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Patienten sollten Medikationsplan immer parat haben

von Alec Pein


Symbolfoto: Anke Donner
Symbolfoto: Anke Donner Foto: Anke Donner

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04.10.2016

Wolfenbüttel. Seit dem 1. Oktober kann jeder Patient, der verschiedene Medikamente zu sich nehmen muss, die Ausstellung eines sogenannten "Medikationsplanes" in Anspruch nehmen. Fehlmedikation oder unangenehme Wechselwirkungen sollen dadurch vermieden werden.


Immer wieder kommt es zu Fehlern bei der Verschreibung oder Ausgabe von Medikamenten. Die Einführung eines bundesweit einheitlichen Medikationsplanes ist eine Initiative des Bundesgesundheitsministeriums und soll Patienten die Möglichkeit geben, eine Übersicht ihrer Medikation von einem Arzt ausstellen zu lassen. Diese Übersicht hilft anderen behandelnden Ärzten, einen Überblick über eingenommene Medikamente zu erhalten sowie Doppelverordnungen und Medikationen mit Unverträglichkeiten oder Wechselwirkungen zu vermeiden.

Dr. Ulrich Heida, Oberarzt Anästhesie im Städtisches Klinikum Wolfenbüttel, erklärt auf Anfrage von regionalHeute.de welche Vorteile ein Medikationsplan bietet: "Der Medikationsplan wird von den behandelnden Ärzten erstellt, wobei Apotheker bei der Aktualisierung behilflich sein können. Dies stellt eine theoretisch lückenlose Dokumentation auch der nicht rezeptpflichtigen Medikamente, die frei verkäuflich und nicht über Ärzte verordnet werden, sicher."

Patienten müssen mitarbeiten



Eine Voraussetzung für dieses System sei jedoch die ausreichende Mitarbeit des Patienten, der den Medikationsplan bei jedem Arzt- oder Apothekenkontakt mit sich führen sollte - nur so könne sichergestellt werden, dass der Inhalt des Medikationsplans auf dem aktuellen Stand gehalten werde.
Der wesentliche Vorteil sei die eindeutige Benennung des Medikaments und der dazugehörigen Dosierung - diese Information sei aktuell leider, speziell auch im Notfall, nicht immer vorhanden.

Eine "Aufbewahrung" im Bereich der Geldbörse oder der Krankenversicherungskarte könne jedem Patienten angeraten werden. Angehörige sollten über den Aufbewahrungsort informiert sein, um im Notfall ebenfalls auf diese Informationen zugreifen zu können.

Der Medikationsplan helfe, dass Medikamente weder in der falschen Kombination noch zum falschen Zeitpunkt eingenommen werden. "Vor allem für ältere Patienten dürfte das eine Erleichterung darstellen", so Dr. Haida. Alle behandelnden Ärzte (Haus- und Fachärzte, Ärztlicher Notdienst der Kassenärztlichen Vereinigung, Rettungsdienste, Notaufnahmen der Krankenhäuser) beziehungsweise auch Apotheker können so über die aktuelle Medikation informiert werden. Möglich werde auch eine vollständige Überprüfung auf Wechsel- und unerwünschte Nebenwirkungen möglich geworden.

Klinikum prüft mögliche Wechselwirkungen per Software



Medikamente werden über gleiche chemische Prozesse im Körper abgebaut und können sich so auch gegenseitig beeinflussen, erklärt Dr. Haida. Ebenso könnten Krankheiten, speziell von Niere und Leber, die Konzentrationen und somit diese Wirkung von Arzneimitteln im Körper beeinflussen. Aus diesem Grunde habe das Klinikum Wolfenbüttel seit einiger Zeit eine spezielle Medikationssoftware im Einsatz, die diese Risiken bereits bei der ärztlichen Anordnung von Medikamenten überprüft und somit vermeidet.

Medikationsplan noch ausbaufähig



Eine vollständige Medikamentenliste bereits bei der Patientenaufnahme sei dabei allerdings die Voraussetzung eines optimalen Einsatzes dieser Software. Eine elektronische Übernahme der kompletten häuslichen Medikation über sogenannte QR-Codes wäre sinnvoll und technisch möglich - dies sei mit der aktuellen Form der Medikationspläne jedoch leider noch nicht machbar.

Patienten sollten Angebot nutzen



Dr. Haida rät: "Das Angebot der Ärzte und Apotheker sollte jeder Patient, unabhängig ob gesetzlich oder privat versichert, annehmen. Wie oben bereits beschrieben ist die jederzeitige Verfügbarkeit des Medikationsplans wichtig. Änderungen der Medikation sollten zeitnah eingepflegt werden; alte und somit nicht aktuelle Medikationspläne sollten sofort vernichtet werden."

Ausblick in die Zukunft



Ab Oktober 2016 werden den Patienten die Medikationspläne als gedrucktes Dokument ausgehändigt, ab 2018 soll der Abruf über die elektronische Gesundheitskarte ​möglich werden. Im Zuge dieser Neuerung, so Dr. Haida, sei auch der Aufbau einer zentralen Datenbank zur Dosierung von Arzneimitteln für die sogenannte Arzneimitteltherapiesicherheitsprüfung vorgesehen. "Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) soll die Zertifizierung der Praxisverwaltungssoftware um die Funktionen des Medikationsplan erweitern. Eine Implementierung des QR-Codes wäre hilfreich.", meint Dr. Haida.



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