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Nach Todesfällen: Sind Asylbewerber häufiger Nichtschwimmer?



Helmstedt

Nach Todesfällen: Sind Asylbewerber häufiger Nichtschwimmer?

von Alexander Dontscheff


Die Zahl der Nichtschwimmer steigt allgemein. Symbolfoto: pixabay
Die Zahl der Nichtschwimmer steigt allgemein. Symbolfoto: pixabay Foto: Pixabay

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Helmstedt. Kürzlich ertrank im Salzgittersee ein 20-jähriger Afghane. Im vergangenen Jahr kam ein gleich altriger Asylbewerber am Bernsteinsee ums Leben. regionalHeute.de ging der Frage nach, ob der Anteil der Nichtschwimmer in dieser Personengruppe besonders hoch ist, ob den Kommunen dieses Problem bewusst ist und ob es entsprechende Maßnahmen gibt.



Wie Ilona Stolpmann, zuständig für Integrationsangelegenheiten im Landkreis Helmstedt, betont, handelt es sich bei den Bädern im Landkreis Helmstedt (bis auf eine kleine Schwimmhalle) um Einrichtungen der kreisangehörigen Kommunen, unterstützt von Fördervereinen und den jeweiligen Ortsgruppen der DLRG. Es gebe daher teilweise unterschiedliche Erfahrungen und Handlungsweisen.

Statistische Erhebungen über die Anzahl der Nichtschwimmer unter den Asylbewerbern gebe es nicht. Erfahrungswerte lägen allerdings bei der DLRG vor. So spricht die Ortsgruppe Schöningen davon, dass erfahrungsgemäß etwa die Hälfte der geflüchteten Menschen nicht ausreichend schwimmfähig seien. Selbstverständlich gebe es je nach Herkunftsland unterschiedliche Kenntnisse. Weiterhin spielten auch das Geschlecht, die regionale Herkunft sowie die persönlichen Interessen eine wesentliche Rolle. Genaue Zahlen seien nur sehr schwer zu erfassen, da es in anderen Ländern oftmals keine Leistungsnachweise wieetwa die Schwimmabzeichen gebe. Oftmals gingen solche Dokumente auf der Flucht zusätzlich verloren oder würden einbehalten.

80 Prozent Nichtschwimmer?


In der DLRG Ortsgruppe Königslutter geht man von einer noch größeren Nichtschwimmerquote aus: "Wir würden aus Beobachtungen heraus sagen, dasszirka 80Prozent Nichtschwimmer sind." Die DLRG Ortsgruppen Helmstedt, Königslutter, Neu-Büddenstedt und Schöningen hätten im September 2016 einen Informationstag für Asylbewerber durchgeführt, woetwa 60 Asylbewerber über die Gefahren am und im Wasser, sowie über das Verhalten im Schwimmbad aufgeklärt worden seien. Gleichfalls habeman mit ihnen auch einen ersten Test bezüglich der Schwimmfähigkeit gemacht. "Hier zeigte sich deutlich, dass sich die Teilnehmerbezüglich ihrer Schwimmfähigkeit überschätzt haben und die Gefahren unterschätzt haben", so der DLRG.


Die Baderegeln auf Afghanisch. Foto: DLRG


Verschiedene Informationsmöglichkeiten



Die DLRG biete verschiedene Informationsmöglichkeiten. So stünden die Baderegeln in zahlreichen verschiedenen Sprachen zum Download unter https://www.dlrg.de/informieren/regeln/download-uebersetzungen.html zur Verfügung. Zusätzlich biete dieOrtsgruppe Schöningen an, bei Bedarf die Flüchtlingsunterkünfte sowie die Flüchtlingsinitiativen vor Ort zu besuchen und zu unterstützen. Hierbei verfügeman über eine geeignete Power-Point Präsentation sowie über Filmmaterial zur Aufklärung zu Gefahren im und am Gewässer.

In einigen Bädern im Landkreis Helmstedt liegen die Baderegeln mehrsprachigund in Piktogrammen aus und die Schwimmaufsichten seien für das Thema Flüchtlinge/Asylbewerber und aus Sprachschwierigkeiten möglicherweise resultierende Sicherheitsprobleme sensibilisiert. Sie greifen notfalls unterstützendbeziehungsweise erläuternd ein.

Über die Internetdarstellung des Landkreises gelange man über das Thema Flüchtlinge und Integration ebenfalls zu den Baderegeln der DLRG.

