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"Ohne Unterstützung ist der Alltag kaum zu bewältigen" - Gehörlose stehen oft vor großen Problemen

Der SPD-Bürgermeisterkandidat Dennis Berger besuchte das Niedersächsische Institut für die Gesellschaft Gehörloser und Gebärdensprache. Auch in Wolfenbüttel gibt es in Sachen Inklusion noch einiges zu tun.

Dennis Berger beim Besuch im Niedersächsischen Institut für die Gesellschaft Gehörloser und Gebärdensprache.
Dennis Berger beim Besuch im Niedersächsischen Institut für die Gesellschaft Gehörloser und Gebärdensprache. Foto: privat

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20.11.2020

Wolfenbüttel. Auch ohne Corona-Masken lässt sich durch Lippenlesen nur rund 30 Prozent des Gesagten ablesen. Das erfuhr Dennis Berger, Bürgermeisterkandidat der SPD, bei einem Besuch im Niedersächsischen Institut für die Gesellschaft Gehörloser und Gebärdensprache e.V. (NIGGGS) mit der angegliederten Beratungsstelle für Angebote der ergänzenden Teilhabeberatung (EUTB) in der Wolfenbütteler Innenstadt. Im Gespräch mit dem Vorsitzenden Thomas Sodomann wurde deutlich, dass es in Wolfenbüttel in Sachen Inklusion noch einiges zu tun gibt.



Im NIGGGS finden Gehörlose und Menschen mit einer Hörbehinderung Unterstützung in Form von Gebärdenkursen und Beratungsangeboten. Alle Beraterinnen und Berater der EUTB sind selbst Betroffene oder Angehörige von Betroffenen - das ist Voraussetzung. Da die Möglichkeiten des Lippenlesens begrenzt sind, ist Kommunikation ohne Gebärdensprache nur über Umwege möglich. Doch die Zahl der Dozenten für Gebärdenkurse sei zu gering, um den Bedarf abzudecken. Auch gebe es in Niedersachsen keine Ausbildung zum Dozenten. Dem Institut fehlten die finanziellen Mittel, um die Ausbildung zum Dozenten zu realisieren, erklärten die Mitglieder des Vereins. Das Institut plane derzeit kurze Videos für Betroffene zu erstellen und diese auf der eigenen Internetseite zu veröffentlichen. Diese sollen erste Hilfestellungen bieten. Um das zu ermöglichen, sucht das Institut derzeit noch Förderer und Unterstützung. Die durch die Gebärdenkurse generierten Einnahmen werden zur Deckung der laufenden Kosten benötigt.

Gebärdendolmetscher bei Veranstaltungen wie dem Stadtgrabenfest?


Im Gespräch wurde auch thematisiert, wo in Wolfenbüttel die Inklusion bereits gut funktioniert und welche Herausforderungen es noch gibt. Beispielsweise fehlten digitale Anzeigen am Bahnhof. Aber auch Dolmetscher bei Veranstaltungen wie dem Stadtgrabenfest wären wünschenswert, um den Betroffenen mehr Teilhabe zu ermöglichen. Zu den täglichen Herausforderungen gehörten auch Theaterbesuche, Führungen in Museen, Behördengänge oder ganz einfach das Telefonieren - ohne die Hilfe eines Dolmetschers sei all das kaum zu bewältigen.

Für Dennis Berger war der Austausch sehr informativ. "Da wird einem bewusst, an wie vielen Stellen es für Personen mit Einschränkungen noch Hindernisse im Alltag gibt. Unser Ziel sollte es sein, Teilhabe umfassend zu ermöglichen. Dies bedeutet bei allem was wir tun auch an die zu denken, die sonst vergessen werden könnten."


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