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Neue Initiative gegen die Folgen von Kinderarmut



Braunschweig

Neue Initiative gegen die Folgen von Kinderarmut


Die Folgen von Kinderarmut können künftig in Braunschweig umfassender bekämpft werden als bisher. Foto: Stadt Braunschweig
Die Folgen von Kinderarmut können künftig in Braunschweig umfassender bekämpft werden als bisher. Foto: Stadt Braunschweig Foto: Stadt Braunschweig

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Braunschweig. Die Folgen von Kinderarmut können künftig in Braunschweig umfassender bekämpft werden als bisher. Neben der direkten materiellen Unterstützung, die im zu Ende gehenden Jahr verdoppelt wurde, wird das Augenmerk stärker darauf gerichtet, die sozialen und psychischen Belastungen abzufedern, denen Mädchen und Jungen aus armen Familien ausgesetzt sind und die ihnen den Start ins Leben erschweren. Dazu hat der Beirat Kinderarmut gemeinsam mit Schulen und Kitas das Konzept „Starke Kinder in Braunschweig“ entwickelt, das jetzt umgesetzt und mit einem „Fachtag Resilienz“ am Donnerstag, 3. Dezember, eröffnet wird.

Möglich wurde diese erhebliche Ausweitung im Wesentlichen durch die Spende von einer Million Euro, die der Braunschweiger Unternehmer Friedrich Knapp vor einem Jahr dem Braunschweiger Fonds für Kinder und Jugendliche zur Verfügung gestellt hatte. „Für diese Unterstützung und dieses große bürgerschaftliche Engagement möchte ich Herrn Knapp auch im Namen aller Braunschweiger Kinder und Jugendlichen noch einmal ganz herzlich danken“, sagte Sozialdezernentin Dr. Andrea Hanke bei der Vorstellung des neuen Konzepts. Nach wie vor geht es darum, Kinder und Jugendlichen schnell und unbürokratisch zu helfen, wenn ihnen kulturelle und soziale Teilhabe an Aktivitäten von Kindergärten und Schulen versperrt zu bleiben drohen, weil ihren Eltern das Geld dazu fehlt: eine Schultheatervorstellung, eine Klassenfahrt in den Zoo, ein Besuch im Museum und vieles mehr. Rund 5000 Kindern und Jugendlichen kommt diese Unterstützung zugute. Noch im Dezember 2014 entschied der Beirat Kinderarmut, das Budget für Kindertagesstätten und Schulen zunächst für fünf Jahre zu verdoppeln. Das ergibt einen finanziellen Mehrbedarf von insgesamt rund 250.000 Euro.


„Wie gelingt es aber über die materielle Hilfe hinaus, Kinder in Armutslagen ebenso behutsam wie effektiv und nachhaltig zu stärken und ihnen erfolgreiche Wege zu mehr Bildungschancen zu eröffnen? Darauf wollen wir mit dem Konzept ‚Starke Kinder in Braunschweig‘ eine Antwort geben“, sagt Stadträtin Dr. Hanke. Mit Programmen der Selbstwertstärkung und des Sozialen Lernens sollen betroffene Kinder und Jugendliche für einen guten Start ins Leben vorbereitet und begleitet werden.

Zwei Maßnahmen in den beiden großen Sozialisationsfeldern Kinderbetreuung und Schule sind vorgesehen: Den zehn Kindertagesstätten in Stadtteilen mit besonderem Entwicklungsbedarf, die seit 2012 als Familienzentren gefördert werden, sowie zehn weiteren ausgewählten Kitas wird angeboten, das Unterstützungs- und Bildungsprogramm „Early Excellence“ einzuführen. In Großbritannien entwickelt, werden „Early Excellence Center“ (EEC) seit Jahren auch in Deutschland erfolgreich etabliert. Die nachhaltigen Effekte des EEC-Ansatzes für Kinder in Bereichen wie Sozialkompetenz, Eigenständigkeit, Selbstbewusstsein und Motivation – sind hinreichend evaluiert. Das Konzept fußt auf den drei Säulen:


