Salzgitter AG verantwortet 10 Prozent des niedersächsischen CO2-Ausstoßes

Bund und Land wollen daher den Umstieg auf "Grünen Stahl" mit bis zu einer Milliarde Euro fördern.

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Archivbild Foto: Rudolf Karliczek

Salzgitter. Die Stahlerzeugung der Salzgitter AG ist mit jährlich etwa 8 Millionen Tonnen CO2-Emissionen alleine für zirka 10 Prozent der niedersächsischen und über 1 Prozent der deutschlandweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Die Stahlproduktion klimaschonend und somit zukunftsfähig aufzustellen sei ein immenser Kraftakt, stellte der Niedersächsische Energie- und Klimaschutzminister Christian Meyer bei einem Besuch der Salzgitter AG am Donnerstag fest. Diese sei aber auf einem guten Weg.



"Ich bin froh, dass wir in Niedersachsen auch hier Vorreiter sind, um gemeinsam mit der Industrie unsere ambitionierten Klimaziele zu erreichen", wird der Minister in einer Pressemitteilung des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz zitiert.

Eine echte Alternative zum Hochofenprozess biete das Eisenerz-Direktreduktionsverfahren: Damit sei es möglich, unter Verwendung von Grünem Wasserstoff anstelle von Koks als Brennstoff, den CO2-Ausstoß bei der Herstellung von Rohstahl immens zu reduzieren. „Mit dem sogenannten SALCOS-Verfahren verfügt das Unternehmen über die Technologie, rund 95 Prozent ihrer Emissionen einzusparen und künftig nahezu klimaneutralen, Grünen Stahl herzustellen. Dieser Transformationsprozess, die gesamte Produktion nachhaltig aufzustellen, ist nicht nur ein ehrgeiziges Vorhaben, sondern auch bundesweit eines der Vorreiterprojekte der Energiewende. Ich freue mich sehr, dass wir dieses wichtige Vorhaben mit der Salzgitter AG jetzt angehen“, so Meyer.

Erhebliche Investitionen nötig


Für das SALCOS (SAlzgitter Low CO2 Steelmaking)-Verfahren sind erhebliche Investitionen in Anlagentechnik und Energieinfrastruktur notwendig. Alleine für den ersten Transformationsschritt sind Investitionen in Milliardenhöhe geplant, die den Bau einer Direktreduktionsanlage, eines Elektrolichtbogenofens und eines 100 MW-Elektrolyseurs einschließen. Mit diesen Anlagen können jährlich bis zu 1,9 Millionen Tonnen CO2-armen Rohstahls produziert und so bereits in der ersten Phase ein Drittel der CO2-Emissionen des Hüttenwerks vermieden werden.

Aufgrund seiner herausragenden Bedeutung für den Klimaschutz haben das Land Niedersachsen und das Bundeswirtschaftsministerium vereinbart, dieses bundesweite Leuchtturm-Projekt gemeinsam mit bis zu einer Milliarde Euro zu fördern. Minister Meyer: „Ich bin überzeugt davon, dass diesem innovativen Weg über Direktreduktion und Elektrostahlöfen die Zukunft gehört. Deswegen unterstützen wir als Land dieses Klimaschutzprojekt mit 300 Millionen Euro aus dem Wirtschaftsförderfonds.“

"Keine Power-Point-Präsentation mehr"


Gunnar Groebler, Vorstandsvorsitzender der Salzgitter AG, sagte: „Gemeinsam mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben wir schon viele Hebel unserer Transformation erfolgreich in Bewegung setzen können. Voller Stolz kann ich heute sagen: Unser SALCOS Programm ist keine Power-Point-Präsentation mehr, sondern wir befinden uns bereits mitten in der Umsetzung der ersten Stufe. Ohne die unermüdliche und tatkräftige Unterstützung des Landes Niedersachsens wäre die erfolgreiche Umsetzung der Stufe 1 von SALCOS so schnell nicht möglich. Für das entgegengebrachte Vertrauen möchte ich mich noch einmal ausdrücklich bedanken.“

Eine grundlegende Voraussetzung für das Gelingen des Projekts ist die verstärkte Einbindung des Werks in die nationale und europäische Energieinfrastruktur. Neben einer neuen 380-kV-Leitung ist auch eine neue Gasleitung sowie die Anbindung an künftige Wasserstoff-Pipelines nötig, über die dann Grüner Wasserstoff aus Erneuerbaren Energien nach Salzgitter transportiert werden kann. Bund und Land gehen auch hier bei der Förderung erster Großvorhaben der Wasserstofferzeugung und -speicherung sowie des Transports im Rahmen der sogenannten Important Projects of Common European Interest („IPCEI Wasserstoff“) gemeinsam vor und werden diese für die nationale und europäische Energiewende bedeutsamen Vorhaben mit über 2,4 Milliarden Euro unterstützen.

"Klimaschutz und Wertschöpfung kein Widerspruch"


Energieminister Meyer: „Das SALCOS-Projekt zeigt auf eindrückliche Weise, dass Klimaschutz und industrielle Wertschöpfung kein Widerspruch sind. Das Gegenteil ist der Fall: Mit Erneuerbaren Energien und technischer Innovation werden Arbeitsplätze erhalten und neue geschaffen. So stellt sich Deutschlands zweitgrößter Stahlhersteller zukunftssicher und klimaschonend auf. Und Niedersachsen – als Energiewende- und Erneuerbaren-Land Nr.1 – wird mit der Produktion von Grünem Stahl zum Leuchtturm bei der Transformation der Wirtschaft.“


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