Sie sind hier: Region >

Nass-kaltes Frühjahr: Wird 2021 ein extremes Zeckenjahr?



Nass-kaltes Frühjahr: Wird 2021 ein extremes Zeckenjahr?

Der kalte April und der nasse Mai seien das perfekte Wetter für die Parasiten gewesen.

Die kleinen Blutsauger sind auch in unseren Wäldern heimisch. Archivbild.
Die kleinen Blutsauger sind auch in unseren Wäldern heimisch. Archivbild. Foto: Thorsten Raedlein

Niedersachsen. Vor allem Haustierbesitzer werden es kennen: Sobald die Tage wärmer werden, lassen auch die ersten Zecken, vorzugsweise im Fell des vierbeinigen Begleiters, nicht lange auf sich warten. Nach zwei vergleichsweise warmen Jahren stellt sich nun, nach einem kalten April und einem nassen Mai die Frage, welche Auswirkungen das Klima auf die Zeckenpopulation in Niedersachsen hat, denn dies sei nach Aussage von Dr. Masyar Monazahian, Experte des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes das perfekte Wetter für Zecken gewesen. Doch nicht alle Arten freuten sich darüber, wie das Landesgesundheitsamt in seinem Newseletter berichtet.



„Es könnte ein extremes Zeckenjahr werden“, warnt Dr. Monazahian. Der Parasitologe beschreibt die perfekte Umgebung für Zecken als feucht und warm. Auch wenn der April vergleichsweise kalt war, würden Zecken schon bei 6 bis 8 Grad Celsius aktiv werden, also bei Temperaturen, die auch der kühle April geboten habe. Und auch der nasse Mai entspreche der Wohlfühlumgebung der hiesigen Zeckenarten. Doch um Vermutungen über das Zeckenaufkommen anzustellen, müssten auch andere Faktoren betrachtet werden. „Zuletzt hatten wir verhältnismäßig milde Winter. Potenziellen Wirten wie beispielsweise Mäusen kommt das entgegen, wodurch Zecken eine große Anzahl von Tieren für ihre Blutmahlzeit vorfinden. Suchen Zecken bereits früher nach Wirten, die sie stechen können, steigt auch das Risiko für Menschen früher im Jahr an Erregern zu erkranken, die durch Zecken übertragen werden“ so Dr. Monazahian.

Krankheiten werden häufiger übertragen


Dass die Zeckenpopulation insgesamt nicht nur zugenommen habe, sondern auch immer öfter die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) überträgt, habe sich bereits in den letzten Jahren gezeigt. Laut RKI seien im Jahr 2020 mehr als 700 Menschen nach einem Zeckenstich an FSME erkrankt - so viele wie noch nie seit Beginn der IfSG-Datenerfassung im Jahr 2001. Personen, die in einem Risikogebiet leben, sollten sich daher gegen das Virus impfen lassen. Auch die veränderte Freizeitgestaltung der Menschen im Corona-Jahr könne den Anstieg bedingt haben.



Seit dem Jahr 2018 breite sich zudem die tropische Zeckenart Hyalomma aus. Die ursprünglich in Afrika, Asien und Südeuropa beheimatete Art sei vermutlich durch Zugvögel eingeschleppt worden. Zwar übertrage sie kein FSME, jedoch andere Krankheitserreger. Das nass-kalte Wetter sollte dieser Zeckenart jedoch missfallen haben, da sie an warme Temperaturen und Trockenheit gewöhnt ist.


zum Newsfeed