Toronto. Der US-Historiker Timothy Snyder sieht Parallelen zwischen dem Regierungsstil des US-Präsidenten Donald Trump und den Methoden der Nazis.
In der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) nannte er als Beispiel den führenden US-Beamten Greg Bovino, der beim gewaltsamen Vorgehen der Grenzschutzbehörde ICE in Minneapolis Kleidung trug, die manche an SS-Uniformen erinnerte. Snyder sagte dazu, Bovino stilisiere sich "als Himmler oder Heydrich". Auch in den Internetauftritten von US-Ministerien fänden sich "Inhalte, die als Chiffren für weißen Nationalismus oder Faschismus bekannt sind".
Besonders scharfe Kritik übte Snyder am Multimilliardär Elon Musk, der "vielleicht einflussreichsten Person Amerikas". Der habe die Parameter seiner Plattform X so geändert, "dass es heute viel einfacher ist, Nazi-Inhalte zu verbreiten". Eine Geste Musks mit ausgestrecktem Arm sei nur deshalb als Hitlergruß interpretiert worden, "weil es ein Hitlergruß war". Es sei "schon lustig zu beobachten, wie manche versuchen, sichtbare Dinge nicht zu sehen".
Snyder widersprach dem in Deutschland verbreiteten Argument, Nazi-Vergleiche seien unzulässig, weil sie den Holocaust banalisierten oder seine Einzigartigkeit infrage stellten. Die Annahme, "dass solche Dinge anderswo nicht auch passieren können", sei "eine Art negativer nationaler Exzeptionalismus".
Wer Vergleiche zwischen gegenwärtigen Entwicklungen und der Nazi-Diktatur ausschließen wolle, mache "die historische Erforschung des Holocausts nutzlos". In der Geschichte sei zwar alles einzigartig, aber man müsse sich "vor dem Fehlschluss hüten, dass deshalb aus dem Holocaust nichts gelernt werden kann". Das Gegenteil sei richtig. "Wer den Holocaust ernst nimmt, erforscht alle Elemente, die ihn möglich gemacht haben, und versucht dadurch, die Gegenwart besser zu verstehen".
Im Augenblick gebe es "eine ziemliche Anzahl von Amerikanern in führenden Positionen, für die das Dritte Reich ein positives Beispiel" sei. "Und diese Menschen können wir nicht analysieren, wenn wir uns vom Wissen über das Dritte Reich abschneiden". Es sei "eine Perversion zu sagen, wir wollen Widerstand gegen Faschismus leisten, aber zugleich wollen wir nichts über ihn wissen."
Angesichts imperialer Tendenzen der Führungen in Amerika, Russland und China verwies Snyder auf die Bedeutung der Europäischen Union. Die sei deshalb heute so wichtig, weil sie eine Antwort auf die Frage gebe, "was nach den Imperien kommen kann". Sie versuche "eine große integrierte Zone zu schaffen, die nicht auf Ausbeutung beruht und nicht auf dem Gefälle zwischen Zentrum und Peripherie". Viele europäische Nationen hätten das aber nicht begriffen. "Sie sehen nicht, dass Europa die Hoffnung verkörpert, dass es auch etwas anderes geben kann." Die Europäer müssten verstehen, dass "heute ihre größten Konkurrenten Imperien sind. Dann würden sie vielleicht auch erkennen, wie wichtig ihre Union als Alternativentwurf ist."
Nach Snyders Analyse spielt Deutschland in dieser Lage eine zentrale Rolle. "Ob es in der Welt Demokratie geben wird, hängt von Europa ab, und Europa hängt von Deutschland ab." Für Deutsche sei das "nicht immer bequem". Sie hätten sich an den Gedanken gewöhnt, dass sie "nicht führen" sollten. "Aber wenn ihr nicht führt, legt ihr die Macht vollständig in die Hände der Amerikaner und der Russen."
In dieser Lage sei die AfD "deshalb besonders gefährlich, weil sie mit den amerikanischen Social-Media-Oligarchen" zusammenwirke. "Sie will diesen Leuten erlauben, den deutschen Informationsraum zu beherrschen." Er betrachte die AfD deshalb "weniger als eine deutsche Partei denn als ein Instrument der amerikanischen Tech-Giganten". Musk und der US-Vizepräsident J.D. Vance unterstützten sie, "weil sie die EU aufbrechen wollen und damit auch die Regeln der EU zur Kontrolle der digitalen Medien. Sie wollen Geld machen, und die Verbreitung von antieuropäischem Faschismus ist ihr Mittel." Die Unterstützung der AfD sei "Teil eines Projekts zur Zerstörung der europäischen Demokratien und der EU".
Snyder: Parallelen zwischen Trumps Regierungsstil und Nazi-Methoden
Der US-Historiker Timothy Snyder sieht Parallelen zwischen dem Regierungsstil des US-Präsidenten Donald Trump und den Methoden der Nazis. In der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) nannte er als Beispiel den führenden US-Beamten Greg Bovino, der beim gewaltsamen Vorgehen der Grenzschutzbehörde ICE in Minneapolis Kleidung trug, die manche an SS-Uniformen erinnerte.
Donald Trump (Archiv) | Foto: via dts Nachrichtenagentur

