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Sexueller Missbrauch im Sport - Kinder und Jugendliche sollen besser geschützt werden



Wolfenbüttel

Sexueller Missbrauch im Sport - Kinder und Jugendliche sollen besser geschützt werden

Mehr als 100 Betroffene hatten sich an die unabhängige Kommission gewandt und von ihren Erlebnissen berichtet.

Symbolbild.
Symbolbild. Foto: Pixabay

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Wolfenbüttel. Eine unabhängige bundesweite Kommission bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern aus Sportverbänden und Politik hat in der letzten Woche eine erste Zwischenbilanz ihrer bisherigen Arbeit veröffentlicht. Seit nunmehr anderthalb Jahren setzt sich die Expertengruppe intensiv mit sexueller Gewalt in Sportvereinen auseinander. Das Hauptaugenmerk der Untersuchungen bilden dabei die persönlichen Berichte und Erfahrungen von heute erwachsenen Betroffenen, die als Kinder oder Jugendliche Missbrauchserfahrungen erlebt haben. Die Kommission hat dabei die Aufgabe, Strukturen und Problemlagen zu analysieren, die sexuellen Missbrauch in der Vergangenheit ermöglicht haben und darauf aufbauend Lösungsvorschläge zur besseren Prävention zu erarbeiten. Die sportpolitische Sprecherin der niedersächsischen SPD, Dunja Kreiser, sichert der Kommission derweil ihre vollste Unterstützung zu. Die Landtagsabgeordnete sieht nun auch die Sportverbände und Vereine in der Pflicht, die Ergebnisse bzw. Handlungsempfehlungen der Kommission aufzugreifen und Konzepte zum besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen zu erarbeiten und umzusetzen, wie es aus dem Büro von Dunja Kreiser in einer Pressemitteilung heißt.



Nachdem sich bereits mehr als hundert Betroffene an die Kommission gewandt haben und ihre Erlebnisse detailliert ausgearbeitet werden konnten, wären nun erste Ergebnisse im Rahmen einer Pressekonferenz veröffentlicht worden. Die Kommission fordere dabei in erster Linie mehr Prävention und Hilfe im Kampf gegen sexuellen Missbrauch an Kindern im Breiten- und Leistungssport.

„Die Arbeit und das methodische Vorgehen der Kommission sind nicht hoch genug zu bewerten, da dadurch sehr detaillierte Erkenntnisse über strukturelle Defizite und Schwachstellen im Vereins- und Sportsystem aufgezeigt werden, die Missbrauch an Kindern begünstigen können", erklärt die Fachpolitikerin die Bedeutung der Ergebnisse. Kreiser weiter: „Grundsätzlich brauchen wir viel mehr Prävention, zum Beispiel in Form von gezielter Aufklärung für Kinder und Eltern, aber auch geschulte Ansprechpartner innerhalb der Vereine. Darüber hinaus bedarf es eines hohen Maßes an Sensibilisierung für dieses Thema und verbesserter Kontrollmechanismen. Auch das Thema Transparenz des Vereinslebens spielt in diesem Zusammenhang eine Rolle."



Am Beispiel Niedersachsen mache Kreiser deutlich, wie gute konzeptionelle Arbeit aussehen könne und bereits praktisch umgesetzt werde. „Der Landessportbund hat in Niedersachsen beispielsweise bereits seit zehn Jahren zwei hauptberufliche Mitarbeitende eingestellt und eine Clearingstelle eingerichtet, an die sich Betroffene wenden können. In grenzübergreifender Zusammenarbeit zwischen dem LSB in Niedersachsen und NRW wurden umfangreiche Präventionskonzepte, Informationsmaterialien und konkrete Maßnahmenpläne erarbeitet. Darüber hinaus ist das Thema „Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport“ in die LSB-Satzung aufgenommen worden, ist fester Bestandteil verschiedener Aus- und Fortbildungskonzeptionen und wird über verschiedene Beratungsstrukturen in der Organisation verankert. In Arbeitsverträgen wird ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis von allen Mitarbeitenden verlangt, die mit Kindern und Jugendlichen zusammenarbeiten. Verdachtsfälle werden durch den LSB bereits frühzeitig untersucht und Vorkommnisse konsequent verfolgt. Insgesamt ist der Sport in Niedersachsen bereits seit langem hervorragend organisiert und agiert durch eine Vielzahl an Verantwortlichen, die für dieses Thema sensibilisiert sind, überaus professionell und entschlossen", bilanziert Kreiser. Niedersachsen sei in dieser Hinsicht ein Vorzeigebeispiel, an dem sich auch andere Bundesländer orientieren könnten.

Aufklärungs- und Präventionsprogramme entwickeln



Zugleich mahnt die Innen- und Sportpolitikerin aber auch, dass sexuelle Gewalt im Sport kein Problem sei, dass Vereine im Alleingang beheben könnten: „Der Kampf gegen Gewalt und Missbrauch an Kindern betrifft die gesamte Gesellschaft und daher tragen wir auch alle gemeinsam eine hohe Verantwortung. Der Sport, die Politik, die Eltern, die ganze Zivilgesellschaft. Nur wenn wir alle gemeinsam wachsam sind, Anzeichen ernst nehmen und dieses Thema endlich enttabuisiert wird und die angemessene öffentliche Aufmerksamkeit erhält, können wir unseren Kindern wirklich den nötigen Schutz garantieren."

Aus den Reihen der Politik fordere die Abgeordnete bundesweit flächendeckend Aufklärungs- und Präventionsprogramme zu entwickeln und auszubauen, den Breitensport mit allen Kräften zu unterstützen und Anlaufstellen für Betroffene bundesweit fördern. „Alles was wir als Politikerinnen und Politiker ausrichten können, um sexuellen Missbrauch in Vereinen, Institutionen oder auch im Privaten zu verhindern, sollten wir mit aller Kraft und ohne Finanzierungsvorbehalte angehen", macht Kreiser klar.


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