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Paukenschlag: CDU-Stadtratsfraktion stellt sich gegen Bürgermeisterkandidat Dr. Adrian Haack



Wolfenbüttel

Paukenschlag: CDU-Stadtratsfraktion stellt sich gegen Bürgermeisterkandidat Dr. Adrian Haack

In der CDU ist wieder einmal ein Streit entfacht. Teile der Stadtratsfraktion stellen sich gegen den von der Findungskommission einstimmig vorgeschlagenen Bürgermeisterkandidaten Dr. Adrian Haack.

von Werner Heise


Unterstützt die CDU Ivica Lukanic (li.) oder schickt sie mit Dr. Adrian Haack (re.) einen eigenen Bürgermeisterkandidaten ins Rennen?
Unterstützt die CDU Ivica Lukanic (li.) oder schickt sie mit Dr. Adrian Haack (re.) einen eigenen Bürgermeisterkandidaten ins Rennen? Foto: regionalHeute.de

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Wolfenbüttel. Das ist ein wahrer Paukenschlag. Kurz vor der offiziellen Nominierung des CDU-Bürgermeisterkandidaten am heutigen Abend, gibt der Vorstand der CDU-Stadtratsfraktion bekannt, dass diese mehrheitlich nicht den laut Stadtverband einstimmig von der Findungskommission vorgeschlagenen Bewerber Dr. Adrian Haack, sondern stattdessen den parteilosen Bürgermeisterkandidaten und Stadtbaurat Ivica Lukanic unterstützt. Haack selbst stellt dies infrage und gibt an die Mehrheit der Fraktion hinter sich zu wissen.



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In ihrer Pressemitteilung greift die Stadtratsfraktion den 33-jährigen promovierten Politologen Dr. Haack direkt an und unterstellt ihm Unfähigkeit. "Jugend forscht" habe in der Kommunalpolitik nichts zu suchen, heißt es dort. Die für die Kandidatensuche gegründete Findungskommission habe keine Ergebnisse gebracht, die den Ansprüchen des Amtes gerecht werden würden.


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"Wolfenbüttel hat zirka 53.000 Einwohner und zehn extrem erfolgreiche Haushaltsjahre hinter sich. Seit 11 Jahren werden Haushaltsüberschüsse erzielt und keine sogenannten Kassenkredite in Anspruch genommen. Diese sehr gute wirtschaftliche Haushaltslage konnte nur konzertiertes Vorgehen der großen Ratsparteien, aber auch durch das unternehmerische Handeln des Bürgermeisters und seiner Dezernenten realisiert werden. Das Bilanzvolumen liegt im hohen 3-stelligen Millionenbereich und im Ergebnishaushalt, also der Gewinn- und Verlustrechnung der Stadtwerden jährlich über 130 Millionen Euro 'bewegt'. In der Kernverwaltung sind über 800 Mitarbeiter beschäftigt. Hinzu kommen die Konzerntöchter Stadtwerke, Klinikum, Kläranlage und Abwasserbetrieb mit ihren Beschäftigten. Für alle ist der Bürgermeister verantwortlich. Jeder Wolfenbütteler hat gesehen, welche Großinvestitionen in den letzten Jahren realisiert wurden, ohne den Haushalt zu gefährden. Schwimmbad, Lessingtheater, Meesche, Schloßplatz große Wohnbaugebiete, um nur die wesentlichen zu nennen. Solche investiven Entwicklungen können nur mit Profis in der Verwaltung und erfahrenen, verantwortungsbereiten Kommunalpolitikern umgesetzt werden", schreibt die CDU-Fraktion.

Findungskommission sprach sich einstimmig für Haack aus


Eigentlich hatte Dr. Adrian Hack sich bei den CDU-Mitgliedern im Wahlkreis 49 für eine Kandidatur zum Bundestag beworben. Zwei Tage vor der Aufstellungsversammlung trat er davon zugunsten der Bürgermeisterkandidatur zurück. Eine vom CDU-Stadtverband eingesetzte Findungskommission hatte Haack, so teilte es der Stadtverband mit, einstimmig für die Bürgermeisterkandidatur vorgeschlagen. An der Entscheidung soll auch die Stadtratsfraktion beteiligt gewesen sein, wie man es seinerzeit gegenüber regionalHeute.de bestätigte.



Die Bekanntgabe Haacks überraschte seinerzeit tatsächlich. Hatte man auch unter den politischen Beobachtern fest damit gerechnet, dass die CDU Wolfenbüttel offiziell Stadtbaurat Lukanic bei seiner Kandidatur unterstützen würden. So hörte man es zumindest hinter vorgehaltener Hand. So wusste auch das Bündnis unabhängiger Wähler (BuW) von entsprechendem Vorhaben und zeigte sich später öffentlich verärgert über die Absage an Lukanic.

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Lange war es still geworden um den innerparteilichen Streit der Wolfenbütteler CDU, bei der es die zwei konkurrierenden Lager "Frank Oesterhelweg" und "Thomas Pink" gibt. Dabei ist der amtierende Bürgermeister Thomas Pink längst aus der CDU ausgetreten und unterstützt mittlerweile das Bündnis unabhängiger Wähler. Jenem Bündnis, das sich eben auch für Ivica Lukanic als Bürgermeisterkandidat ausgesprochen hat.

Am heutigen Abend entscheidet sich, wen die Wolfenbütteler CDU-Mitglieder im Amt des Bürgermeisters sehen wollen. Auf Anfrage von regionalHeute.de zeigt sich Dr. Adrian Haack entspannt und sagt: "Ich weiß die Mehrheit der Fraktion hinter mir. Von meiner Seite wird es keine solchen verbalen Entgleisungen geben. Heute Abend endet Selbstbeschäftigung." Und auch der CDU-Stadtverbandvorsitzende Andreas Meißler äußerte sich auf Anfrage von regionalHeute.de mit den Worten: "Es sind nur noch acht Wochen bis zum Weihnachtsfest und in den Stuben, Wohnungen und Häusern muss auch mal feucht durchgewischt und die Möbel gerade gerückt werden."

Aktualisiert, 16:03 Uhr

Fraktionsvorsitzender widerspricht einstimmigen Ergebnis


Der CDU-Fraktionsvorsitzende Winfried Pink wandte sich telefonisch an unsere Redaktion und widersprach der Darstellung, dass das Ergebnis der parteiinternen Findungskommission einstimmig ausgefallen sei. Dies hatte der Stadtverband bislang so verlauten lassen und bekräftigt dies auf Nachfrage von regionalHeute.de auch weiterhin. Richtig sei, dass es vier Enthaltungen, jedoch keine Gegenstimme gegeben hätte. Dies sei auch entsprechend protokolliert, sagt Andreas Meißler. Somit wäre das Ergebnis in der Tat als einstimmig zu werten, da Enthaltungen allgemeingültig nicht als Veto zählen.

Zudem sei Pink wichtig klarzustellen, dass er "jeden Menschen, auch jeden jungen, schätze".


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