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Rucksack-Projekt soll für leichtere Integration sorgen


Die Mütter treffen sich in lockerer Atmosphäre und besprechen die Übungen. Foto: Volksbank BraWo/Peter Sierigk
Die Mütter treffen sich in lockerer Atmosphäre und besprechen die Übungen. Foto: Volksbank BraWo/Peter Sierigk Foto: Peter Sierigk

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06.11.2017

Braunschweig. Das Rucksack-Programm zur Elternbildung und Sprachförderung in Kindertagesstätten richtet sich an mehrsprachige Eltern mit Kindern zwischen vier und sechs Jahren. Dank der Förderung der Volksbank BraWo Stiftung im Rahmen von United Kids Foundations kann das Projekt im ersten Schritt in sechs Braunschweiger Einrichtungen angeboten werden.



Eine großflächigere Verbreitung strebt das federführende „DialogWerk Braunschweig“ unter dem Dach des Hauses der Familie an. Gemeinsam mit Michaela Wirth, der Koordinatorin des Rucksack-Projekts in Braunschweig, haben wir die Kita des Caritas Familienzentrums St. Maximilian Kolbe besucht.

„Das Rucksackprojekt verfolgt mehrere Ziele. Zum einen die Förderung von mehrsprachigen Kindern in Deutsch, aber auch in ihrer Muttersprache. Je besser die Kinder ihre Muttersprache beherrschen, umso besser lernen sie auch die deutsche Sprache. Zum anderen ist der lockere Austausch zwischen den Eltern in allen Erziehungs- und Alltagsfragen wichtig. Das öffnet die Kita und auch die Eltern für andere Kulturen“, sagt Michaela Wirth, Koordinatorin Rucksack-Projekt in Braunschweig.


Wertschätzung und Begegnung auf Augenhöhe


In der Kita treffen sich die Mütter in entspannter Atmosphäre ohne ihre Kinder. Sie stammen aus Albanien, der Elfenbeinküste, Tunesien, Bulgarien, Syrien, Vietnam, der Türkei, dem Libanon, aber auch aus Deutschland. Der interkulturelle Aspekt stellt für alle Beteiligten eine große Bereicherung dar. Eine vorab ausgebildete Elternbegleiterin aus ihrer Mitte leitet die Treffen, die einmal wöchentlich stattfinden. Sie bespricht mit ihnen die Aufgaben für die kommende Woche und tauscht sich mit ihnen auch über allgemeine Erziehungsthemen aus. Wertschätzung und Begegnung auf Augenhöhe sind dabei wichtige Grundprinzipien. So macht das allen Beteiligten viel Spaß.

Bezugsperson begleitet Eltern


Das Konzept bietet niedrigschwellige Spielanregungen, Übungen und Aufgaben in insgesamt dreizehn Sprachen, die zu Hause in der Muttersprache mit den Kinder umgesetzt werden. Die Übungen sind allesamt einfach in den Alltag zu integrieren. Behandelt werden Themen wie Familie, Kleidung oder Einkaufen. Parallel zur muttersprachlichen Umsetzung zu Hause in den Familien werden die Themen in der Kita auf Deutsch aufgegriffen.


Die Elternbegleiterinnen erfüllen sehr wichtige Rollen. Eine von ihnen ist Agnieszka Derendarz. Die aus Polen stammende dreifache Mutter ist von Beruf Lehrerin und engagiert sich aus voller Überzeugung für das Rucksackprojekt. „Als Bezugsperson kann ich ein bisschen mithelfen, dass die Frauen in Deutschland besser ankommen. In der Gruppe werden Freundschaften geschlossen und, weil wir immer Deutsch sprechen, steigt das Selbstvertrauen, sich in der Außenwelt frei zu bewegen“, meint sie.


Silbenklatschen für den Rhythmus der deutschen Sprache. Foto: Volksbank BraWo/Peter Sierigk


Eltern in den Kita-Alltag entbinden


Andrea Asche, Erzieherin in der Kita St. Maximilian Kolbe, freut sich über die Einführung des Rucksack-Projekts. Gerade in ihrer Einrichtungen gibt es einen großen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund und damit einen hohen Förderbedarf. Eine Gruppe der Kita setzt sich fast ausschließlich aus ausländischen Kindern zusammen. „Der Bedarf nach Sprachförderung ist bei uns sehr groß. Wir haben zum Beispiel eine Gruppe, die fast ausschließlich aus Migrantenkindern besteht. Außerdem ist das Rucksack-Programm sehr wichtig, weil es die Eltern in den Kita-Alltag einbindet“, sieht sie eine Reihe von Vorteilen.

Defizite werden ausgeglichen


Die Evaluation des Rucksack-Projekts zeige, dass es gelingen kann, bis zum Schulstart etwaige Defizite bei den in unsere Mitte gekommenen Kindern auszugleichen. In Braunschweig beteiligen sich neben Kita St. Maximilian Kolbe das Caritas Familienzentrum St. Maximilian Kolbe (Weststadt), das DRK Familienzentrum Broitzemer Str. (Westliches Ringgebiet), das evangelische Familienzentrum St. Georg (Siegfriedviertel), das evangelische Familienzentrum Weststadt, die Paritätische Kita Quäker Nachbarschaftsheim (Nordstadt) und die städtische Kita Siegmundstraße (Siegfriedviertel) am Rucksack-Projekt.


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