1. Jedes Kind ist einzigartig und verdient exzellente , individuelle Förderung

2. Eltern sind die Experten ihrer Kindern und werden in die Bildungsprozesse einbezogen

3. Einrichtungen öffnen und vernetzen sich in das lokale Umfeld, Kindertagesstätten werden zu Familienzentren

Einführung, Begleitung der Implementierung des „Early Excellence“-Ansatzes innerhalb des gesamten Teams einer Einrichtung einschließlich einer Ausstattung mit notwendigem technischem Equipment für einen Prozesszeitraum von drei bis fünf Jahren kosten jeweils ca. 25.000 Euro, insgesamt also rund 500.000 Euro. In Schulen sollen die Bildungschancen für Kinder in prekären Lebenslagen durch Selbstwertstärkung und Resilienzförderung gestärkt werden („Resilienz“ oder psychische Widerstandsfähigkeit ist die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen für die eigene Entwicklung zu nutzen). Dazu wird jeder Schule die Teilnahme am Programm „Starke Kinder in der Schule: Soziales Lernen – Erhöhung von Bildungschancen für Kinder und Jugendliche in prekären Lebenslagen“ angeboten. Die Teilnahme ist freiwillig, das Projekt dauert etwa vier Jahre. Ziel ist, eine Schulkultur der Achtsamkeit zu unterstützen, von der gerade von Armut betroffene Kinder und Jugendliche profitieren. Veranschlagte Kosten hierfür: rund 250.000 Euro.

Den Auftakt zur Umsetzung macht ein „Fachtag Resilienz – Kinder stärken!“ am morgigen Donnerstag, 3. Dezember. Einführen in das Thema wird die bekannte Resilienzforscherin Prof. Dr. Margherita Zander von der FH Münster. Die Gestaltung erfolgreicher Bildungsentwicklung von Kindern stellt Dr. Michael Lichtblau von der Leibniz Universität Hannover dar. Im Anschluss werden die für Braunschweig entwickelten Perspektiven der Resilienzförderung für den beiden großen Sozialisationsfeldern Kinderbetreuung und Schule vorgestellt. "Ziel ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, um den Folgen von Kinderarmut langfristig und nachhaltig vorzubeugen - mit Programmen der Selbstwertstärkung und des Sozialen Lernens, die die betroffenen Kinder und Jugendlichen in ihrer Persönlichkeit stärken, damit sie widerstandsfähiger werden und ihre prekäre Lebenssituation besser bewältigen können", macht Roswitha Goydke vom Deutschen Kinderschutzbund als Vertreterin des Beirates Kinderarmut deutlich.

„Solange sich das Problem Kinderarmut nicht grundlegend entspannt, sind junge Menschen, die schwächsten Glieder unserer Gesellschaft, weiterhin auf unsere Hilfe und Unterstützung angewiesen – mit dem Ziel, sie zu starken Gliedern der Gesellschaft zu machen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen können“, hob Sozialdezernentin Dr. Andrea Hanke hervor. „Bei allen Herausforderungen, die wir in diesen Zeiten zu bestehen haben, dürfen wir das Problem Kinderarmut nicht aus den Augen verlieren.“
Dies unterstrich Propst i. R. Armin Kraft, der im Auftrag des Oberbürgermeisters die Spendenakquise für den Braunschweiger Fonds für Kinder und Jugendliche unterstützt und in diesem Jahr allein an seinem Geburtstag 15.000 Euro für den Fonds eingeworben hat. Insgesamt wurden für den Fonds in diesem Jahr bereits 112.136 Euro (Stand Oktober) gespendet. Kraft wies darauf hin, dass die Zahl der von Armut betroffenen Kinder in Braunschweig nicht rückläufig ist. „Umso mehr sind die nachhaltigen Projekte zu begrüßen, die jetzt anlaufen können.“ Allerdings sei auch immer wieder schnelle finanzielle Hilfe im Einzelfall notwendig, hob Kraft hervor, und appellierte an die weitere Unterstützungsbereitschaft der Braunschweigerinnen und Braunschweiger. „Auch in diesem Jahr sollten Weihnachtsfeiern ein willkommener Anlass sein, an die jungen Menschen zu denken, denen wir helfen müssen.“

Spendenkonto: Stadt Braunschweig, Stichwort „Kinderarmut“, Braunschweigische Landessparkasse, IBAN: DE 76 2505 0000 0199 9199 94; BIC: NOLADE2HXXX.


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