Salzgitter. Die angekündigte Schließung des Elisabeth-Krankenhauses sorgt bei Patienten, Angehörigen und Beschäftigten für große Verunsicherung. Besonders dramatisch ist die Situation für schwer erkrankte Menschen, die derzeit noch im Krankenhaus behandelt werden und nun vor einer Verlegung stehen.
Octavia Hagau ist Dolmetscherin und begleitet aktuell die Familie eines schwer kranken Mannes, der auf der Intensivstation des Krankenhauses liegt. Für die Familie sei die Nachricht von der Schließung völlig überraschend gekommen. „Wir haben aus dem Nichts erfahren, dass das Krankenhaus geschlossen werden soll“, berichtet Hagau. Die Situation vor Ort sei emotional. „Es fließen hier Tränen, die Belegschaft ist total verzweifelt. Die Mitarbeiter wissen nicht, wie es weitergeht.“
In kürzester Zeit verlegt
Nach den Informationen, die Hagau vor Ort erhalten habe, müssten die Patienten innerhalb kürzester Zeit entlassen oder in andere Krankenhäuser verlegt werden. Auch der von ihr begleitete Intensivpatient sei davon betroffen. Für ihn und seine Familie bedeute die bevorstehende Verlegung eine zusätzliche Belastung in einer ohnehin schwierigen Situation.
Besonders bewegt zeigt sich Hagau von den Sorgen der Beschäftigten. Sie sei bereits am frühen Morgen mit der Familie im Krankenhaus gewesen und habe beobachtet, wie die Mitarbeiter noch wie gewohnt ihren Dienst antraten. „Ich habe gesehen, wie die Mitarbeiter morgens ihre Autos geparkt haben und zur Arbeit gegangen sind. Und plötzlich stehen sie vor einer völlig ungewissen beruflichen Zukunft“, sagt sie.
"Fühlen uns im Stich gelassen"
Auf den Fluren sei die Sorge der Belegschaft deutlich zu spüren. Viele Beschäftigte fragten sich, wie es mit ihren Arbeitsplätzen und ihren Gehältern weitergehe. „Da ist für alle eine sehr große Ungewissheit. Die Mitarbeiter fühlen sich im Stich gelassen – und wir fühlen uns als Betroffene ebenfalls im Stich gelassen“, schildert Hagau.
Besonders scharf kritisiert sie die Kurzfristigkeit des Vorgehens. Dass Menschen innerhalb von nur zwei Tagen mit einer derart einschneidenden Situation konfrontiert würden, könne sie nicht nachvollziehen. „Man kann doch mit dem Leben der Menschen nicht wie mit einer Überraschungstüte spielen und ihnen sagen: Innerhalb von zwei Tagen muss hier alles geräumt werden. Das ist kein Sommerschlussverkauf. Das ist ein Krankenhaus.“
"Ein Verlust für Salzgitter"
Auch Renate H., die am Tag der Bekanntgabe wegen eines Termins in der orthopädischen Sprechstunde des Krankenhauses war, reagiert bestürzt. Von der möglichen Schließung habe sie zunächst während ihrer Physiotherapie erfahren. Mitarbeiter hätten darüber gesprochen, zunächst habe sie die Nachricht jedoch für ein Gerücht gehalten.
„Ich dachte, das kann doch nicht wahr sein. Ich beteilige mich auch nicht an Gerüchten“, erzählt sie. Deshalb habe sie sich direkt im Krankenhaus erkundigt. In der orthopädischen Sprechstunde sei ihr die Nachricht schließlich bestätigt worden. „Ich bin echt schockiert. Ich kann das nicht glauben. Das ist ein Wahnsinn. Das ist ein Verlust für Salzgitter.“
Mitarbeiter am Morgen überrascht
Eine weitere Perspektive schildert Christina aus Salzgitter, die seit Donnerstag als Patientin im Elisabeth-Krankenhaus behandelt wird. Nach ihrem Eindruck wurden auch die Mitarbeiter am Morgen von der Entwicklung überrascht. Auf ihrer Station habe sie deutlich gespürt, wie angespannt die Situation gewesen sei.
Umso mehr beeindruckt Christina, wie Pflegekräfte und Ärzte trotz des eigenen Schocks mit der Situation umgehen. „Sie haben die Nachrichten bekommen und waren trotzdem sofort wieder für uns Patienten da. Egal, wie schlecht es ihnen gerade ging, sie haben sich um uns gekümmert“, berichtet sie.
