Schwimmbäder: Kälteres Wasser - Weniger Besucher?

regionalHeute.de fragte nach, wie sich die gedrosselten Temperaturen in städtischen Schwimmbädern auf die Besucherresonanz auswirken.

von Alexander Dontscheff


Symbolbild.
Symbolbild. Foto: Rudolf Karliczek

Region. In der aktuellen Energiekrise wird an allen Ecken und Enden gespart. Auch bei den Schwimmbädern wurde Hand angelegt und mancherorts die Wassertemperatur gedrosselt. Doch wie kommt das bei den Besuchern an? regionalHeute.de fragte bei den Städten an, welche Maßnahmen in den Bädern ergriffen wurden und wie sich das auf die Besucherzahlen ausgewirkt hat.


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In allen Städten, deren Antworten bislang vorliegen, wurden in den Schwimmbädern Energiesparmaßnahmen durchgeführt. Doch die Erfahrungen mit den Besucherreaktionen auf die niedrigen Temperaturen sind unterschiedlich. Und auch auf die Frage, in welchem Umfang ein möglicher Rückgang der Besucherzahlen verkraftet werden könne, um das Bad weiterhin halbwegs wirtschaftlich zu betreiben, gibt es auseinandergehende Aussagen.

Maßnahmen seit Juli


Die Stadt Gifhorn hat die Wassertemperatur in der Allerwelle erstmals am 11. Juli abgesenkt, berichtet Stadtsprecherin Annette Siemer. Während der Freibadsaison seien alle Freibadbecken nur noch mit Sonnenwärme über die Absorberanlage beheizt worden. "Dabei wird das Wasser durch Leitungen auf dem Dach der Allerwelle gepumpt und dort von der Sonnenwärme erwärmt", erklärt Siemer. Zeitgleich seien auch die Beckentemperaturen im Hallenbad reduziert worden. Wegen der hohen Außentemperaturen hätten die Badegäste dies jedoch kaum wahrgenommen.

Die Freibadbecken wurden am 4. September geschlossen und werden seitdem nicht mehr beheizt. Die Becken im Hallenbadbereich haben folgende Temperaturen: Sportschwimmbecken: 25,5 Grad Celsius (ursprünglich 27), Lehrschwimmbecken unverändert 30 Grad, Attraktionsbecken: 28 (ursprünglich 30 Grad) und Planschbecken 31 statt 32 Grad.

Seit der Absenkung der Wassertemperaturen seien die Besucherzahlen etwas rückläufig. "Im Schnitt zählen wir täglich rund 440 Besucher, während es in den Vorjahren im selben Zeitraum 550 bis 600 Besucher täglich waren", berichtet die Stadtsprecherin. Möglich sei allerdings, dass auch andere Faktoren eine Rolle spielten, wie zum Beispiel die Verteuerung der Energie und die Verteuerung der allgemeinen Lebenshaltungskosten. "Die Gäste, die auf uns zukommen und mit denen wir sprechen, äußern größtenteils Verständnis für unsere Maßnahmen. Deshalb ist es aus unserer Sicht auch so wichtig, dass die Allerwelle im Sinne der Gesundheitsförderung geöffnet bleibt und Schwimmkurse, das Vereins- und Schulschwimmen sowie die therapeutischen Angebote bestehen bleiben", so Annette Siemer abschließend.

Verständnis für die Situation


Auch im Helmstedter Julius-Bad wurden die Temperaturen gedrosselt. Im Mittel um 3 Grad Celsius, wie Henning Thiele von der Bäder- und Dienstleistungsgesellschaft Helmstedt berichtet. "Unsere Gäste haben im Wesentlichen Verständnis für die Situation. Den Anteil der Personen, der möglicherweise wegen der gesenkten Temperarturen das Bad nicht besucht, können wir nicht quantifizieren", erklärt Thiele. Die Frage nach einem halbwegs wirtschaftlichen Betrieb hänge extrem von der Entwicklung des Gaspreises ab. Die variablen Betriebskosten hingen zum Teil an der Gästezahl. Die möglichen Szenarien seien extrem variabel.

Weniger Familien mit Kindern


Ein ähnliches Bild in der Stadt Wolfenbüttel. "Zum 8. Juli wurden die Wassertemperaturen im Stadtbad Okeraue in einem ersten Schritt um durchschnittlich 1,5 Grad abgesenkt. Ausgenommen hiervon waren die Außenbecken, die solarbeheizt werden, und das Kinderplanschbecken", berichtet Kerstin Hecker von den Stadtwerken Wolfenbüttel. Zum 1. August seien dann in allen Bereichen des Stadtbades die Temperaturen nochmals um weitere 0,5 Grad gesenkt worden. Ausgenommen hiervon war nur das Kinderplanschbecken. Seit dem 26. September bleibt das 4-Jahreszeitenbecken geschlossen. In Zuge dessen seien die Temperatur im Kurs- und Mehrzweckbecken aber wieder um 1,5 Grad angehoben worden. Mit den kurzfristig umgesetzten Schritten hätte die Stadtbetriebe Wolfenbüttel GmbH auf den eindringlichen Appell von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck reagiert, durch schnelles Handeln die drohenden Szenarien einer Gasmangellage im kommenden Winter doch noch abzuwenden.

