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Muss die Marketingstrategie der Stadt erweitert werden?

von Alexander Dontscheff


Sprechen die Maskottchen nicht die richtige Zielgruppe an? Foto: Alexander Dontscheff
Sprechen die Maskottchen nicht die richtige Zielgruppe an? Foto: Alexander Dontscheff Foto: Alexander Dontscheff

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05.04.2018

Wolfenbüttel. Im Rahmen des Jahresempfangs der Stadt wurde Anfang März die von der Werbeagentur Marc Angerstein Media GmbH erarbeitete Marketingstrategie vorgestellt. Der FDP-Ratsfraktion geht diese nicht weit genug. Im Ausschuss für Kultur, Tourismus und Städtepartnerschaften am 12. April soll deshalb noch einmal über das Thema diskutiert werden.


Insbesondere die im Tourismuskonzept identifizierte Zielgruppe der "Liberal-Intellektuellen" werde nicht angesprochen, so die Fraktion.

Die FDP habe sich gefragt, an welchen Adressatenkreis sich die Marketingkampagne richte und wie sie insgesamt ausgerichtet sei. "In Teilbereichen erscheint sie uns gelungen, zum Beispiel mit dem Comic über die Stadt Wolfenbüttel, der nicht zuletzt jüngere Menschen für die Stadtgeschichte Wolfenbüttel interessieren kann", so die FDP-Fraktion. Die Idee des grünen Sofas und der Slogan „Endlich zuhause“ ziele speziell auf Wolfenbütteler Bürger, die sich im „Wohnzimmer der Region“ zuhause fühlen sollen, weniger auf auswärtige Besucher, die Wolfenbüttel einen Kurzbesuch abstatten. Um diese sollte es aber nach Ansicht der Liberalen vor allem gehen.

Das im vergangenen Jahr verabschiedete Tourismuskonzept habe als Zielgruppe auswärtiger Besucher das Milieu der Liberal-Intellektuellen ausgemacht. Die Identität Wolfenbüttels biete großes Potenzial, die Wünsche der Zielgruppe zu befriedigen. Das Liberal-Intellektuelle Milieu habe Ausstrahleffekte in mehrere Richtungen, das heißt mit einer präzisen Ansprache und Produktgestaltung in Richtung dieser Gäste würden automatisch weitere Personenkreise erreicht (rund 30 Prozent der deutschen Bevölkerung).

"Speziell auf Kinder ausgerichtete Werbung"


"An dieser Zielgruppe läuft unsere derzeitige Strategie mit ihrer Comicsprache völlig vorbei", bemängelt die FDP. Man glaube auch nicht, dass Lessing, Raabe, Busch, Breymann und Casanova diese Menschen in Form plüschiger Puppentheaterfiguren, die dann auch noch als Live-Act auftreten, erreichen werden. "Kann eine speziell auf Kinder ausgerichtete Werbung wie mit Wölfchen und Büttelchen für den Weihnachtsmarkt auf die gesamte Tourismuskampagne übertragen werden? Ist die gewählte Design- und Schriftsprache einer liberal-intellektuellen Zielgruppe adäquat?", zweifelt die Fraktion.

Die im Tourismuskonzept definierte Zielgruppe sei eher durch das hochwertige kulturelle Profil der Stadt anzusprechen (Theaterangebote verbunden mit Besuchen der Museen, der HAB, den Kirchen) sowie durch SPA-Angebote und eine höherwertige Gastronomie, die entsprechend auch in ein visuelles, modernes Gewand gekleidet sein sollte.

"Theater, Schloss, HABnur Kulisse"


Bei der laufenden Kampagne unter dem Motto „900 Jahre Wolfenbüttel, Das Wohnzimmer der Region“ wirkten Theater, Schloss, HAB als Kulisse und nicht als Spiritus Rector. Die Werbung könnte dagegen lauten: "Entdecken Sie eine 900 Jahre alte Stadt, in der Lessing, Leibniz, Raabe, Wilhelm Busch gewirkt haben und Casanova seine glücklichste Zeit verbracht hat, eine Stadt, die Geschichte lebt und Zukunft gestaltet." Die Marketingstrategie sollte dementsprechend überarbeitet und ergänzt werden.


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