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Salzgitter: "Nicht meine Hühner" - Gegenüberstellung nach Tierquälerei



Salzgitter

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"Nicht meine Hühner" - Gegenüberstellung nach Tierquälerei

Seit über drei Monaten ermitteln die Behörden in dem Fall. Und greifen zu ungewöhnlichen Mitteln.

von Anke Donner und Rudolf Karliczek


Die Hühner wurden in letzter Sekunde gerettet. Foto: Tierschutzverein Salzgitter und Umgebung e.V. / Video: Rudolf Karliczek

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Salzgitter. Im Juli wurden in Salzgitter an zwei Tagen in der Erikastraße und in der Hedwigstraße lebendige Hühner gefunden, die in verschnürten Säcken dem Tode geweiht waren. Zwei der Hühner haben nicht überlebt. Der Fall löste große Bestürzung und Entsetzen aus und rief nun auch die Strafverfolgungsbehörden auf den Plan. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen des möglichen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Dazu ist den Behörden jedes Mittel recht. Auch eine Gegenüberstellung von Mensch und Tier.



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Einen solchen Fall, in dem die Behörden wegen gequälten Hühnern so intensiv ermitteln, sei ihm auch noch nicht untergekommen, berichtet Erster Staatsanwalt Hans-Christian Wolters. Doch auch in diesem Fall müsse man ermitteln, da es sich um mögliche Tierquälerei handele. Dabei spiele es keine Rolle, um was für Tiere es sich handelt. "Die Strafverfolgungsbehörden sind gezwungen, allen Straftaten nachzugehen. Und das machen wir natürlich mit dem Notwendigen", so Wolters. Es handelt sich um einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. "Da kann man ja nicht einfach ein Auge zudrücken und sagen, ach, was kümmern uns diese armen Hühner."



Es hat sogar eine Gegenüberstellung mit dem ehemaligen Besitzer und den Tieren stattgefunden.
Es hat sogar eine Gegenüberstellung mit dem ehemaligen Besitzer und den Tieren stattgefunden. Foto: Rudolf Karliczek


Gegenüberstellung mit Hühnern und Besitzer


Bei der Ermittlung des Täters lassen Polizei und Staatsanwaltschaft nichts unversucht, und so setzte sich in den vergangenen Wochen eine unglaubliche Maschinerie in Gang. So hat es erst vor wenigen Tagen eine Gegenüberstellung mit den Opfern und dem ursprünglichen Besitzer gegeben, der die Tiere verkauft hatte. Dabei wurde sogar ein Dolmetscher hinzugezogen, berichtet Wolters. Die erhofften Ergebnisse konnten aus dieser Aktion allerdings nicht gewonnen werden. Der von der Staatsanwaltschaft ermittelte Erstbesitzer hatte angegeben, dass es sich bei den vorgeführten Hühnern nicht um seine handele. "Der 59-jährige Beschuldigte, der die Hühner gekauft hat, hat uns gegenüber erklärt er hätte die Hühner weiterverschenkt. Die Angaben erscheinen relativ unglaubhaft. Allerdings sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen", so Wolters.


Hühner erholen sich von Strapazen


Die sieben Hühner, die überlebt haben, sind nun auf dem Hof von Helmut Stolze untergebracht. Dort wurden sie aufgepäppelt. Den Tieren ginge es soweit wieder ganz gut, sie würden sogar ab und an Eier legen, erzählt Stolze. Er war es auch, der die Hühner zur Gegenüberstellung ins Tierheim gebracht hat. Der Grund dafür erschließt sich ihm allerdings nicht so ganz. "Wahrscheinlich sollte das Huhn den Mann erkennen, oder der Mann das Huhn."

Bleibt der Fall ungeklärt?


Drei Monate sind seit dem Auffinden der Hühner vergangen. Seitdem wird auch ermittelt. Gut Ding will Weile haben, sagt Wolters. Die Ermittlungen, woher die Hühner überhaupt stammen, würden eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. So musste ja beispielsweise erst der Besitzer ermittelt und gesprochen werden. Gleiches gilt für den Käufer, der auch erst identifiziert werden musste. Nun werden die Ermittlungsakten noch einmal durchgeschaut und geprüft, erklärt der Staatsanwalt. "Und dann muss entschieden werden, ob hier möglicherweise eine Straftat vorliegt und wir den Schuldigen ermittelt haben, oder ob es vielleicht ungeklärt bleibt, weil die Identität der Hühner nicht zweifelsfrei geklärt werden konnte", schließt Wolters.


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