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Braunschweig: Warum das Faxgerät in der Behörde bleiben muss



Braunschweig

Medikament statt Symbol - Ich bin 25 Jahre alt und liebe mein Faxgerät

Die FDP hat von der Braunschweiger Stadtverwaltung eine Schelte dafür bekommen, das Fax als Symbol einer "altbackenen und langsamen" Bürokratie abschaffen zu wollen. Auch ich als junger Mensch finde: Völlig zurecht.

Ein Kommentar von Marvin König

Symbolbild.
Symbolbild. Foto: Julia Fricke

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Braunschweig. "Denken Sie an die Umwelt, bevor Sie diese Mail ausdrucken", schreit mich nahezu jede Fußzeile in meinen Postfächern an. Nur manchmal geht es einfach nicht anders. Stress, Wege und Kosten spart mir dabei mein Faxgerät. Ganz Retro mit dem guten alten Thermopapier. Dass die Stadtverwaltung Braunschweig also weiterhin auf ihr Fax besteht, ist für mich keinesfalls verwunderlich. Bis nicht jedes Formular digital unterschrieben und jeder Antrag in eine Eingabemaske umgewandelt wurde, wird es uns noch gute Dienste leisten.



Allein von Rechts wegen wird nicht nur in Behörden, auch in der Privatwirtschaft noch viel Schriftverkehr in Papierform abgewickelt. Das nimmt teils absurde Züge an - ein namhafter Aquarienhersteller schickte mir beispielsweise die Rechnung in einem Extra-Brief hinterher. Diese kam dann eine Woche nach dem eigentlichen Paket. In meiner Zeit als Redaktionspraktikant (der ich nach Meinung einiger Facebook-Nutzer sporadisch immer noch bin) war es ausgerechnet die Piratenpartei, die auf eine Anfrage per Mail mit einem Brief per Post antwortete. Das verblüfft mich bis heute. Überraschend digital ist hingegen der Schriftverkehr mit den Steuerbehörden - auch wenn es dort ebenfalls noch einige Fallstricke gibt. Es muss doch einen einfachen, universellen und rechtssicheren Weg geben, Papiere sofort von A nach B zu verschicken, ohne die Verzögerungen und die hohen Kosten für ein Einschreiben? Ich gestehe feierlich, ich bin 25 Jahre alt und liebe mein Faxgerät dafür.

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Erst wenn jeder Antrag digitalisiert ist


Insofern widerspreche ich der Braunschweiger FDP. Das Fax ist kein Symbol für eine "altbackene und langsame Bürokratie", wie der Ratsherr Mathias Möller es ausrückte. Die Abschaffung des Faxgerätes in den Behörden wäre reine Symbolpolitik. Kein Formular wird dadurch digitalisiert, kein Präsenztermin beim Amt erspart, kein Antrag unterschreibt sich so übers Internet und keiner hat plötzlich die Kenntnis, sich gar kostenpflichtige Dienste für rechtssicheren Mailverkehr oder ähnlicher Spielereien einzurichten - wenn dieser bei den Behörden überhaupt vorhanden ist.

Einfach und schnell


Gut, ich muss für mein Thermopapier einen schmierig wirkenden Dealer hinterm Bahnhof aufsuchen. Der verkauft im übrigen auch noch die alten Glühbirnen (kleiner Geheimtipp). Aber wenn mir irgendeine Behördenpost ins Haus flattert, ich mal wieder zehn Minuten vor Fristende schnell noch etwas loswerden muss oder schlicht und ergreifend zu faul und zu geizig für ein Einschreiben mit Rückschein bin, stecke ich mein Papier ins Faxgerät, kriege einen frischen, warmen Sendebericht und kann mich zurücklehnen. Die sogenannte "Digitalisierung" kann mir diesen Komfort bislang nicht ohne große Einrichtungsquerelen bieten, da zu wenige Firmen und Behörden bislang in Alternativen investiert haben - und wenn, dann sind es auch noch unterschiedliche Systeme. Ja, das Faxgerät kommt in die altbackene Telefondose. Und das ist auch schon alles. Das Faxgerät bleibt eine schmerzlindernde Pille gegen das eigentliche Symbol für "altbackene und langsame Bürokratie", und das ist nur die Bürokratie selbst.


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