Empörung in Salzgitter-Bad: Infotafeln am KZ-Außenlager verschwunden

Seit 2018 konnten auf den beiden Schildern vertiefende Informationen zu dem KZ-Außenlager gefunden werden. Die Stadt Salzgitter hat Anzeige erstattet.

So sah die verschwundene Informationstafel zum KZ-Außenlager Salzgitter-Bad aus.
So sah die verschwundene Informationstafel zum KZ-Außenlager Salzgitter-Bad aus. | Foto: Stadt Salzgitter und Arbeitskreis Stadtgeschichte e.V.

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Salzgitter. Ein Bürgerhinweis hat die Stadt Salzgitter auf das Fehlen von zwei Informationstafeln zum KZ-Außenlager Salzgitter-Bad auf dem Gelände gegenüber dem Unions-Sportplatz an der Friedrich-Ebert-Straße aufmerksam gemacht. Die Stadt Salzgitter teilt in einer Pressemeldung mit, dass sie als Eigentümerin des Geländes und der Tafeln Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei erstattet hat.



Wo einst vier Häftlingsbaracken standen, befindet sich heute ein städtischer Parkplatz. Zwischen Herbst 1944 und April 1945 seien in diesem Bereich im Schnitt etwa 500 Frauen inhaftiert gewesen. Sie wurden wenige Kilometer vom Lager entfernt in der Rüstungsproduktion zur Arbeit eingesetzt. Ein Teil von ihnen musste den Weg in die damalige AG für Bergbau- und Hüttenbedarf zu Fuß zurücklegen, andere seien mit Lastwagen in das Kleineisenwerk am Gittertor gefahren worden. Im Dreischichtsystem produzierten sie Granatenteile und Zubehör für Rüstungsgüter. Direkt an den Häftlingsbereich habe sich das SS-Lager angeschlossen.

Schilder existieren seit 2018


1994 wurde am Rande des ehemaligen Lagergeländes in Erinnerung an die Opfer des KZ Salzgitter-Bad ein Findling mit einer Gedenktafel gesetzt. Seit 2018 konnten auf den beiden Schildern vertiefende Informationen zu dem KZ-Außenlager gefunden werden. Die Texte wurden mit Unterstützung des Stadtarchivs erstellt, und der Gedenkort wird regelmäßig von engagierten Bürgern gepflegt.

Verschwundene Infotafeln sorgen für Bestürzung in Salzgitter-Bad.
Verschwundene Infotafeln sorgen für Bestürzung in Salzgitter-Bad. Foto: Stadt Salzgitter und Arbeitskreis Stadtgeschichte e.V.



Das Verschwinden der Informationstafeln an diesem historischen Ort sorgt sowohl bei der Stadt als auch beim Arbeitskreis Stadtgeschichte für Bestürzung. Der Arbeitskreis hat sich der fundierten Aufklärungs- und politischen Bildungsarbeit zur örtlichen NS-Geschichte verschrieben und betreut die Orte des Gedenkens in Salzgitter.


Ort von besonderer Bedeutung


Erinnerungsorte sind wichtig, um Geschichte sichtbar zu halten und Menschen eine Auseinandersetzung mit ihr zu ermöglichen. Das Verschwinden von Informationen an einem ehemaligen Konzentrationslager betrifft einen Ort von besonderer Bedeutung für die Erinnerung an die Verfolgten und Ermordeten sowie ihre Angehörigen und Nachkommen.


Hinweise gesucht


„Wir werden uns nicht davon abhalten lassen, auch zukünftig über die Verbrechen des Nationalsozialismus zu informieren und uns für ein würdevolles Gedenken einzusetzen“, so Jeannette Hentschel, Vorsitzende des Arbeitskreises Stadtgeschichte. Die Stadt Salzgitter und der Arbeitskreis Stadtgeschichte sind zuversichtlich, dass die Hintergründe des Verschwindens aufgeklärt und die Tafeln wiedergefunden werden können. Wer Hinweise zum Verbleib der Informationstafeln geben kann, wird gebeten, sich bei einer der Polizeidienststellen in Salzgitter zu melden.

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