Salzgitter. Der Arbeitskreis Stadtgeschichte e.V. hat kürzlich drei neue Informationstafeln zur Geschichte der Zwangsarbeit im Erzbergbau und des ehemaligen KZ-Außenlagers Gebhardshagen eingeweiht. Die Tafeln stehen an historischen Lagerstandorten entlang eines rund vier Kilometer langen Wanderwegs zwischen Altenhagen und Gebhardshagen. Das berichtet der Arbeitskreis Stadtgeschichte in einer Pressemitteilung.
Die Einweihung fand im Rahmen des bundesweiten Tags des offenen Denkmals statt und wurde von mehr als 40 Menschen besucht. Jeannette Hentschel, 1. Vorsitzende des Arbeitskreises Stadtgeschichte, begrüßte die Anwesenden und betonte die Bedeutung der neuen Informationstafeln für die Erinnerungskultur in Salzgitter. Mit Blick auf die erst kürzlich gestohlenen Informationstafeln zum ehemaligen KZ Salzgitter-Bad erklärte sie: „Gerade jetzt, wo die Informationstafeln zum KZ Salzgitter-Bad gestohlen wurden, setzen wir weiterhin auf eine lebendige Erinnerungskultur.“
"Heute wichtiger denn je"
Auch Jens Loock, Arbeitsdirektor der Salzgitter Flachstahl GmbH, unterstrich den Stellenwert der Erinnerungsarbeit an historischen Orten: „Es ist unsere historische Verantwortung, an die Verbrechen des Nationalsozialismus zu erinnern. Gerade heute ist dies wichtiger denn je, wo rechtsextremistische Strömungen mehr Zulauf in Deutschland erhalten.“
Frank Klingebiel, Oberbürgermeister der Stadt Salzgitter, verwies auf die Relevanz der neuen Erinnerungszeichen: „Nun stehen an allen ehemaligen KZ-Standorten in Salzgitter Erinnerungszeichen und Informationstafeln. Wir werden die Verbrechen an den Opfern nicht wiedergutmachen können, aber wir können an sie erinnern und verhindern, dass es wieder geschieht.“
Die Geschichte des Lagers
Maarten Verbaarschot, der Sohn eines ehemaligen niederländischen Zwangsarbeiters, verdeutlichte den Wert der Tafeln für Angehörige von Zwangsarbeiten und KZ-Häftlingen. Im Anschluss führte Julia Braun vom Arbeitskreis Stadtgeschichte die Teilnehmer vom Wanderparkplatz Altenhagen zum ehemaligen Standort des KZ-Außenlagers Gebhardshagen. Anhand historischer Abbildungen und Erinnerungsberichten erläuterte sie die Geschichte des Lagers sowie die katastrophalen Lebens- und Arbeitsbedingungen der KZ‑Häftlinge. Demgegenüber stellte sie die Biografie eines Wachmanns.
Zwangsarbeit im Erzbergbau
Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 wurden im Bergwerk Haverlahwiese der damaligen Reichswerke „Hermann Göring“ zahlreiche zivile Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge eingesetzt. Sie mussten unter anderem in der Erzgewinnung arbeiten. Untergebracht wurden sie in fünf Barackenlagern zwischen Altenhagen, Gebhardshagen und Gustedt.
Im Sommer 1944 richtete die SS in einem dieser Lager in der Nähe des Schachts Haverlahwiese II das KZ-Außenlager Gebhardshagen ein. Rund 450 Männer wurden dort unter menschenunwürdigen Bedingungen zur Zwangsarbeit eingesetzt. Sie mussten sowohl über Tage als auch unter Tage arbeiten. Das Lager bestand etwa zwei Monate.
Der Arbeitskreis Stadtgeschichte bedankt sich bei der Salzgitter Flachstahl GmbH, den Städtischen Regiebetrieben Salzgitter sowie dem Gestaltungsbüro Hinz & Kunz aus Braunschweig für die gute Zusammenarbeit und die Realisierung der Informationstafeln. Die Umsetzung war durch Spenden des Volkswagenwerks Salzgitter sowie des Rotary Club Salzgitter-Wolfenbüttel-Vorharz möglich.
