mit dem Zusatz Scammer. In vielen Fällen lasse sich so ein Verdacht bestätigen. Weitere umfangreiche Informationen zu diesem Kriminalitätsphänomen finden sich im Internet unter www.polizei-beratung.de.

Opferbetreuung


Wer doch auf den Internetbetrug hereingefallen ist, kann sich im Anschluss Hilfe suchen, um das Erlebte zu verarbeiten. Der Weiße Ring bietet beispielsweise umfangreiche, auf Wunsch auch anonyme, Betreuung für Menschen, die Opfer einer Straftat geworden sind.


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