Wolfenbüttel

Soll Förderung von Kultur zur Pflichtaufgabe für Kommunen, Land und Bund werden?

Der Grüne Bundestagsabgeordnete Ottmar von Holtz diskutierte bei einem Besuch in Wolfenbüttel über langfristige Fördermöglichkeiten für die von Corona arg gebeutelte Kulturszene.

Ottmar von Holz und Ulrike Krause nach dem Besuch der Herzog-August-Bibliothek.
Ottmar von Holz und Ulrike Krause nach dem Besuch der Herzog-August-Bibliothek. Foto: Lena Krause; Bündnis 90/Die Grünen

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04.08.2020

Wolfenbüttel. "Wir müssen darüber diskutieren, dass die Förderung von Kultur in Kommunen, Land und Bund immer noch eine freiwillige Leistung ist und so häufig zuallererst dem Rotstift zum Opfer fällt“, betonte Ottmar von Holtz, der für die Grünen im Bundestag sitzt bei seinem Besuch in Wolfenbüttel. Hier wurde er von Ulrike Krause, der Fraktionsvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen im Rat der Stadt Wolfenbüttel, empfangen. Auf dem Programm standen die Besichtigung der Herzog August Bibliothek und die Bundesakademie für Kulturelle Bildung. Das berichten die Grünen in einer Pressemitteilung.



„Als Mitglied des Kulturausschusses freue ich mich, dass Ottmar für seine Tour in diesem Jahr den Fokus auf den Kulturbereich legt. Denn Kultureinrichtungen und Kulturschaffende treffen die Auswirkungen der Corona-Pandemie mit voller Wucht“, betont Ulrike Krause. Dem pflichtet Ottmar von Holtz bei: „Im Mittelpunkt der Sommertour in meinem Betreuungswahlkreis Hildesheim-Großraum Braunschweig stehen die Folgen der Corona-Krise für Kunst und Kultur, vor allem der freien Szene, und die strukturellen Herausforderungen, denen sich die Kulturpolitik zuwenden sollte.“ Auch wenn jetzt nach und nach Veranstaltungen wieder stattfinden und Kultureinrichtungen wieder geöffnet werden können, fehle an vielen Stellen eine langfristige Perspektive und Planungssicherheit. Insbesondere die Einrichtungen, deren Jahresbudget sich zu großen Teilen aus Einnahmen aus Teilnahmegebühren, Ticketverkäufen oder Vermietungen zusammensetzt, befänden sich in einer existenzbedrohenden Situation.

"Den Kulturbetrieb auf lange Sicht krisenfester machen"


Gleichzeitig hätten die solo-selbstständigen Kulturschaffenden mit dem nahezu kompletten Wegbrechen ihrer Einnahmen zu kämpfen. Gerade die kleinen Kulturinitiativen habe die Schließung besonders hart getroffen. Auch die Wolfenbütteler Kulturszene sei von der Corona-Pandemie nicht unberührt geblieben. Über die elementare Bedeutung der Kultur für unsere Gesellschaft sind sich Ottmar von Holtz und Ulrike Krause einig. Kulturschaffende und Kultureinrichtungen seien zentrale Akteure einer demokratischen Gesellschaft. Sie leisteten einen elementaren Beitrag zur Demokratiebildung. Sie ermöglichten Erfahrungs- und Diskursräume für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Für die Politik ergebe sich daraus ein wichtiger Auftrag: „Wir müssen den Kulturbetrieb auf lange Sicht krisenfester machen. Weniger kurzfristige Projektförderung, mehr langfristige Strukturfördermaßnahmen. Wir müssen unser Zuwendungsrecht und Gemeinnützigkeitsrecht so reformieren, dass Rücklagenbildung ermöglicht wird“, so Ottmar von Holtz. Und man müsse über den Status der Kulturförderung als freiwillige Leistung von Verwaltungen nachdenken.


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