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Missbrauchs-Skandal: Weitere Opfer belasten ehemaligen Pfarrer aus Wolfenbüttel



Missbrauchs-Skandal: Weitere Opfer belasten ehemaligen Pfarrer

Innerhalb von 40 Jahren kam es zu einigen sexuellen Übergriffen des Pfarrers auf Kinder. Dabei waren schon früh Gerüchte um eine pädosexuelle Veranlagung im Umlauf.

von Julia Fricke


Symbolfoto.
Symbolfoto. Foto: Alexander Panknin

Wolfenbüttel. Anfang des Jahres wurde bekannt, dass der St. Petrus Gemeinde in Wolfenbüttel konkrete Hinweise auf einen möglichen Missbrauchsfall durch einen ehemaligen Pfarrer vorliegen (regionalHeute.de berichtete bereits). Zusammen mit dem Bistum Hildesheim sollten weitere mögliche Fälle aufgearbeitet werden. Wie jetzt aus einem auf der Homepage des Bistums Hildesheim veröffentlichten Untersuchungsbericht der Diözese hervorgeht, hat sich der mittlerweile verstorbene Geistliche Georg M. mehrfach des sexuellen Missbrauchs an fünf Kindern schuldig gemacht. Dabei hatte es scheinbar bereits schon früh mehrfache Hinweise auf das Verhalten des Mannes gegeben.



Georg M., der in der Zeit von 2009 bis 2019 auf dem Gebiet der Pfarrei St. Petrus lebte und an den Kirchenorten Dorstadt und Heiningen Gottesdienste feierte, solle sich während eines "Hoppe-Hoppe-Reiter" selbst befriedigt haben. Dies hat ein Zeuge an den Leiter der St. Petrus Pfarrei in Wolfenbüttel, Pfarrer Matthias Eggers, herangetragen. Diesen Zeugenhinweisen zufolge soll Georg M. pädosexuell veranlagt gewesen sein und ein sexuelles Interesse an Kindern, speziell Jungen gehabt haben. Während seiner Laufbahn als Priester war Georg M. neben Wolfenbüttel auch in den Pfarrgemeinden beziehungsweise Kirchorten in Bad Gandersheim (St. Maria Himmelfahrt), Groß Ilsede (St. Bernward), Salzgitter-Gebhardshagen (St. Gabriel) und Uelzen (Zum göttlichen Erlöser) tätig. Ebenso auch in Ronnenberg (St. Thomas Morus), Lehre (St. Martin), Salzgitter (Christ König) und Cuxhaven (St. Marien). Zwischen seiner Priesterweihe im Jahr 1969 und seinem Tod im Jahr 2019 sei es dem Bericht zufolge zu einer Vielzahl von Taten gekommen, bei denen es sich um Straftaten gehandelt habe.

Erste Gerüchte


So berichten Zeugen, dass es in mehreren Fällen dazu gekommen sei, dass der Pfarrer während seiner Zeit als Pastor der Gemeinde Lehre-Wendhausen die Hand eines Kindes genommen und diese in seinen Genitalbereich gelegt haben soll. Schon zu dieser Zeit solle es Gerüchte im Dorf gegeben haben, welche die Eltern des betroffenen Kindes dazu veranlassten es nach sexuell zudringlichem Verhalten von Georg M. zu befragen. Dieses sei den Fragen der Eltern jedoch ausgewichen.



Ausflüge zusammen mit den Kindern ins Badeland sowie die Nutzung der Sauna gehörten zu den Aktivitäten, die Georg M. regelmäßig angeboten habe. Während dieser Fahrten in einem alten Feuerwehrfahrzeug sei es laut eines weiteren Zeugen ebenfalls zu Übergriffen von Georg M. gekommen. So habe M. auch hier die Hände des Kindes in seinen Genitalbereich gelegt und stimuliert, während die Kinder auf den Rückbänken dies beobachten konnten. Auch M. selbst habe Kinder in einigen Fällen im Genitalbereich berührt.

Jugendamt wurde informiert



Wie weiter aus dem Bericht der Diözese hervorgeht, hätten sich schon zu Beginn der 1990er-Jahre "mindestens eine, möglicherweise mehrere Personen" an das zuständige Jugendamt der Stadt Salzgitter gewandt. Hintergrund sei die Behauptung gewesen, dass der Pfarrer der Gemeinde Christ König mehrere Kinder im Alter von etwa zehn Jahren im Rahmen von Freizeitaktivitäten sexuell missbraucht haben soll. Eine offizielle Anzeige bei Polizei oder Staatsanwaltschaft sei jedoch nicht erfolgt. Auch ein persönlicher Kontakt zu den Kindern sei den Jugendamtmitarbeitern nicht ermöglicht worden.

Der zuständige Sachbearbeiter habe jedoch Kontakt zu einem Jugendstaatsanwalt und einer Richterin oder einem Richter des Amtsgerichts Salzgitter aufgenommen, Ermittlungen ohne Unterstützung der Eltern wären jedoch aussichtslos gewesen. Daraufhin habe sich der Sachbearbeiter an einen Mitarbeiter des Bistums Hildesheim gewandt, um zu verhindern, dass weitere Kinder der Gefahr eines sexuellen Missbrauchs ausgesetzt werden. Als eine denkbare Lösung sei angestrebt worden, dass Georg M. die Gemeinde verlassen und nicht wieder in einer anderen Pfarrgemeinde tätig sein sollte und keinesfalls wieder mit Kindern arbeiten dürfe. Doch entgegen der Vereinbarung sei Georg M. nach Cuxhaven versetzt worden. Dabei sollte sein Bruder Konrad, der ebenfalls als Geistlicher tätig war "auf ihn aufpassen". Hier habe er seine Arbeit fortgesetzt. Auch zu weiteren Übergriffen sei es während dieser Zeit gekommen.


Auch nach seinem Umzug nach Dorstadt sei es zu weiteren Taten des ehemaligen Pfarrers gekommen. Weiterhin unternahm und organisierte er mit seinem Bruder nahezu ein Jahrzehnt lang Schachfahrten und -freizeiten. Auch hier kam es zu sexuellen Übergriffen auf Kinder. Auch hier musste ein 10-jähriger Junge mehrfach den Genitalbereich des Pfarrers berühren.

Bistum Hildesheim bietet Betroffenen Hilfe an


„Die Ergebnisse des Berichts sind verstörend und machen mich sehr betroffen. Kinder haben durch einen Geistlichen unseres Bistums sexualisierte Gewalt erlitten. Wir möchten allen Betroffenen unsere Hilfe und Unterstützung anbieten. Deshalb ermutige ich die Betroffenen, die unabhängigen Ansprechpersonen im Bistum zu kontaktieren”, sagt Generalvikar Martin Wilk in einem Bericht auf der Homepage des Bistums Hildesheim.

Für Betroffene von sexualisierter Gewalt gebe es im Bistum Hildesheim professionelle Ansprechpersonen, die von der Kirche unabhängig sind. Die Kontaktdaten dieser vier Fachleute seien unter www.bistum-hildesheim.de/missbrauch zu finden. Der Beraterstab in Fragen sexualisierter Gewalt sei telefonisch (05121-17 48 266) und per E-Mail erreichbar (beraterstab@bistum-hildesheim.de).


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