Region. Der Harz steht vor einem gewaltigen Waldumbau. Stürme, anhaltende Trockenheit und der Borkenkäfer haben seit 2018 rund 30.000 Hektar Wald schwer geschädigt. Besonders die einst großflächigen Fichtenbestände sind weitgehend zusammengebrochen. Jetzt soll aus den geschädigten Flächen eine neue Waldgeneration entstehen, die den Folgen des Klimawandels besser standhält. Die Niedersächsische Landesregierung hat dazu das von den Niedersächsischen Landesforsten (NLF) entwickelte Wiederbewaldungs- und Waldentwicklungsprogramm Harz beschlossen.
Für die Umsetzung sind rund 130 Millionen Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren vorgesehen. Das Programm bildet die Grundlage für die langfristige Entwicklung des Landeswaldes im Harz. Die Landesforsten sollen es fortführen und weiter umsetzen. Ziel ist es, die betroffenen Flächen nicht einfach wieder aufzuforsten, sondern widerstandsfähige, artenreiche Bergmischwälder aufzubauen, die besser an die veränderten Klimabedingungen angepasst sind.
Nicht einfach aufforsten, sondern den Wald neu entwickeln
„Die Wiederbewaldung des Harzes wird viele Jahre in Anspruch nehmen“, sagt Forstministerin Miriam Staudte. Zugleich brauche es eine langfristige Perspektive. Es gehe nicht darum, die geschädigten Flächen einfach wieder aufzuforsten, sondern darum, neue Wälder zu entwickeln, die mit den veränderten Klimaverhältnissen besser zurechtkommen. Dafür schaffe das Programm der Niedersächsischen Landesforsten eine gute Grundlage.
Der Umbau soll schrittweise erfolgen. Dabei setzen die Landesforsten sowohl auf die natürliche Ansamung verschiedener Baumarten als auch auf gezielte Pflanzungen zusätzlicher, klimaangepasster Arten. Zunächst stehen trockenheitsresistente Laub- und Nadelbäume im Mittelpunkt. Pionier- und Lichtbaumarten sollen in der Anfangsphase einen hohen Anteil ausmachen.
Laubbäume sollen künftig den Wald prägen
Langfristig soll sich die Zusammensetzung der Wälder verändern. Zu den vorgesehenen Baumarten gehören Buche, Bergahorn, Lärche, Tanne und Douglasie. Diese sogenannten Schlusswaldbaumarten sollen mittel- bis langfristig die Bestände überwiegend prägen. Grundsätzlich sollen mindestens zwei Drittel der Bestände aus Laubbäumen bestehen.
Ganz verschwinden wird die Fichte allerdings nicht. Die früher im Harz weit verbreitete Baumart soll auch künftig erhalten bleiben – wenn auch in geringeren Anteilen. Sie wird weiterhin als Struktur- und Wirtschaftsbaumart eine Rolle spielen.
130 Millionen Euro für zehn Jahre Waldumbau
Der Großteil der benötigten Mittel, rund 117 Millionen Euro, soll aus zweckgebundenen Rücklagen der Niedersächsischen Landesforsten sowie aus dem land- und forstwirtschaftlichen Bereich des Sondervermögens „Wirtschaftsförderfonds“ des Landes kommen. Die Gesamtkosten für das Programm werden auf rund 130 Millionen Euro über zehn Jahre geschätzt.
Wie hoch der tatsächliche finanzielle Aufwand am Ende ausfällt, hängt maßgeblich davon ab, wie sich der Wald auf den geschädigten Flächen entwickelt. Entscheidend ist insbesondere, wie gut sich junge Bäume auf natürliche Weise ansiedeln und wie viele zusätzliche Pflegemaßnahmen erforderlich werden.
Aufbau einer neuen Waldgeneration
Die Landesregierung würdigt ausdrücklich den Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Niedersächsischen Landesforsten sowie der beteiligten Unternehmen und Dienstleister. Sie engagieren sich seit Beginn der großflächigen Waldschäden im Jahr 2018 für die Bewältigung der Schäden und den Aufbau einer neuen, klimaangepassten Waldgeneration.
Die Niedersächsischen Landesforsten bewirtschaften rund 335.000 Hektar Landeswald und übernehmen im Auftrag des Landes unter anderem Aufgaben im Naturschutz und in der Umweltbildung. Das öffentliche Unternehmen beschäftigt landesweit etwa 1.350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Für den Harz bedeutet das beschlossene Programm vor allem eines: Der Wiederaufbau des Waldes ist ein langfristiges Vorhaben. Auf den rund 30.000 Hektar Schadfläche soll Schritt für Schritt ein vielfältigerer Wald entstehen, der den Herausforderungen des Klimawandels besser gewachsen ist.