Keine besonderen Schwimmkurse


"Besondere Schwimmkurse für Asylbewerber gibt es im Landkreis Helmstedt derzeit nicht", berichtet Ilona Stolpmann. Allgemein gebe es für alle Kinder der Samtgemeinde Grasleben im Rahmen des Ferienpasses ein kostenfreies Schwimmkursangebot in Zusammenarbeit mit dem Kreissportbund begrenzt auf 20 Teilnehmer, dass auch von Asylbewerberkindern genutzt werden könne.

In den Helmstedter Bädern (Waldbad Birkerteich, Juliusbad) gebe es derzeit ebenfalls keine besonderen Schwimmkurse für Asylbewewerber. Die Einrichtung wäre bei Bedarf allerdings durch die Bäder- und Dienstleistungsgesellschaft Helmstedt möglich.

Fehlt die Bereitschaft?


Eine Bereitschaft beziehungsweise die Notwendigkeit schwimmen zu können,sei bei den meisten älteren Asylbewerbern nicht zu erkennen. Durch die Schulen werde jedoch ein gewisser Druck aufgebaut, der das Interesse der schulpflichtigen Kinder deutlich mehr wecke. Daraus habe sich eine Kooperation zwischen dem GaBö, der DLRGOrtsgruppeHelmstedt und dem KSB entwickelt. Bei dieser Kooperation gehe es darum, interessierten Schülern der Klassenfünf biszwölf Schwimmunterricht zu erteilen. Dies tue die Ortsgruppenun seit einem Jahr mit Erfolg. Es zeichne sich aber schon jetzt ab, dass diese Kooperation nicht zu einer dauerhaften Einrichtung werde, da nicht genug interessierte Schüler vorhanden seien. Essei jedoch geplant, bei Bedarf schnell zu reagieren und weiter Kurse anzubieten.

Für Kinder unterzehn Jahren würden permanent Schwimmkurse angeboten, in denen Kinder aller Nationalitäten zusammen unterrichtet werden.

Zu wenig Badzeiten


Auch in der DLRG OrtsgruppeSchöningen gibt es keine speziellen Schwimmkurse für Geflüchtete. Jedochsei es selbstverständlich möglich, bei Bedarf oder einer eingehenden Anfrage entsprechende Schwimmkurse und weitere Angebote anzubieten. So werde zum Beispiel auch mit speziellen Kursen für die Feuerwehren, Polizei und Schulen verfahren. Denkbarsei auch der Erwerb von Schwimmabzeichen während des regulären Trainingsbetriebes - hierfürsei beispielsweise aus versicherungstechnischen Gründen eine Mitgliedschaft in der DLRG nötig.

Voraussetzung zur Durchführung von individuellen Gruppenangebotenseien jedoch insbesondere verfügbare Badzeiten - dies stelle generell die größte Hürde dar, und die Kommunenseien entsprechend besonders gefordert, diese Badzeiten schnell und unkompliziert zur Verfügung zu stellen.

Motivation nur bis zum "Seepferdchen"


Die DLRGOrtsgruppe Königlutter bietet Schwimmkurse an, die für jeden offen sind. Dabei seien die Kinder kein Problem, da diese sich gut integrieren und entsprechend an den üblichen Kursen teilnehmen könnten.Speziell für jugendliche Asylbewerber würden montagabends von Oktoberbis Mai Schwimmkurse angeboten. Das Angebot werde nur bis zu einergeringen Sicherheit beim Schwimmen gut angenommen("Seepferdchen"). Ein sicherer Schwimmer seifrühestens mit dem Erwerb des Jugendschwimmabzeichens Bronze gegeben, aber dafür reiche die Motivation meist nicht.

Erwachsene Asylbewerber könnten gleichfalls beim Erwachsenen-Anfängerschwimmen teilnehmen, das auch montagabends stattfinde. Hiersei der Anteil der Teilnehmer sehr gering.

Seitens der DLRG gab es 2016bis Anfang 2017 viele Sonderkurse für Asylbewerber. Diessei aber jetzt nicht mehr der Fall, da mehr auf Integration gesetzt werde. Hier könne man aber auch die speziellen Kurse zum Beispiel für muslimische Frauen und Mädchen aufführen, die von der DLRG Wolfsburg oder der DLRG Neu Büddenstedt angeboten werden. Diese seien abernicht auf Asylbewerber begrenzt.

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