Salzgitter. Mit deutlichen Forderungen nach Investitionen, Zukunftsprodukten und sicheren Arbeitsplätzen haben Beschäftigtenvertreter und Gewerkschaft beim Bosch-Werk in Salzgitter auf die angespannte Situation in der Automobilindustrie aufmerksam gemacht. Anlass war der bundesweite Automobilaktionstag der IG Metall am gestrigen Montag. Unterstützung erhielten die Beschäftigten auch von Salzgitters Oberbürgermeister Frank Klingebiel.
Nach Angaben von IG-Metall-Hauptkassiererin Nadine Boguslawski beteiligten sich bundesweit Standorte von Automobilherstellern, Zulieferern und Entwicklungsdienstleistern an dem Aktionstag. In Salzgitter wurde das Thema unter anderem im Rahmen einer Betriebsversammlung bei Bosch aufgegriffen. „Wir brauchen eine Zukunft für die Automobilindustrie in Deutschland. Deutschland muss Autoland bleiben“, sagte Boguslawski. Die IG Metall fordere Zukunftsinvestitionen an den deutschen Standorten und wende sich gegen Stellenabbau sowie Angriffe auf Tarifverträge und die 35-Stunden-Woche.
Kostenbedingungen für die Industrie
Nach Ansicht der Gewerkschaft dürfen Zukunftstechnologien nicht überwiegend ins Ausland verlagert werden. Boguslawski verwies zudem auf die Kostenbedingungen für die Industrie. Löhne seien aus Sicht der IG Metall nicht das entscheidende Problem. Stattdessen brauche es unter anderem einen wettbewerbsfähigen Industriestrompreis und bessere Rahmenbedingungen, damit Unternehmen wieder stärker in Deutschland investierten.
"Zukunft des Bosch-Werks gefährdet"
Besonders groß ist die Sorge um die weitere Entwicklung des Bosch-Standorts in Salzgitter. Dort werden nach Angaben des Betriebsrats Motorsteuergeräte für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor produziert. „Wir haben hier keine Aussicht auf eine Zukunft für unseren Standort“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Jan Muschkeit. Die derzeit hergestellten Produkte würden mittel- und langfristig auslaufen, während bislang keine Zukunftsprodukte in Aussicht seien.
Muschkeit sieht deshalb auch die Arbeitsplätze gefährdet. Im schlimmsten Fall stehe langfristig sogar die Zukunft des gesamten Werks infrage. Der Betriebsrat fordert deshalb Investitionen und neue Projekte für Salzgitter. „Konkret fordern wir Investitionen am Standort und Zukunftsprojekte, die uns hier Arbeit verschaffen“, sagte Muschkeit. Ziel müsse es sein, die bestehenden Arbeitsplätze zu erhalten und den Standort nicht schrittweise über die demografische Entwicklung zu verkleinern.
Klingebiel fordert Zukunftsprojekt für Bosch
Unterstützung erhielten die Beschäftigten von Oberbürgermeister Frank Klingebiel. Er verwies auf die Bedeutung industrieller Arbeitsplätze für Wohlstand und gesellschaftlichen Zusammenhalt in Salzgitter. Die Transformation betreffe neben der Automobilindustrie auch die Stahlindustrie und deren Zulieferer.
Klingebiel forderte von der Politik in Berlin und Brüssel verlässliche Rahmenbedingungen und Förderprogramme für den industriellen Umbau. Als Beispiele nannte er die Transformation der Salzgitter AG sowie die Batteriezellfertigung bei Volkswagen. Zudem sprach er sich für einen Industriestrompreis und handelspolitische Maßnahmen gegenüber günstigen Fahrzeugimporten aus China aus. Mit Blick auf Bosch sieht Klingebiel zugleich das Unternehmen selbst in der Verantwortung. Die Produktion von Steuergeräten für Verbrennungsmotoren stelle den Standort vor eine besondere Herausforderung. „Der Vorstand muss jetzt möglichst schnell seine Hausaufgaben machen und ein Zukunftsprojekt für den Standort auf die Beine stellen“, forderte Klingebiel.
Für Gewerkschaft, Betriebsrat und Oberbürgermeister steht damit vor allem eine Frage im Mittelpunkt: Welche Produkte sollen künftig in Salzgitter gefertigt werden, wenn das Geschäft mit Komponenten für Verbrennungsmotoren zurückgeht? Betriebsrat und IG Metall verlangen darauf möglichst schnell konkrete Antworten und Investitionsentscheidungen.