"Die Senkung der Wassertemperaturen macht sich durchaus bei den Besucherzahlen bemerkbar", berichtet Hecker weiter. Die treuen Stammgäste suchten nach wie vor regelmäßig das Stadtbad Okeraue zum Schwimmen auf, aber vor allem bei Familien mit kleinen Kindern seien die Zahlen rückläufig. "Dieser Effekt wird aber durchaus auch aufgrund der allgemeine angespannten Lage und knapperen Ressourcen eingetreten sein", gibt Kerstin Hecker zu bedenken. "Das Stadtbad Okeraue ist, wie alle uns bekannten Bäder, nicht wirtschaftlich zu betreiben", so Hecker weiter. Der Eintritt der Besucher decke nicht die Kosten des Bades.

Teil der Daseinsvorsorge


Dies sieht man auch in der Stadt Peine so. "Die Unterhaltung eines Schwimmbades ist in der Regel nicht kostendeckend möglich. Wir sehen das P3 als Teil der Daseinsvorsorge in unserer Region", erklärt Petra Kawaletz, Sprecherin der Stadtwerke Peine GmbH. Es habe damit eine wichtige soziale, kommunikative und gesundheitspräventive Funktion für die Menschen in Peine. Zwei wesentliche Aufgaben dabei seien, den Schwimmunterricht für Kinder im Rahmen des Schulsports und den Trainingsbetrieb für Schwimmsportvereine sicherzustellen. Darüber hinaus sei das P3 - insbesondere nach fast drei Jahren Pandemie - ein Treffpunkt für Familien, Schwimmsportler und Menschen jeden Alters, die sich fit halten oder fit werden möchten.

"Damit dieses Angebot auch in Zeiten der Energiekrise aufrechterhalten werden kann, haben wir bereits im Sommer erste Energieeinsparmaßnahmen ergriffen und die Beckenbeheizung im Freibad am 18. Juli komplett eingestellt", berichtet die Unternehmenssprecherin. Mit Beginn der Hallenbadsaison Mitte September, seien sowohl die Wasser- als auch die Lufttemperatur im Sportbecken um jeweils 2 Grad auf 26 beziehungsweise 28 Grad Celsius reduziert und die Vorlaufzeiten in den Saunen gesenkt worden. Beleuchtung und Raumlufttemperatur im Bereich der Umkleiden seien optimiert worden. Darüber hinaus sei zeitnah geplant, die Duschwassertemperatur auf maximal 35 Grad zu begrenzen. "Bisher haben wir nicht feststellen können, dass aufgrund dieser Maßnahmen weniger Gäste das P3 besuchen", so Petra Kawaletz abschließend.

Kein signifikanter Rückgang


In der Stadt Braunschweig gibt es mehrere Bäder und auch diverse Energiesparmaßnahmen. Eine Übersicht findet man hier. "Die Sportbecken im Sportbad Heidberg und in der Wasserwelt haben wir zirka 1 Grad nach unten gedreht, die Whirlpools der Wasserwelt um 3 Grad reduziert und das Außenbecken von 27 auf 20 Grad Celsius gestellt", berichtet Felix Böttcher vom Qualitätsmanagement der Stadtbad Braunschweig Sport und Freizeit GmbH. An den "Nichtschwimmerbecken" habe man keine Reduzierung der Temperaturen vorgenommen. "Bisher konnten wir noch keinen signifikanten Rückgang der Besucherzahlen erkennen", so Böttcher weiter.

Der Betrieb kommunaler Schwimmbäder sei ohnehin defizitär. "Ein Rückgang der Besucherzahlen und damit der Umsätze würde natürlich zu einer weiteren Ergebnisverschlechterung führen, weshalb wir sehr vorsichtig mit dem Thema Temperaturabsenkungen und weiteren Einschränkungen des Angebots umgehen. In unserem Interesse ist es, trotz einiger Energiesparmaßnahmen, ein möglichst attraktives Angebot aufrecht zu erhalten und damit die Besucherzahlen hoch zu halten", betont Felix Böttcher.

Steigerung der Besucherzahlen


"Das BadeLand hat die Wassertemperaturen entsprechend den Empfehlungen - beispielsweise des Deutschen Städtetags - in einigen Becken gesenkt, um den Energieverbrauch nachhaltig zu verringern", berichtet die Stadt Wolfsburg. Im Medibecken sei dies um ein Grad auf 28 Grad Celsius geschehen, im Nichtschwimmer- und Sprungbecken um ein Grad auf 29 Grad, im Wellenbecken um zwei Grad auf 28 Grad und im Schwefelbad in Fallersleben um ein Grad auf 29 Grad. Im BadeLand-Sportbecken sei die Temperatur dagegen nicht verändert worden. Sie betrage weiterhin 26 Grad, um insbesondere die Durchführung von Schwimmkursen und Schwimmunterricht zu ermöglichen. Auch im Kinder- und Babybecken betrage die Wassertemperatur weiterhin 32 Grad.

Seit der Absenkung der Badewassertemperaturen seien im BadeLand keine Besucherrückgänge zu registrieren. Aktuell zeige der Vergleich zum gleichen Zeitraum im Jahr 2021 eine Steigerung bei den Besucherzahlen. Die Frage, in welchem Umfang ein möglicher Rückgang der Besucherzahlen verkraftet werden könne, um das Bad weiterhin halbwegs wirtschaftlich zu betreiben, stelle sich derzeit nicht.

Antworten aus den Städten Salzgitter und Goslar stehen noch aus und werden ergänzt, wenn sie vorliegen.


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