Auch die Ärzte und Pflegekräfte täten derzeit alles dafür, die weitere Versorgung der Patienten sicherzustellen. Christina selbst kann das Krankenhaus verlassen: Ihr Gesundheitszustand sei so gut, dass sie nach Hause dürfe. Für diejenigen, die weiterhin auf medizinische Betreuung angewiesen seien, werde dagegen mit großem Einsatz nach Lösungen gesucht. Die Stimmung unter den Beschäftigten beschreibt sie als traurig und geschockt. Gleichzeitig erlebe sie einen bemerkenswerten Einsatz für die Patienten. „Sie sind traurig, geschockt und kämpfen für ihre Patienten weiter. Das ist das, was Pflegekräfte und Ärzte von Herzen tun.“
"Mit großem Herzen gekämpft"
Für Christina selbst kam die Entwicklung nicht völlig unerwartet. Als Patientin habe sie in den vergangenen Monaten den Eindruck gewonnen, dass sich die schwierige Situation bereits abgezeichnet habe. Das sei allerdings ihre persönliche Wahrnehmung gewesen. Vor allem denke sie nun an die Beschäftigten des Krankenhauses. „Es tut mir für alle Beschäftigten hier unglaublich leid, weil sie wirklich mit einem ganz, ganz großen Herz gekämpft haben“, sagt Christina.
Keine kurzen Wege mehr
Auch Sabrina aus Salzgitter bedauert die angekündigte Schließung des Elisabeth-Krankenhauses. Für sie bedeutet der Verlust des Krankenhauses vor allem, dass eine wohnortnahe medizinische Versorgung wegfällt. „Es ist sehr schade, dass wir vor Ort jetzt kein Krankenhaus mehr haben, um bei Problemen oder Krankheiten direkt in der Nähe behandelt zu werden“, sagt sie.
Für Sabrina und ihre Familie spielten die kurzen Wege bislang eine wichtige Rolle. Mehrere Familienmitglieder seien immer wieder auf medizinische Hilfe angewiesen. Gerade dann sei es von großem Vorteil gewesen, ein Krankenhaus in unmittelbarer Nähe zu haben. Das habe nicht nur den Patienten geholfen, sondern auch den Angehörigen ermöglicht, sie ohne lange Anfahrtswege zu begleiten und zu betreuen.
"Für mich eine Katastrophe"
Auch Manuela Puvogel aus Salzgitter reagiert emotional auf die Nachricht von der bevorstehenden Schließung des Elisabeth-Krankenhauses. Sie war selbst wegen einer ambulanten Sprechstunde im Haus und erfuhr dort von der Entwicklung. „Mir geht das wirklich ans Herz. Für mich ist das eine Katastrophe“, sagt Puvogel. Besonders beschäftigt sie, was aus den Ärzten und den bisherigen Behandlungsmöglichkeiten wird. Sie habe bereits einen längerfristig vereinbarten Termin bei einem Chefarzt gehabt, mit dessen Behandlung sie sehr zufrieden gewesen sei.

Für Patientin Manuela Puvogel ist die Schließung des Krankenhauses eine Katastrophe. Foto: Rudolf Karliczek
Nach ihren Schilderungen sei die Verunsicherung im Krankenhaus groß gewesen. Mitarbeiter hätten ihr berichtet, selbst erst wenige Stunden zuvor von der Schließung erfahren zu haben. „Die sind genauso geschockt wie wir“, schildert Puvogel ihren Eindruck. Auch andere, darunter ältere Patienten, hätten sich vor Ort danach erkundigt, wie und wo ihre Behandlung künftig weitergehen könne.
Puvogel befürchtet vor allem weitere Wege für Patienten. Sie fragt sich, welche Einrichtungen die zusätzliche Versorgung übernehmen können, wenn sich Patienten künftig an andere Krankenhäuser in der Region wenden müssen. „Wo soll das hinführen?“, fragt sie. Auch ihre eigene medizinische Versorgung beschäftigt sie unmittelbar. Puvogel will nun herausfinden, wo der Arzt, bei dem sie bislang in Behandlung war, künftig tätig sein wird. Dafür würde sie gegebenenfalls auch einen weiteren Weg auf sich nehmen.
"Bin auf 180"
Die Nachricht hat Puvogel nach eigenen Worten stark aufgewühlt. „Ich bin auf 180“, beschreibt sie ihre Gefühlslage. Besonders die Situation der Beschäftigten beschäftigt sie: Wäre sie selbst Mitarbeiterin und hätte auf diese Weise von der Entwicklung erfahren, hätte sie äußerst emotional reagiert.
Ihre Reaktion macht zugleich deutlich, dass die Schließung für Patienten nicht nur die Frage nach dem nächstgelegenen Krankenhaus aufwirft. Für viele geht es auch darum, was aus bestehenden Behandlungen, vereinbarten Terminen und dem über Jahre aufgebauten Vertrauen zu ihren Ärzten wird.



