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SPD schlägt das Projekt "Mobile Retter" vor


Symbolfoto: Kai Baltzer
Symbolfoto: Kai Baltzer Foto: Kai Baltzer

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04.03.2017

Salzgitter. Die SPD-Ratsfraktion hat die Verwaltung mit der App "Mobile Retter" und diversen Fragen konfrontiert. Die Antworten sollen am 7. März im Ausschuss für Feuerwehr und öffentliche Ordnung zur Kenntnis genommen werden.


Im Jahr 2014/2015 wurde im Kreis Gütersloh das Projekt "Mobile Retter" erfolgreich gestartet. Ziel war es, dass bei einem Notruf, der in der Rettungsleitstelle eingeht, innerhalb kürzester Zeit ein qualifizierter Ersthelfer vor Ort sein kann. Über eine App, die herunterzuladen ist, kann der Teilnehmer / die Teilnehmerin mit medizinischer Qualifikation (beispielsweise Krankenpfleger/in, Arzt, Feuerwehrkamerad/in oder Rettungsschwimmer/in oder -assistent/in) geortet werden und im Notfall umgehend, zum Beispiel durch einen Signalton, kontaktiert werden. Sollte eine/r der kontaktierten HelferInnen den Auftrag annehmen, ist er oftmals schneller am Einsatzort als der parallel alarmierte Rettungswagen. In einem Notfall spielt die Zeit, bis HelferInnen am Einsatzort eintreffen, oft die entscheidende Rolle, um die gesundheitliche Beeinträchtigung und Folgeschäden zu minimieren.

Daher bat die Ratsfraktion die Verwaltung um die Beantwortung folgender Fragen:




Frage 1:
Ist der Verwaltung dieses Projekt bekannt?

Antwort der Verwaltung:
Das Projekt wurde in Fachmedien vorgestellt. Der Verwaltung ist durch diese Medien und durch Vorträge auf Fachveranstaltungen sowie Fachgremien das Projekt bekannt.

Frage 2:
Wie bewertet die Verwaltung dieses Projekt?

Antwort der Verwaltung:
Der Kreis Gütersloh als Projektkreis hat eine Gesamtfläche von 968 Quadratkilometern und eine Ausdehnung von 46 Kilometern Nord-Süd-Richtung und 45 Kilometer Ost-West-Richtung, somit eine deutlich größere Ausdehnung als die Stadt Salzgitter. Damit verbunden ist auch eine andere rettungsdienstliche Struktur. Für die Stadt Salzgitter wurde mit dem Bedarfsplan Rettungsdienst 2017 eine neue verbesserte rettungsdienstliche Struktur geschaffen. Zusätzlich wurde in der Leitstelle Salzgitter das System der strukturierten Notrufabfrage eingeführt. Damit wird die gezielte Zuteilung der Einheiten zu Einsätzen verbessert. Im Rahmen dieser speziellen Notrufabfrage wird der Hilfeersuchende bei Bedarf zur Ersten Hilfe angeleitet. Dies ist besonders effektiv bei einer möglichen Herz-Lungen-Wiederbelebung.

Die Stadt Salzgitter hatte in der Vergangenheit an einem Projekt der Uniklinik Göttingen teilgenommen. Die Ergebnisse aus dem Projekt waren sehr positiv, so dass auch nach Ende des Projektes diese Maßnahme in Salzgitter weitergeführt wurde. Mit der Einführung der strukturierten Notrufabfrage ist dies in optimierter Form übernommen worden. Die bisherigen Erfahrungen sind weiterhin positiv, dies zeigen auch die Berichte der den Betroffenen übernehmenden Rettungsdienstbesatzung. Die direkte Erste Hilfe durch den Notrufmeldenden ist von allen Lösungen aus Verwaltungssicht die effektivste, da das sogenannte Therapiefreie Intervall (Zeitpunkt des Feststellens eines Notfalles bis zum Beginn von lebensrettenden Maßnahmen) hier noch kürzer ist, als im Projekt „Mobile Retter“. Diese Massnahmen der telefonischen Ersten Hilfe wird auch vom European Research Council (ERC) empfohlen. Der ERC spricht regelmäßig internationale Empfehlungen zur Versorgung von kritischen Patienten und Patientinnen aus.

„Mobile Retter System“ wird derzeit nicht für notwendig erachtet


Zusätzlich findet derzeit die technische Umsetzung der entfernungsabhängigen Alarmierung von rettungsdienstlichen Einheiten statt. Auch dies trägt zur erheblichen Optimierung der rettungsdienstlichen Versorgung bei. Somit wird aus rettungsdienstlicher Sicht ein „Mobile Retter System“ derzeit nicht für notwendig erachtet. Hinzu kommt die Möglichkeit, in den Bereichen der Wache 1 und Wache 2 First-Responder Einheiten (Einheiten des Brandschutzes) als Ersthelfer einzusetzen. Es ist aus Sicht der Verwaltung vielmehr notwendig, das Netz von Ersthelfern und Möglichkeiten für Ersthelfer wie zum Beispiel vollautomatische Defibrillatoren (AED) zu verbessern.

Frage 3:
Gibt es Überlegungen, Ansätze oder Planungen, um "Mobile Retter" auch in Salzgitter zu implementieren?

Antwort der Verwaltung:
Nein, derzeit nicht. Das Projekt wird aber auf Ebene der landesweiten Interessenverbände (Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren Arbeitskreis Rettungsdienst AGBF AK-RD) beobachtet. Abstimmungsprozesse und aktuelle Bewertungen finden auch dort statt.

Frage 4:
Welche Maßnahmen wären für einen Einsatz in Salzgitter notwendig, mit welchen finanziellen Mitteln wäre dieses Projekt umsetzbar?

Antwort der Verwaltung:
Um solch ein System in Salzgitter anbinden zu können, ist eine Anpassung des Einsatz-Leit-Rechners (ELR) notwendig. Hier muss eine automatische Weitergabe der Daten an den Betreiberserver des Dienstleistungsanbieters erfolgen. Kosten können dafür explizit nicht genannt werden, da dazu eine Beschreibung der notwendigen Schnittstellenleistungen erforderlich ist. Aus der Erfahrung heraus kann davon ausgegangen werden, das die Schnittstellenkosten mindestens 20.000 Euro betragen werden. Diese Kosten können nicht über den Rettungsdienst refinanziert werden, da es sich hierbei nicht um Leistungen nach dem Niedersächsischen Rettungsdienstgesetz (NRettDG) handelt. Weitere Kosten würden durch die Ausbildung der Leitstellenmitarbeiter entstehen. Die Ausbildung der mobilen Retter findet über den Dienstleistungsanbieter statt. Da das Projekt aus Nordrhein-Westfalen stammt, ist auch eine Prüfung der landesrechtlichen Gesetzgebung notwendig, was zum Beispiel Datenschutzbestimmungen betrifft.



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