Resteverwertung statt Wegschmeißen – Gedanken zum guten Essen

von Andreas Molau


| Foto: Kulinarisch38




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Zu Schade um wegzuschmeißen.
Bild: Kulinarisch38[/image] In unserer Kolumne "Gedanken zum guten Essen" geht es heute um etwas, das in Zeiten der Not normal war: Die Resteverwertung. Dass unsere Konsumgesellschaft vor lauter Überfluß an Gütern zu einer regelrechten Wegwerfgesellschaft verkommen ist, wird besonders deutlich, wenn wir uns vergegenwärtigen, wieviele Lebensmittel jedes Jahr weggeworfen werden. Wir leben lange schon in einer Welt der Extreme mit Überschuß und Hunger, Verschwendung und Mangel. In Europa werden jährlich rund 90 Millionen Tonnen Essen dem Müll übergeben, davon allein drei Millionen Tonnen Brot. Das würde ausreichen, um ganz Spanien zu ernähren. Pro Person werden in Deutschland jedes Jahr über den Daumen etwa 80 Kilo Lebensmitteln weggeschmissen, vieles davon noch frisch und uneingeschränkt genießbar. Der Gesamtwert dieses "biologischen Abfalls" wird auf über 20 Milliarden Euro geschätzt. Und Hand aufs Herz, wer von uns hat damit noch keinerlei Erfahrungen gemacht!? Das Brot ist ein wenig hart geworden? Weg damit! Eine einzelne Scheibe Toast hat ein wenig Schimmel angesetzt? Hinfort mit der gesamten Packung! Das Ablaufdatum des Joghurt ist um einen Tag überschritten? Ab in den Papierkorb damit! Selbst kleinste Druckstellen oder Verfärbungen bei Obst und Gemüse tragen unweigerlich dafür Sorge, dass die nicht mehr perfekte Nahrung unbesehen dem Abfall überantwortet wird. Das ist in Lebensmittelgeschäften genauso längst eine Selbstverständlichkeit wie in unseren heimischen Haushalten. Warum sich auch Gedanken darüber machen? Es ist ja schließlich mehr als genug vorhanden!

Gute Tipps statt moralischer Zeigefinger

Dass diese Mentalität in Anbetracht der massiven und ausufernden Hungerprobleme und auch der sich stetig ausweitenden Armut in den sogenannten Wohlstandsstaaten bestenfalls zynisch, wenn nicht sogar gefährlich und moralisch wie ökologisch absolut falsch ist, bedarf keiner großartigen Erklärung. Im Grunde wissen wir alle Bescheid darüber und es wäre lästig nun die Moralkeule noch weiter zu schwingen. Statt dessen möchte ich dem geneigten Leser lieber aufzeigen, wie einfach, bequem und angenehm es sein kann, mit unserer Nahrung kreativ und nachhaltig umzugehen! Jeder von uns, der regelmäßig kocht und dabei nicht auf das Gramm genau vorhersehen kann, wieviel von den für das Mahl benötigten Ressourcen tatsächlich verbraucht werden, verfügt nahezu ständig über ein umfassendes Reservoir an Zutaten für die Kreation neuer und abwechslungsreicher Mahlzeiten! Es sind noch Nudeln übrig? Und der Käse läuft bald ab? Wie wäre es dann mal wieder mit einem herzhaften Nudelauflauf! Die gekochten Kartoffeln waren einfach zuviel des Guten? Macht nichts! Schneiden, ab in die Pfanne damit, Salz, Pfeffer, Rosmarin oder gerne auch etwas Speck und Zwiebeln dazu und fertig sind die Bratkartoffeln! Die Äpfel verfärben sich schon ein wenig? Ab in den Topf und Apfelkompott daraus gemacht! Die Putenbrust war zu groß? Prima, dann können wir ja mal wieder einen schönen Salat mit Putenbruststreifen zaubern! Das Steak wurde nicht aufgegessen? Ab ins Eisfach damit, am Wochenende gibt es dann Geschnetzeltes!

Aus alt mach neu

Aus nahezu sämtlichen Lebensmitteln lassen sich mühelos eine Vielzahl von schmackhaften Gerichten zaubern. Die älteren Generationen, die noch nicht im schier grenzenlosen Überschuß aufgewachsen sind, haben aus der sinnvollen Resteverwertung von wertvoller Nahrung so manchen Klassiker der Kochkunst auf den Tisch gezaubert. Eintöpfe, Pfannengerichte und Aufläufe legen davon ein beredetes Zeugnis ab. Und sind es allemal wert, auch und gerade heute noch nachgekocht zu werden! Die Idee, gute Nahrung nicht einfach so zu entsorgen und statt dessen weiter zu verwenden, ist nicht nur gut für unseren Geldbeutel und das ökologische Gleichgewicht, sondern auch für unsere Fähigkeit aus den vorhandenen Möglichkeiten kreativ und mit Freude wunderbare Gerichte auf den Tisch zu bringen! Nur so lernen wir nachhaltig, vernünftig und abwechslungsreich unsere Nahrung zu verwerten. Setzen wir also dem grenzenlosen Zugang zu Nahrungsmitteln die Wertschätzung derselben entgegen. Wir können und werden davon in jeder Hinsicht nur profitieren! Bon appétit! Ihr Axel von Fliesteden


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