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Nach Braunschweig: Polizei findet auch radioaktive Stoffe in Gifhorner Wohnhaus



Braunschweig | Gifhorn

Nach Braunschweig: Polizei findet auch radioaktive Stoffe in Gifhorner Wohnhaus

Der Mann hatte die Chemikalien nicht nur in seiner eigenen Wohnung gelagert.

von Anke Donner


Symbolfoto
Symbolfoto Foto: Alexander Panknin

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Braunschweig/Gifhorn. In der vergangenen Woche wurden bei der Durchsuchung einer Wohnung in Braunschweig mehrere Chemikalien gefunden, die zur weiteren Untersuchung an den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) gegeben worden. Wie spätere Ermittlungen ergaben, handelte es sich dabei um radioaktive Stoffe. Wie sich nun herausstellte, wurden die gefährlichen Stoffe jedoch nicht nur in Braunschweig gefunden. Auch in Wahrenholz, im Landkreis Gifhorn, wurde die Polizei fündig.



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Vor knapp zwei Wochen drohte ein 43-jähriger Mann damit, seine Vorgesetzten zu töten. Grund war eine drohende Kündigung. Bei der anschließenden Durchsuchung seiner Wohnung wurden Waffen und Chemikalien gefunden. Wie die Polizei und das Niedersächsische Umweltministerium später berichten, handelt es sich dabei um radioaktive Stoffe, die zu Teilen aus einem Diebstahl vor 15 Jahren stammen. Zwei Fläschchen eines Radionuklids wurden 2006 von einer Eckert & Ziegler-Vorgängerfirma als vermisst gemeldet. Damals war sogar der Verfassungsschutz eingeschaltet worden.

Durchsuchung in Wahrenholz



Wie die Staatsanwaltschaft Braunschweig auf Nachfrage berichtet, war nicht nur die Wohnung des Mannes in Braunschweig durchsucht worden, sondern auch ein Wohnhaus in Wahrenholz im Landkreis Gifhorn. "Bei diesem Objekt handelt es sich um ein Wohnhaus, zu dem der Beschuldigte familiär Zugang hatte", sagt Staatsanwalt Hans-Christian Wolters und erklärt, dass man derzeit keine weiteren Angaben zum Ermittlungsstand machen werde. Zudem betont Wolters, dass die Ermittlungen seit letzter Woche nicht mehr von der Braunschweiger Polizei, sondern vom Landeskriminalamt durchgeführt werden, weil dort eine Spezialzuständigkeit für Straftaten im Zusammenhang mit radioaktiven Stoffen bestehe.

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Bei den Durchsuchungen wurden vom NLWKN unter anderem potentiell kontaminierte Gegenstände geborgen. Dabei handelt es sich um zwei Eppendorf-Pipetten und eine Zange. Von diesen Gegenständen sei keine Gefahr ausgegangen. Außerdem wurden besagte Stoffe aus dem vermeintlichen Diebstahl gefunden - zwei Fläschchen mit je zirka 14 Milliliter Nickel-63-Lösung in Salzsäure.


Welche Gegenstände wo genau gefunden wurden, bleibt also offen. Es sei aber keine Gefahr von den Gegenständen ausgegangen, versichert Christian Budde, Pressesprecher des Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz, im Gespräch mit regionalHeute.de. Dennoch handele es sich dabei um Stoffe, die mit besonderer Vorsicht und Sorgfalt behandelt und untersucht werden müssten, so Budde.

Das Nickel-63 wurde von den Ermittlern am Freitag vergraben in oder an einem der durchsuchten Objekte gefunden. Die Flaschen hätten sich in verschlossenen Behältnissen befunden und seien nicht beschädigt gewesen. Sie wurden zur Untersuchung an das NLWKN gegeben. Ebenso etwa zehn Liter potentiell kontaminierte Erde, die bei den Ausgrabungen abgetragen wurde.

BIBS fordert Antworten


Der Vorfall soll nun auch in der kommenden Ratssitzung in Braunschweig thematisiert werden. Denn die BIBS ist der Auffassung, dass für die Braunschweiger - und möglicherweise darüber hinaus - eine erhebliche Gefährdung bestand, oder auch noch bestehe. Als kritisch sieht es die BIBS laut Antrag an, dass besagter Mitarbeiter mehr als ein Jahrzehnt im Unternehmen beschäftigt gewesen sei, ohne dass seine, nun in Morddrohungen mündende, Gefährlichkeit erkannt wurde.

Für die konstituierende Sitzung am 11. November hat die BIBS-Fraktion daher einen entsprechenden Antrag vorbereitet und eingereicht. Damit soll die Verwaltung in die Pflicht genommen werden, für weitere Aufklärung in dem Fall zu sorgen. So fordert die Bürgerinitiative Braunschweig dazu auf, eine Klärung zu veranlassen, ob der Mitarbeiter Material an weitere Menschen verteilt hat.

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Weiter will die BIBS bewirken, dass nach kompletter und schnellstmöglicher Aufklärung des Falles seitens der Stadt ein Bericht über den Vorfall eingefordert und veröffentlicht wird. Da die Stoffe an unterschiedlichen Orten gelagert und zum Teil vergraben waren, halte es die BIBS für fraglich, ob alle entwendeten Nuklide bereits gefunden wurden. Daher wird die Verwaltung außerdem aufgefordert, sich für die lückenlose, unabhängige Überprüfung aller vorhandenen Inventaraufzeichnungen beziehungsweise Aktivitätsbilanzen einzusetzen, um eventuelle weitere ungeklärte Abgänge radioaktiven Materials auszuschließen. Weiter fordert die Fraktion, dass sich die Stadtverwaltung für eine unabhängige und gründliche Überprüfung sämtlicher Sicherheitsvorkehrungen bei der Firma Eckert & Ziegler und deren tatsächlicher Umsetzung einsetzt. Dazu gehöre, nach Auffassung der BIBS, auch der Umgang mit den Mitarbeitern.


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