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"Sexarbeit verteufeln?": Grüne fordern differenzierte Debatte zum geplanten Bordellbetrieb in Gliesmarode

Man dürfe die Sexarbeiterinnen nicht durch Verbote stigmatisieren oder verurteilen.

Über dieser Spielhalle möchte sich eine Zimmervermietung mit Bordellbetrieb ansiedeln.
Über dieser Spielhalle möchte sich eine Zimmervermietung mit Bordellbetrieb ansiedeln. Foto: Alexander Dontscheff

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03.11.2020

Braunschweig. Seit dem Bekanntwerden des erteilten Bauvorbescheids für einen bordellartigen Betrieb an der Berliner Straße im Stadtteil Gliesmarode gibt es eine hitzige Diskussion über die Pläne. Aktuell bestimmt die Empörung einiger Anwohner die Auseinandersetzung mit der Thematik. Der Vorstand des Braunschweiger Kreisverbands von Bündnis 90/Die Grünen ruft in einer Pressemitteilung zu einer differenzierteren Debatte um Sexarbeit in Braunschweig auf.



"Wir kritisieren den aktuellen Versuch, das Bauvorhaben nachträglich über Verordnungen zu verhindern. Dieses politisch völlig unsaubere Vorgehen verstärkt lediglich Tabus und Stigmatisierungen um Sexarbeit, die Sexarbeiter*innen nicht schützen, sondern gefährden. Verbote von Sexarbeit lassen weder Sexarbeit an sich, noch den ohnehin illegalen Menschenhandel sowie die Zwangsarbeit verschwinden. Ganz im Gegenteil. Wenn wir durch Verbote oder Restriktionen Sexarbeit aus der Stadt drängen und unsichtbar machen, werden unsichere Arbeitsverhältnisse, Kriminalität und Gewalt erst ermöglicht und befördert. Wir würden somit das Gegenteil von dem begünstigen, was Stimmen, die nach Verboten rufen, erreichen möchten", erklärt Margaux Erdmann aus dem Vorstand von Bündnis 90/Die Grünen Braunschweig. „Außerdem kritisieren wir, dass in der bisherigen Debatte vor allem die - durchaus zu berücksichtigenden - Sichtweisen der Anwohnerinnen und Anwohner aufgegriffen wurden, nicht aber die Stimmen der Sexarbeiterinnen gehört werden. Damit verläuft die Diskussion absolut einseitig."

"Mit der aktuellen undifferenzierten Debatte werden Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter Diskriminierung, Stigmatisierung und Marginalisierung in und aus Braunschweig ausgesetzt. Stattdessen sollten wir in Braunschweig diskutieren, wie wir Sexarbeiter tatsächlich schützen können", fordert die AG Gender*intersektional des Kreisverbands Braunschweig. „Wir fordern deshalb unter anderem einen Ausbau der aufsuchenden Sozialarbeit und ergebnisoffene, mehrsprachige Beratungsangebote auf kommunaler Ebene. Ebenso fordern wir den Ausbau nachhaltiger Schutzkonzepte für Sexarbeiterinnen", so das Statement der Grünen.


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