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Multimediales Erinnern und Trauern in der JVA-Gedenkstätte



Wolfenbüttel

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Multimediales Erinnern und Trauern in der JVA-Gedenkstätte

von Max Förster


Dr. Jens-Christian Wagner, Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten und Leiterin der Gedenkstätte Martina Staats probieren die multimedialen Touchscreens aus. Fotos/Video: Max Förster

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Wolfenbüttel. Die Gedenkstätte der JVA ist um einen Ort des Erinnerns und Trauerns reicher. In einem feierlichen Rahmen wurden die neuen Räumlichkeiten der Gedenkstätte am Donnerstag der Öffentlichkeit präsentiert.

Zum einen wurde die ehemalige Hinrichtungsstätte im Erdgeschoss der Justizvollzugsanstalt, in dem über 500 Menschen ihr Leben lassen mussten, als Großexponat und Gedenkort umgebaut. Hiermit sei erstmalig das komplette Erdgeschoss zugänglich und "öffnet den Besuchern bestimmte historische Zeitfenster", erklärt Gedenkstättenleiterin Martina Staats. Zum anderen wurden die Räumlichkeiten der ehemaligen Gemeinschaftszellen, in denen sich bisher die Dauerausstellung befand, umgebaut. Hier könne ab sofort "Bildungsarbeit anhand multimedialer Tische" stattfinden. Per Touchscreen können sich die Besucher ganz individuell durch die Geschichte führen lassen, die von der Historie des Strafgefängnisses über Themen, wie Justiz oder Strafvollzug, bis hin zur Todesstrafe erzählt. Insgesamt rund 1,2 Millionen hat man in die Herrichtung der neuen Räumlichkeiten investiert, um den Ort zu einer nationalen Gedenkstätte auszubauen, verrät die Leiterin. Was es noch zu bestaunen gibt, erklärt Martina Staats in dem nachfolgenden Podcast:


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Ziel der Neugestaltung




Die Tatorte und die Täterschaft waren vielseitig und die Opfer all diejenigen, die nicht in das Schema passten, erklärte Dr. Jens-Christian Wagner, Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, "und das nicht nur bis 1945, sondern auch danach." Auch in den 50er seien Homosexuelle und Menschen anti-kommunistischer Haltung aufgrund der abweichenden politischen Richtung in Wolfenbüttel inhaftiert worden, so Wagner. Ziel der Neugestaltung soll es nun sein, den Besuchern ein handlungsorientiertes historisches Bewusstsein zu vermitteln, sagt Wagner. So habe man sorgfältig und differenziert die schlimmen Ereignisse im Strafvollzug herausgearbeitet, um den Menschen den Zugang zur Geschichte zu ermöglichen.  2018 soll dann das neue Dokumentationszentrum mit einer Dauerausstellung und Multifunktionsräumen errichtet werden.

Kultusministerin eröffnete die neuen Räumlichkeiten


Die Kultusministerin Frauke Heiligenstadt übernahm die feierliche Eröffnung der neuen Räumlichkeiten und brachte ihre Freude über das zurzeit  größte, vom Land Niedersachsen geförderte Neugestaltungsprojekt einer Gedenkstätte zum Ausdruck. Mehr als 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg hätten Gedenkstätten als Erinnerungs- und Lernorte weiterhin eine wichtige gesellschaftliche Relevanz, so Heiligenstadt.


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