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"Ein richtiger Wetterkrimi" - Chance auf weiße Weihnachten massiv gestiegen

In der kommenden Woche könnten 10 bis 15 Zentimeter Schnee im Harz fallen - und auch liegen bleiben. Der Meteorologe Jan Schenk erklärt, warum das auch für weiße Weihnachten sprechen könnte.

von Marvin König


Weiße Weihnachten nicht nur im Oberharz - Noch sind die Würfel nicht gefallen. (Archivbild) Video: Marvin König / Werner Heise Foto: aktuell24(BM)

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27.11.2020

Region. Die Chance auf eine weiße Weihnacht stehen unerwartet gut. "Im Tiefland sind die Chancen von 10 auf 30 Prozent gestiegen, und im Harz ab einer Höhe von 500 Metern vielleicht sogar auf 50 Prozent", so Weather.com-Chefmeteorologe Jan Schenk im Interview mit regionalHeute.de. Schon in der kommenden Woche soll sich entscheiden, wie es mit dem Wetter weitergeht und ob sich die Prognose weiter zugunsten eines schneereichen Dezembers entwickelt. Schon das kommende Wochenende wird frostig!



Die Vorlage liefert gleich die kommende Woche. "Erstmal wird es nächste Woche schneien, da gibt es 10 bis 15 Zentimeter Schnee im Nordstau des Harzes", kündigt Jan Schenk an, und der soll auch liegen bleiben. Bis zum gestrigen Tage hätten die Wettermodelle eine solche Situation nicht für möglich gehalten. Immerhin sei es der wohl wärmste November aller Zeiten gewesen.

Was gegen weiße Weihnachten spricht


Schnee sei dennoch nicht garantiert - Denn die wichtige Zutat "Kälte" sei noch am Wackeln: "Wenn es tatsächlich so ist, dass wir in dieser Westwindzone bleiben, das Azorenhoch schwach ist und das Russlandhoch stark ist, so wie wir es jetzt auch die letzten Monate schon gesehen haben, dann ist es so, es kommen immer wieder Tiefdruckgebiete, dann wird es auch immer mal wieder regnen, vielleicht auch zwischendurch mal wieder schneien aber es schmilzt halt immer wieder weg."

Verantwortlich für die eher zu warmen Prognosen sei ein Phänomen namens "La Niña". Dieses Phänomen über dem Pazifik tritt etwa alle zwei bis sieben Jahre auf - im Gegensatz zu seinem Gegenspieler "El Niño" sorgt es für niedrigere Temperaturen im Pazifik als üblich. Durch die gewaltigen Wassermassen des pazifischen Ozeans und deren Einfluss auf das Wetter wirkt sich "La Niña" auf dem ganzen Globus aus: "Solange dieses La Niña besteht, wird das Russlandhoch auch stark bleiben. Das kennt man. Das bedeutet gleichzeitig, dass auf der anderen Seite das Azorenhoch nicht stark werden kann, sonst hätten wir nur Hochdruck auf der Nordhalbkugel, und dann müssen eben die Tiefdruckgebiete nach Deutschland kommen." Das bedeute aber auch, dass es bei uns in Deutschland nie wirklich kalt werde. "Auf der anderen Seite werden wir so auch keinen richtigen Winter sehen, weil dafür brauchen wir Polarluft und die kommt dann nicht zu uns", so der Meteorologe.

Was für weiße Weihnachten spricht


Unsere Chancen steigen jedoch laut Schenk, wenn der Schneefall nächste Woche kommt - und auch ein bisschen bleibt. "Denn dann kann es sein, dass sich dieses Muster ein wenig verselbstständigt. Das Wetter ist sehr dynamisch, und immer wenn Anfang Dezember eine Kälteperiode eintritt ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich das weiter fortsetzt. Eventuell auch den ganzen Dezember durch." Grund dafür sei, dass das Azorenhoch entgegen aller Prognosen der vergangenen Monate unerwartet erstarkt sei und den von "La Niña" beeinflussten Jetstream im Atlantik ablenkt.

"immer wenn Anfang Dezember eine Kälteperiode eintritt ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich das weiter fortsetzt."

- Jan Schenk - Head of "The Weather Channel" Deutschland



Der Jetstream ist ein besonders starkes Windband in fünf bis acht Kilometern Höhe, das um den Pol mäandert. Er hat einen Einfluss auf das globale Wetter. "Am Montag kommen neue Mittelfristprognosen, neue Klimaprognosen raus. Da wird es dann spannend, auch für uns Meteorologen. Es ist gerade so ein richtiger Wetterkrimi, der sich da abzeichnet", scherzt Schenk. "Kippt diese Prognose nochmal oder bleibt es beim warmen Dezember wie vorhergesagt? Das ist für uns sehr spannend!" Erstarkt das Azorenhoch weiter und bringt uns den ersehnten schneereichen Winter? Die Chancen stehen besser als seit Monaten prognostiziert. Es darf also tatsächlich realistisch gehofft werden. Es wäre in jedem Fall mal wieder Zeit. Das letzte Mal weiße Weihnachten hat die Region im Jahr 2010 erlebt.


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